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SoftwareÜberraschung bei SAP: IG Metall gewinnt Betriebsratswahl

Gewerkschaften haben beim Softwarehersteller einen schweren Stand. Doch die Debatte um Gehälter verschafft IG Metall und Verdi deutlichen Zulauf.Christof Kerkmann 06.04.2022 - 15:29 Uhr Artikel anhören

Beim Softwarehersteller hatten die Gewerkschaften es bislang schwer.

Foto: Bert Bostelmann / bildfolio für Handelsblatt

Düsseldorf. Die großen Gewerkschaften haben sich bei SAP lange Zeit schwergetan: Der Organisationsgrad bei dem Softwarehersteller ist gering, in den Mitarbeitervertretungen dominieren unabhängige Gruppen. Doch das Ergebnis der aktuellen Betriebsratswahl bei der SAP SE, der Konzernmutter mit knapp 22.000 Mitarbeitern, ist eine Zäsur.

IG Metall und Verdi haben ihre Positionen deutlich stärken können und werden insgesamt 15 der 45 Vertreter stellen – ein historischer Höchststand beim Softwarehersteller. Das geht aus dem vorläufigen Wahlergebnis hervor, das der Wahlvorstand in der Nacht zu Mittwoch veröffentlicht hat.

Der scheidende Betriebsratsvorsitzende Klaus Merx nennt einen wichtigen Grund für die Verschiebung: „Dass die gewerkschaftlichen Gruppierungen stärker geworden sind, hat sicher auch eine Ursache in der mageren Gehaltsrunde“, sagte Merx dem Handelsblatt. Zudem erschütterte den Betriebsrat im vergangenen Jahr ein Skandal, im Zuge dessen zwei Arbeitnehmervertreter den Konzern verlassen mussten.

SAP: IG Metall wird neun Betriebsräte stellen

Die Liste „Pro Mitbestimmung“ der IG Metall hat ihren Stimmenanteil bei der SAP SE auf knapp 19 Prozent verdreifacht und wird neun Betriebsräte stellen. Damit ist sie die größte Fraktion. Zweitstärkste Kraft ist „Triple E“, wo sich mehrere Vertreter anderer Gruppierungen zusammengefunden haben, mit acht Sitzen. Die Liste „Upgrade“ von Verdi hat zwölf Prozent der Stimmen erhalten und stellt nun sechs Vertreter.

Insgesamt sind zwölf Listen vertreten, wobei sechs nur jeweils einen Vertreter entsenden dürfen. Im Vergleich zu Konzernen wie Volkswagen und Bayer, wo die DGB-Gewerkschaften Stimmenanteile von 80 Prozent und mehr erhalten, ist die Mitarbeitervertretung von SAP zersplittert. Die Wahlbeteiligung lag bei 43 Prozent, etwas weniger als noch vor vier Jahren.

Gehaltsplus bei SAP unter Inflationsrate

SAP gilt weithin als attraktiver Arbeitgeber. Allerdings hat sich in der Belegschaft Unmut über die Bezahlung breit gemacht. Da es bei SAP keinen Tarifvertrag gibt, legt der Vorstand das Budget für Gehaltserhöhungen fest. 2022 beträgt es 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr, worin die Mittel für Beförderungen bereits enthalten sind – weniger als die Inflationsrate.

Im Betriebsratswahlkampf positionierten sich beide Gewerkschaftslisten zu dem Thema, wobei die IG Metall besonders offensiv vorging. Sie veröffentlichte eine Umfrage, laut der viele Mitarbeiter mit der Bezahlung unzufrieden sind. Die Situation bei SAP sei „prekär“, behauptete Gewerkschaftssekretär Türker Baloglu. SAP kritisierte die Untersuchung als nicht repräsentativ.

„Es haben immer mehr Leute verstanden, dass es einen starken Partner im Hintergrund braucht, um Mitarbeiterinteressen zu vertreten“, kommentierte Andreas Hahn, der die „Upgrade-“Liste von Verdi anführt, das Wahlergebnis. „Die unterirdische Kommunikation zur Gehaltsrunde in der SE hat sicherlich dazu beigetragen.“

Hinzu kam ein komplexer Skandal um zwei hochrangige Betriebsräte der Liste „Stark“, die mittlerweile beide SAP verlassen mussten. Die Gruppierung büßte bei der Wahl deutlich ein, ebenso ein Koalitionspartner.

Auch Bündnisse ohne IG Metall bei SAP denkbar

„Pro Mitbestimmung“ und „Upgrade“ könnten gemeinsam mit einer dritten Liste eine Mehrheit bilden. Sicher ist das nicht, zwischen den beiden gewerkschaftlichen Gruppen gibt es trotz einer Kooperationsvereinbarung Unstimmigkeiten. Verdi unterscheide „nicht viel von den anderen Listen“, sagte Türker Baloglu von der IG Metall Heidelberg der „Stuttgarter Zeitung“. Er bezeichnete die Kollegen als „Softies“.

Auch Bündnisse ohne IG Metall gelten daher als denkbar. „Wir sind in viele Richtungen offen und haben zahlreiche Gespräche geführt“, signalisierte Andreas Hahn von der Verdi-Liste Verhandlungsbereitschaft. Angesichts der Zersplitterung des Betriebsrats müssen sich mindestens drei Listen zusammenfinden, um die Mehrheit zu erlangen.

Betriebsratschef Merx, der zurück in die Softwareentwicklung geht, wünscht sich indes ein anderes Modell. „In der Sachfrage muss man sowieso immer wieder Mehrheiten suchen – die Unterscheidung nach Regierung und Opposition hat sich in den vergangenen Jahren nie bewährt.“ Er plädiert dafür, Posten proportional zu besetzen, also nach Stärke der Listen.

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