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Softwarehersteller SAP-Chef McDermott tritt überraschend zurück – Konzern leitet Generationswechsel ein

Bill McDermott hat den Chefposten bei SAP mit sofortiger Wirkung geräumt. Ihm folgt eine Doppelspitze – und erstmals eine Frau als Co-Chefin eines Dax-Konzerns.
Update: 11.10.2019 - 11:56 Uhr Kommentieren
Der scheidende SAP-Chef und die neue Doppelspitze. Quelle: dpa
Christian Klein, Bill McDermott, Jennifer Morgan (v.li.)

Der scheidende SAP-Chef und die neue Doppelspitze.

(Foto: dpa)

Walldorf SAP-Chef Bill McDermott ist überraschend zurückgetreten. Der Manager werde seinen bis 2021 laufenden Vertrag nicht verlängern und verlasse seine Position mit sofortiger Wirkung, teilte der Softwarehersteller in der Nacht zu Freitag mit.

Als gemeinsame Nachfolger bestimmte der Aufsichtsrat die Vorstandsmitglieder Christian Klein und Jennifer Morgan. Mit Morgan wird erstmals eine Frau (Co-) Chefin eines Dax-Konzerns. McDermott stehe dem Unternehmen bis zum Jahresende beratend zur Verfügung, um einen „reibungslosen Übergang zu gewährleisten“, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns.

Er hätte Anfang 2020 erklären müssen, ob er seinen Vertrag erneut verlängern wolle, sagte McDermott in einem Gespräch mit Journalisten – er sei aber zu der Entscheidung gekommen, dass er das nicht tun wolle. „Zehn Jahre als CEO sind eine lange Zeit“, sagte der 58-jährige Amerikaner. „Ich wollte die Kontrolle zu einem Zeitpunkt übergeben, an dem SAP bei maximaler Stärke ist.“ Die Zahlen fürs dritte Quartal, die der Konzern parallel vorlegte, bestätigen das: Der Umsatz wächst kräftig, die Profitabilität ebenfalls.

SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner lobte McDermotts Verdienste: Ohne ihn wäre der Konzern nicht das, was er heute ist, erklärte er in einer Mitteilung. Der Manager habe „unschätzbare Beiträge“ geleistet und sei der Haupttreiber des Übergangs zum Cloud Computing gewesen, das nun das Wachstum auf viele Jahre befeuern werde. Die SAP-Aktie gewann am Freitag bis zum Mittag mehr als sieben Prozent an Wert. 

Mit der Neubesetzung leitet SAP einen Generationswechsel ein. Christian Klein (39) verantwortet bislang die wichtigsten Anwendungen von SAP, darunter das Programmpaket S/4 Hana, zudem ist er als Chief Operating Officer für die operativen Abläufe zuständig. Jennifer Morgan (48) leitet die Cloud Business Group, in der der Softwarekonzern mehrere große Zukäufe zusammenfasst, und war zuvor für den Vertrieb mitverantwortlich.

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Niemand sei besser vorbereitet, die Leitung von SAP zu übernehmen, sagte McDermott – die beiden seien komplementär. In der Tat unterscheiden sich ihre Profile erheblich: Klein ist Deutscher und hat in der Konzernzentrale in Walldorf Karriere gemacht, Morgan ist Amerikanerin und hat sich in den USA profiliert. Er beschäftigt sich intensiv mit den operativen Prozessen, sie gilt als talentierte Verkäuferin.

Klein betonte die gute Zusammenarbeit mit Morgan: „Wir bringen uns gegenseitig viel Vertrauen entgegen.“ Sie stimmte ein: „Dieses Modell kann sehr erfolgreich sein.“ Die beiden arbeiten nach Einschätzung aus informierten Kreisen gut zusammen, daher geht man davon aus, dass sie zu einem guten Team werden können – das Konfliktpotenzial, so heißt es, sei deutlich geringer als bei anderen Kombinationen. Die genaue Aufteilung von Aufgaben und Zuständigkeiten steht allerdings noch aus.

Mit dem Abgang des langjährigen Vorstandschefs entsteht im SAP-Management allerdings auch erneut Unruhe. Anfang des Jahres hatten bereits die Vorstandsmitglieder Bernd Leukert und Rob Enslin das Unternehmen aus unterschiedlichen Gründen verlassen. Nun müssen die beiden neuen CEOs die Aufgaben aufteilen, womöglich steht auch eine Neubesetzung ihrer bisherigen Aufgaben an. Das Unternehmen äußerte sich dazu am Freitag zunächst nicht.

Zehnjährige Erfolgsstory

McDermott stand fast zehn Jahre an der Spitze von SAP, ab 2010 zunächst gemeinsam mit Jim Hagemann Snabe, ab 2014 allein. In dieser Zeit richtete sich der Softwarekonzern neu aus: Auf das Drängen des Amerikaners stellte er das Cloud Computing in den Mittelpunkt – einen Trend aus den USA, den das deutsche Unternehmen verpasst hatte. Mit mehreren großen Übernahmen kaufte das Management Produkte und Know-how.

Diese Neuausrichtung kam an der Börse gut an: Der Aktienkurs stieg in dieser Zeit um rund 200 Prozent, mit einer Marktkapitalisierung von knapp 130 Milliarden Euro ist SAP der wertvollste Konzern im Dax. Die Ziele sind noch ehrgeiziger, McDermott hält 300 Milliarden Dollar, rund 270 Milliarden Euro in den nächsten Jahren für möglich.

Finanziell ist SAP bestens aufgestellt: Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 13 Prozent auf 6,79 Milliarden Euro, was maßgeblich dem Cloud-Geschäft zu verdanken ist: Es wuchs um 37 Prozent auf 1,79 Milliarden Euro. Die Zukäufe in der Ära McDermott zahlen sich aus.

Ebenso wichtig: SAP arbeitet wieder profitabler. Das Betriebsergebnis entwickelte sich mit einem Plus von 36 Prozent deutlich besser als der Umsatz und erreichte 1,68 Milliarden Euro. Die operative Marge stieg kräftig um 4,2 Prozentpunkte. Damit erfüllt das Management eine regelmäßige Forderung von Aktionären und Analysten, die nach den vielen Übernahmen eine höhere Profitabilität anmahnen.

Allerdings hinterlässt McDermott seinen Nachfolgern eine anspruchsvolle Aufgabe: Viele Kunden bemängeln, dass SAP in den vergangenen Jahren die Integration der zahlreichen neue Produkte vernachlässigt habe – dabei gilt das Zusammenspiel der vielen Lösungen mit dem blauen Logo als ein zentrales Verkaufsargument. Zudem misstrauen viele Unternehmen den Produktankündigungen des Konzerns.

Mit Christian Klein rückt nun ein Manager an die Konzernspitze, der für diese Themen bereits die Verantwortung trägt. „Ich kann die Kritik verstehen, aber wir haben schon einiges auf den Weg gebracht“, sagte er kürzlich dem Handelsblatt in Bezug auf die Integration. So soll eine Umstrukturierung dafür sorgen, dass das Programmpaket S/4 Hana besser die Bedürfnisse der Kunden abbildet.

Das neue Management muss zudem ein ehrgeiziges Effizienzprogramm verfolgen, mit dem der Konzern die Profitabilität steigern will: Die operative Marge soll innerhalb von fünf Jahren um fünf Prozentpunkte steigen, wie das Unternehmen – wohl auch auf Druck des Hedgefonds Elliott – beschlossen hat.

Bei SAP verabschiedet sich Bill McDermott zwar, von der Bildoberfläche dürfte er aber nicht verschwinden: Er werde zu einem späteren Zeitpunkt sicher etwas anderes machen, kündigte er an. Darüber werde er aber später sprechen: „Das ist der Tag von SAP.“ Einige Beobachter sagen ihm politische Ambitionen nach, nach seiner erfolgreichen Zeit beim deutschen Konzern dürften indes auch etliche Unternehmen Interesse an dem Top-Manager haben.

Mehr: SAP investiert mehr als 200 Millionen Euro in einen neuen Standort in Berlin. Der Konzern mietet unweit des Berliner Hauptbahnhofs mehr als 30.000 Quadratmeter für einen Digital-Campus.

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