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Softwarehersteller Neuer Investor für SAP-Ausgründung Fioneer gesucht – Stiftung von Hasso Plattner steigt aus

Die Stiftung von SAP-Aufsichtsratschef und Großaktionär Hasso Plattner will ihre Beteiligung am Joint Venture verkaufen – und reagiert so auf scharfe Kritik.
01.07.2021 Update: 01.07.2021 - 12:50 Uhr Kommentieren
Der Softwarehersteller spaltet das Geschäft mit Software für Finanzdienstleister ab. Quelle: imago images/Arnulf Hettrich
SAP-Zentrale in Walldorf

Der Softwarehersteller spaltet das Geschäft mit Software für Finanzdienstleister ab.

(Foto: imago images/Arnulf Hettrich)

Düsseldorf, Frankfurt SAP vollzieht in einem wichtigen strategischen Projekt eine Kehrtwende: Der Softwarehersteller will im neuen Gemeinschaftsunternehmen Fioneer, das mit der Beteiligungsgesellschaft Dediq Spezialprodukte für Finanzdienstleister entwickeln soll, auf eine Investition der Hasso Plattner Foundation verzichten.

Nach Kritik von Investoren plant die gemeinnützige Stiftung des Mitgründers, Großaktionärs und Aufsichtsratschefs von SAP nun, ihren Anteil an einen neutralen Investor abzugeben. Das teilte die Organisation am Donnerstag mit.

SAP hatte die Beteiligung der Stiftung bei der Bekanntgabe des Gemeinschaftsunternehmens im April zunächst verschwiegen. Als das Handelsblatt darüber im Mai exklusiv berichtete, war der Unmut groß.

Transparenz müsse oberstes Gebot sein, schließlich gebe es für Plattner als Aufsichtsratschef offensichtlich Interessenkonflikte, mahnte Ingo Speich, Corporate-Governance-Experte beim Sparkassen-Fondsanbieter Deka. Die nun angekündigte Kehrtwende sei „ein längst überfälliger Schritt, der nicht nur für die Stiftung, sondern auch für alle Beteiligten mit Interessenkonflikten gelten muss“.

Rouven Westphal, Co-Vorstand der Stiftung, will die Aufgabe des Investments jedoch nicht als Schuldeingeständnis verstanden wissen: „Wir waren uns sicher, dass der Deal unter allen Aspekten sehr sauber ist, unser Ausstieg soll nichts anderes suggerieren“, sagte er dem Handelsblatt.

„Die teilweise kritischen Berichte und internen Stimmen haben uns aber gezeigt, dass das, was legal und compliant ist, nicht automatisch von allen Stakeholdern akzeptiert wird.“ Durch den Rückzug wolle man sicherstellen, dass der Ruf der Stiftung und der Erfolg von Fioneer nicht weiter belastet würden.

Diese Hoffnung gibt es auch bei SAP und Dediq. Denn das „Schnellboot“, wie SAP-Finanzchef Luka Mucic das Unternehmen bei der Vorstellung nannte, erlebt einen Stotterstart. Bedenken gibt es nicht nur bei Investoren, sondern auch unter den eigenen Mitarbeitern: Viele zögern Unternehmenskreisen zufolge bislang mit einem Wechsel in die neue Einheit.

Für das Joint Venture sei Stabilität wichtig, sagte Mucic dem Handelsblatt. Durch die Neuordnung der Eigentümerstruktur „können wir uns voll darauf konzentrieren, den Markterfolg von SAP Fioneer zu verfolgen“.

SAP holt zusätzliche Gutachten ein

Das Gemeinschaftsunternehmen Fioneer soll das Portfolio für Banken und Versicherungen ausbauen und unabhängig von SAP Speziallösungen entwickeln, die aber mit den Produkten des deutschen Softwareherstellers kompatibel sein sollen.

Partner von SAP ist Dediq, eine Beteiligungsgesellschaft aus München, die auf die IT-Branche spezialisiert ist und sich bereits mit Bankensoftware beschäftigt. Sie will in den nächsten Jahren „mehr als 500 Millionen Euro“ investieren. Das Geld für die Projekte stammt allerdings zu einem beträchtlichen Teil von externen Kapitalgebern – wie bislang der Hasso Plattner Foundation.

Er zählt laut dem Magazin „Forbes“ zu den zehn reichsten Deutschen. Quelle: dpa
Hasso Plattner

Er zählt laut dem Magazin „Forbes“ zu den zehn reichsten Deutschen.

(Foto: dpa)

Diskutiert wurde in der Finanzbranche zuletzt die Frage, ob die Bewertung des Gemeinschaftsunternehmens fair ist. Dediq soll für die Investitionen einen Anteil von 80 Prozent erhalten. SAP bringt die Mitarbeiter und Produkte ein, ist aber mit 20 Prozent lediglich Minderheitseigentümer.

Wie hoch das Gemeinschaftsunternehmen konkret bewertet wird, gibt SAP nicht preis. Das Geschäft mit Finanzdienstleistern macht nach Angaben von SAP etwas weniger als zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus, der sich im vergangenen Jahr auf 27,34 Milliarden Euro belief. Die neue Einheit übernimmt aber nur die Speziallösungen für den Sektor, zudem verbleiben die lukrativen Wartungsverträge beim Konzern. Investoren gehen daher von einer Bewertung im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich aus.

Der Softwarekonzern will sich bei dem Thema jedenfalls noch einmal absichern. Der Prüfungs- und Compliance-Ausschuss des Aufsichtsrats hat deshalb zwei unabhängige, externe Gutachter beauftragt. Die Kanzlei Gleiss Lutz und die Beratungsfirma Duff & Phelps hätten mittlerweile Zwischenberichte vorgelegt, erklärte SAP. „Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Bewertung fair ist und der Entscheidungsprozess regelkonform war.“

Als Reaktion auf die Investorenkritik hat SAP zudem die Governance-Regeln überarbeitet und schließt künftig gemeinsame Investments mit der Hasso Plattner Foundation aus. Nur bei Start-ups seien Überschneidungen in Einzelfällen nicht vermeidbar, hier gehe es aber nur um Finanzbeteiligungen mit Minderheitsanteilen, hieß es.

Die Logik des Deals gilt als nachvollziehbar

Markus Golinski, Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft Union Investment, war wegen der mangelnden Transparenz bei der Verkündung des Dediq-Deals irritiert. „Das war unsauber.“ Grundsätzlich findet er die Abspaltung aber richtig.

„Die Abspaltung in ein Joint Venture ist ein Zeichen, dass SAP spezielle Softwarelösungen für die Finanzbranche nicht mehr zum Kerngeschäft zählt“, sagt Golinski. Im Vergleich zu Sektoren wie dem Einzelhandel, Energie und Chemie habe der Dax-Konzern im Finanzsektor einen relativ geringen Marktanteil, weil der Markt deutlich fragmentierter sei und es dort starke Wettbewerber wie Temenos, Oracle und Infosys gebe.

„Bei Kernbanksystemen hat SAP nie so richtig einen Fuß auf den Boden bekommen“, sagt Golinski. „Ich finde es deshalb gut, dass das Unternehmen seine personellen und finanziellen Ressourcen nun auf andere Bereiche im Konzern fokussiert.“

Standardprodukte wie die Software für die Steuerung von Geschäftsprozessen (ERP) und Cloud-Lösungen für die Finanzbranche sollen bei SAP verbleiben. Bei der neuen Einheit, die sich auf Speziallösungen konzentriert, könne „im Idealfall ein Start-up-Spirit entstehen, in dem neue Produkte entwickelt werden und die Position im Finanzsektor gestärkt wird“, sagt Golinski.

Zudem könne die Bewertung des Gemeinschaftsunternehmens durch Zukäufe erhöht werden. Ein Teil der Investitionen ist explizit für solche Aktivitäten vorgesehen.

Investorensuche dauert einige Monate

Die Hasso Plattner Foundation sucht nun nach einem Käufer für ihren Anteil. Dabei werde man „einen geordneten Prozess, wahrscheinlich mit einer Investmentbank, durchführen“, sagte Co-Vorstand Westphal. „Wir haben schon die Fühler ausgestreckt.“ Ziel sei es, mit der Auswahl die langfristigen strategischen Interessen von SAP und Fioneer zu unterstützen. Wie hoch die Investition ist, macht die Organisation nicht öffentlich.

Der Prozess dürfte einige Monate dauern. „Wir sind zuversichtlich, dass wir bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres einen neuen Investor gefunden haben“, sagte der Vertraute von SAP-Mitgründer Hasso Plattner. Er betonte, dass die Stiftung beim Ausstieg lediglich ihre Kosten erhalten, aber keinen Gewinn erzielen wolle. Das sei wichtig, „um im Ablauf sauber zu sein“.

Durch den Ausstieg der Stiftung soll keine Finanzierungslücke entstehen. „Die Anteile sind mit allen Rechten und Pflichten verbunden“, sagte Matthias Tomann, Geschäftsführer von Dediq. Sobald Fioneer an den Start gehe, könne es daher über alle zugesagten finanziellen Mittel verfügen.

Ein Unsicherheitsfaktor ist aktuell die Rekrutierung von Mitarbeitern. Das Joint Venture soll mit 800 Beschäftigten an den Start gehen, davon 400 aus Deutschland, wie Cawa Younosi, Personalchef von SAP Deutschland, kürzlich dem „Mannheimer Morgen“ sagte. Zusätzlich hat Dediq zahlreiche Stellenausschreibungen veröffentlicht.

„Ob die neue Firma erfolgreich ist, wird maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, die richtigen Leute an Bord zu holen“, sagt Union-Investment-Manager Golinski. „Das ist eine Herausforderung, weil die Wechselbereitschaft gerade bei langjährigen SAP-Mitarbeitern dem Vernehmen nach eher gering ist.“ SAPler sollen beim Wechsel eine Abfindung erhalten, wie sie der Rahmensozialplan vorsieht. Trotzdem gibt es nach Einschätzung aus Betriebsratskreisen bislang noch Vorbehalte.

Direkt nach der Ankündigung seien viele SAP-Mitarbeiter überrascht gewesen, auch wegen der ungewöhnlichen Konstruktion, sagte Dediq-Chef Tomann – der Softwarehersteller gibt in der Regel nicht die Kontrolle über Gemeinschaftsunternehmen ab. „Was aber beeindruckend ist: wie viel Aufbruchstimmung in den letzten Wochen entstanden ist.“ Es gebe eine große interne Nachfrage, auch aus Bereichen, die nicht ins Joint Venture wechseln sollen.

Mehr: Belasteter Ex-Betriebsratschef: SAP spricht Kündigung aus

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