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Softwarehersteller So punktet SAP bei den Aktionären

Das Effizienzprogramm kommt gut bei den Anlegern an. Dennoch dürften SAP unruhige Zeiten bevorstehen: Der aggressive Hedgefonds Elliott ist eingestiegen.
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Bis 2023 soll die operative Marge, die im ersten Quartal bei 24 Prozent lag, um jeweils einen Prozentpunkt steigen. Quelle: Reto Klar
SAP

Bis 2023 soll die operative Marge, die im ersten Quartal bei 24 Prozent lag, um jeweils einen Prozentpunkt steigen.

(Foto: Reto Klar)

DüsseldorfDie ersten Worte des neuen Investors waren betont höflich gewählt: „SAP ist eines der führenden Technologieunternehmen weltweit“, heißt es in der Mitteilung, die am Mittwochvormittag verbreitet wurde. Der Umsatz steige, und das Management habe sich die richtigen Ziele gesetzt. „Wir sind davon überzeugt, dass das Management-Team von SAP auf ein sehr erfolgreiches Ergebnis zusteuern kann.“

SAP-Chef Bill McDermott sollte sich aber nicht blenden lassen. Der Absender lässt unruhige Zeiten für das Management des Softwarekonzerns vermuten: Es handelt sich um Hedgefonds Elliott Management. Der gab bekannt, einen Anteil von knapp einem Prozent an SAP erworben zu haben.

Elliott ist für sein rüdes Vorgehen gegenüber Managern bekannt. Aktuell spüren das in Deutschland die Vorstände von Thyssen-Krupp, Gea und Uniper. Die Aktie sei „konsequent unterbewertet“, machte der Hedgefonds in seinem Begrüßungsschreiben auch schon deutlich.

Elliotts Einfluss mag mit knapp einem Prozent noch klein sein. Das Schreiben gibt aber die Stimmungslage vieler Investoren wieder. Sie sind mit dem Wachstum des Konzerns an sich zufrieden, genauso wie mit der grundsätzlichen Ausrichtung. Sie fordern aber mehr: eine noch bessere Performance, eine höhere Rendite.

McDermott weiß das – und umgarnte die Investoren am Mittwoch bei der Vorlage des Quartalsberichts nicht nur mit guten Zahlen, sondern auch mit Aussagen, die die Aktionäre allzu gerne hören: Er kündigte ein Effizienzprogramm an, hob die Prognose an und stellte sogar einen Aktienrückkauf in Aussicht.

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Das nahm nicht nur Elliott anerkennend zur Kenntnis. Die Aktie kletterte um mehr als zwölf Prozent auf ein neues Rekordhoch von 113 Euro. „Es war das Gesamtpaket, das diese Kursentwicklung ermöglicht hat“, sagte Mirko Maier, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Damit kommt McDermott seinem Ziel näher, den Börsenwert auf 300 Milliarden Dollar zu steigern. Das wäre eine Verdoppelung. Nichts anderes wollen auch Elliott & Co.

Dabei zeigen die Zahlen fürs erste Quartal: Beim Umsatz ist SAP schon auf Kurs. Dieser stieg um 16 Prozent auf 6,09 Milliarden Euro – vor allem dank des Cloud-Computings, auf das sich der Softwarehersteller seit einigen Jahren ausrichtet: Mit Diensten aus der „Wolke“, auf die Kunden zumeist gegen Gebühr übers Internet zugreifen, erwirtschaftete der Konzern 1,58 Milliarden Euro, ein Plus von 48 Prozent.

Dazu trugen auch die jüngsten Zukäufe entscheidend bei: Callidus und Qualtrics, im April 2018 und Januar 2019 übernommen, erwirtschafteten zusammen 120 Millionen Euro.

Diese Entwicklung ist eine Bestätigung für die Strategie der vergangenen Jahre: Unter der Führung von Bill McDermott übernahm SAP mehrere Cloud-Anbieter, einerseits um sich für dieses Geschäft zu rüsten, andererseits um deren Lösungen an die weltweit mehr als 437.000 Kunden zu verkaufen.

Gleichzeitig läuft das Geschäft mit Softwarelizenzen, das SAP groß gemacht hat, weiterhin stabil, anders als bei einigen Konkurrenten. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um vier Prozent auf 650 Millionen Euro. Hinzu kamen 2,84 Milliarden Euro aus dem Support, den Kunden beim Abschluss eines Vertrags abschließen müssen – dieser hängt somit vom Lizenzgeschäft ab.

Selbst die weltwirtschaftliche Unsicherheit konnte SAP nichts anhaben. In Großbritannien wuchs das Geschäft beispielsweise trotz des Brexit-Chaos zweistellig. Ebenso in China, wo sich die Wirtschaft längst nicht mehr so dynamisch entwickelt wie in der Vergangenheit. „Gerade in unsicheren Zeiten bleibt SAP ein gefragter Partner“, sagte Finanzchef Luka Mucic. Der Konzern helfe mit seiner Software schließlich, eine bessere Einsicht ins Geschäft zu bekommen und effizienter zu werden.

SAP schrieb zwar trotzdem rote Zahlen – aber nur wegen eines Sondereffektes: Das Unternehmen will weltweit 4 400 Positionen streichen – nicht allein um die Ausgaben zu senken, sondern um neues Wachstum zu finanzieren, etwa in Bereichen wie Künstliche Intelligenz, wie das Management stets betont.

Die Kosten in Höhe von 886 Millionen Euro drückten das Betriebsergebnis im ersten Quartal wie erwartet auf minus 136 Millionen Euro. Die bereinigte Kennzahl stieg dagegen um 19 Prozent auf 1,467 Milliarden Euro.

Positive Bewertung für SAP

Angesichts solcher Zahlen bewerten Aktionäre und Analysten SAP grundsätzlich positiv – nicht umsonst ist der Softwarehersteller das wertvollste Unternehmen im Dax. Allerdings mahnen sie an, dass sich die hohen Investitionen der vergangenen Jahre noch mehr auszahlen müssen.

„Wir haben von den institutionellen Investoren eine klare Botschaft erhalten“, sagte Finanzchef Mucic dem Handelsblatt: „Das Umsatzwachstum zeigt in die richtige Richtung, aber die Margenentwicklung wird wichtiger.“ Beim Kapitalmarkttag habe eine Umfrage ergeben, dass 60 Prozent der Teilnehmer das so sehen.

Daher ändere sich mit dem Einstieg von Elliott nichts: Der Hedgefonds sei „auf einer Linie mit der Mehrheit der Investoren“. Mucic bewertet das Engagement sogar positiv. „Es freut uns, dass ein erfahrener Investor wie Elliott das Potenzial von SAP sieht.“

Klar ist allerdings, dass mit dem namhaften Aktionär der Druck weiter steigt, die Profitabilität zu erhöhen. Darauf reagiert das Management mit einem neuen Programm mit dem Titel „The Best Run SAP“. Ein neues Gremium will in allen Unternehmensbereichen dafür sorgen, dass das Geschäft effizienter läuft.

Das Ziel: Bis 2023 soll die operative Marge, die im ersten Quartal bei 24 Prozent lag, um jeweils einen Prozentpunkt steigen. Vorstandschef Bill McDermott überwacht den Fortschritt persönlich. Eine zusätzliche Restrukturierung soll dabei nicht nötig sein.

Der Fortschritt soll sich bereits in diesem Jahr bemerkbar machen. Der Softwarehersteller hebt die Prognose fürs bereinigte Betriebsergebnis an, die Spanne liegt nun zwischen 7,85 und 8,05 Milliarden Euro, was einem Plus von 9,5 bis 12,5 Prozent entspricht. Zuvor lag der Wert bei 7,5 bis 11,5 Prozent.

Neben dem Effizienzprogramm macht sich das Wachstum des Cloud-Geschäfts bemerkbar: Mit der Auslastung steigt die Effizienz.

Elliott lobte das Programm in seiner ersten Mitteilung ausdrücklich. „Elliott unterstützt die heute bekanntgegebenen Initiativen vollumfänglich“, teilte der Hedgefonds mit – ein Hinweis darauf, dass er bereits vorab mit dem SAP-Management in Kontakt gewesen sein dürfte.

Trotz der freundlichen Worte von Elliott Management könnte es für SAP ungemütlich werden: Auch in der Vergangenheit äußerte sich der Hedgefonds beim Einstieg in Unternehmen häufig positiv, um anschließend weitreichende Änderungen zu fordern. Zuletzt machte der Investor unter anderem bei Thyssen-Krupp von sich reden – nicht zuletzt aufgrund der Interventionen aus New York spaltet sich der Industriekonzern nun auf.

Derart radikale Maßnahmen stehen bei SAP wohl kaum an. Allerdings sieht Elliott das Potenzial, den Gewinn pro Aktie bis 2023 auf 8,50 Euro praktisch zu verdoppeln. Analysten rechnen derzeit für 2023 mit 6,80 Euro. Ohne weitere Aktienrückkaufprogramme dürfte es schwierig werden, dieses Ziel zu erreichen.

Zudem herrscht bei SAP bereits jetzt einige Unruhe. Durch die Restrukturierung verlassen viele Mitarbeiter das Unternehmen, außerhalb Europas kommt es teilweise zu Kündigungen. Seit Jahresanfang verließen auch noch zwei Vorstände das Unternehmen.

Für SAP komme das Engagement des aktivistischen Investors zum „falschen Zeitpunkt“, sagt Holger Müller, Analyst bei der Marktforschungs- und Beratungsfirma Constellation Research: „Der Konzern muss seine Produkte für die Cloud und die neuen Prozesse des 21. Jahrhunderts bereit machen, und das erfordert mehr Investitionen.“

Der Softwarekonzern verspricht seinen Kunden, dass sie mit seinen Produkten alle Geschäftsprozesse aus einer Hand steuern können. Die Integration ist jedoch aufwendig und teuer. „Auf der anderen Seite kann ein aktivistischer Investor auch zu neuem Schub und Motivation führen“, sagt Müller.

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