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Softwarefirma Neue Finanzierung für Contentful: Hat Berlin ein neues Einhorn?

Die Softwarefirma Contentful hat eine Finanzierungsrunde mit 80 Millionen Dollar abgeschlossen. Pläne für einen Börsengang könnten in zwei Jahren konkret werden.
17.06.2020 - 13:34 Uhr Kommentieren
CEO Steve Sloan und die Gründer Sascha Konietzke und Paolo Negri wollen mit neuem Kapital ihrer Softwarefirma zu mehr Kunden verhelfen.
Das Führungstrio von Contentful

CEO Steve Sloan und die Gründer Sascha Konietzke und Paolo Negri wollen mit neuem Kapital ihrer Softwarefirma zu mehr Kunden verhelfen.

Düsseldorf Das Berliner Start-up Contentful hat seine Finanzierungsrunde E in Höhe von 80 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Die Firma tritt an, den Markt für Content-Management-Systeme mit etablierten Unternehmen wie Adobe aufzurollen und hat namhafte Investoren an Bord. Die neue Finanzierungsrunde steigert die Gesamtfinanzierung von Contentful auf 158 Millionen US-Dollar und dürfte für Aufsehen sorgen.

„Wir sind definitiv in der Einhorn-Gegend angekommen bei der Bewertung“, sagt Co-Gründer Sascha Konietzke. „In den nächsten eins, zwei Jahren können wir über den Börsengang nachdenken.“

Mit konkreten Zahlen hält sich der ehemalige CEO und aktueller Strategiechef der Firma aber bedeckt. Deshalb müssen solche Zuschreibungen vorsichtig behandelt werden. Doch die Marktanalyseplattform CB Insights ermittelte Contentful schon mithilfe eines ausgeklügelten Algorithmus als Kandidat für diese Kategorie der Start-ups mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Dollar.

Das Geschäftsmodell von Contentful ist Software als Service: Kunden mieten die digitale Infrastruktur des Unternehmens im Jahresabo. Das Inhaltsverwaltungssystem der Firma ist vor allem auf die Bedürfnisse von Großkunden zugeschnitten.

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    Sie können mithilfe des Systems etwa sämtliche Texte, Preisinformationen, Bilder und Bedienungsanleitungen zu ihren Produkten an einem Ort speichern und bearbeiten und von dort auf unterschiedlichen Kanälen ausspielen, zum Beispiel auf die eigene Homepage und Anzeigenflächen in Verkaufsräumen. Zu den Kunden zählen zum Beispiel Onlinehändler Zalando, die Brauerei Heineken und der Musikstreamingdienst Spotify.

    Auch der Zeitpunkt der neuen Finanzierungsrunde ist bemerkenswert. In der Coronakrise halten sich viele Investoren zurück. Contentful konnte nicht direkt von der Krise profitieren, sagt Sascha Konietzke. Auf ein neues Content-Management-System stellten Unternehmen nicht unmittelbar in der Krise um. Aber er setzt auf längerfristige Effekte. „Durch Corona überlegen gerade aber viele Unternehmen, wie sie in Zukunft ihre gesamte digitale Präsenz aufbauen“, sagt er.

    Die neuerliche Finanzierungsrunde wird angeführt von Sapphire Ventures, dem unabhängigen Ableger von SAP.Daneben beteiligen sich unter anderem General Catalyst, Salesforce Ventures sowie fünf weiteren neuen und bestehende Investoren. Anteile an dem 2012 in Berlin gegründeten Unternehmen halten unter anderem auch der bekannte US-Investor Benchmark und der Berliner Investor Point Nine.

    Das frische Kapital will Contentful nutzen, um die Plattform auszubauen und bessere Möglichkeiten für Entwickler zu schaffen, andere Programme in die Infrastruktur zu integrieren. Außerdem soll Geld in das Marketing gesteckt werden. „Wir stehen noch ganz am Anfang bei der Kundenakquise“, sagt Strategiechef Konietzke.

    Laut Unternehmensangaben hat Contentful 2200 zahlende Kunden weltweit, darunter 28 Prozent der Fortune-500-Unternehmen. Den überwiegenden Anteil der Umsätze erzielt die Firma in den USA. Der Vorteil bei der Kundenbindung: Der Wechsel eines Verwaltungssystems ist für Unternehmen oft sehr aufwendig.

    Um den Marktanteil weiter zu steigern, hat sich das Start-up nun auch bemerkenswert verstärkt: Die neue Marketingchefin von Contentful ist nämlich die alte eines etablierten Wettbewerber: Bridget Perry hatte zuletzt das Marketing von Adobe in ganz Europa, dem Nahen Osten und Afrika geleitet.

    Ziele mit neuem Geld: Plattform ausbauen und Kunden gewinnen

    Beim Wachstum setzt Contentful zudem auf Entwickler: Über ein kostenloses Produkt für die IT-Experten wirbt das Unternehmen für seine Dienste und gelangt quasi durch die Hintertür zu den Entscheidern in den Unternehmen. Zehntausende Entwickler nutzten Contentful, sagt Konietzke.

    Der Cloudflight-Analyst Stefan Ried ist bei den Wachstumserwartungen allerdings vorsichtig. Entscheidend werde es sein, ob es Contentful gelinge, entlang der Lieferketten seiner Unternehmen viral zu wachsen. „Wenn Contentful über ihre Bestandskunden deren Partner gewinnt, weil sie auf der Plattform zusammenarbeiten können, dann ist das Modell erfolgsversprechend.“

    Ein langfristiges Risiko für das Berliner Start-up ist, dass mächtige Cloud-Unternehmen wie Amazon und Google in den Markt für Content-Management-Systeme vordrängen und die Verwaltungssysteme und ihre Clouddienste in Kombination günstiger anbieten könnten als der kleinere Spezialist.

    Personell verstärken will sich Contentful noch im Bereich Kundenbetreuung. Zurzeit hat Contentful 400 Mitarbeiter, drei Viertel der Belegschaft arbeiten von Berlin aus. Außerdem hat das Unternehmen einen Sitz in San Francisco.

    In Deutschland gibt es nach Analystenschätzungen derzeit etwa ein Dutzend Einhörner. Dazu zählen unter anderem die Autoplattform Auto1 Gruppe, die Direktbank N26 und die Münchner Softwarefirma Celonis.

    Mehr: Peking statt Silicon Valley: Wie China sein eigenes Einhorn-Wunder erschafft.

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