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Softwarekonzern Coronakrise verhagelt Softwaregeschäft: SAP kassiert Prognose

Im März brach die wirtschaftliche Aktivität in vielen Ländern ein – SAP gingen deswegen viele Aufträge verloren. Der Softwarehersteller senkt den Ausblick.
09.04.2020 Update: 09.04.2020 - 09:35 Uhr Kommentieren
Das Geschäft des Softwareherstellers ist Ende März massiv eingebrochen. Quelle: Bloomberg
Christian Klein und Jennifer Morgan

Das Geschäft des Softwareherstellers ist Ende März massiv eingebrochen.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Die Corona-Epidemie trübt die Wachstumsaussichten von SAP: Im ersten Quartal ist das Geschäft des deutschen Softwareherstellers deutlich schlechter gelaufen als noch am Jahresanfang prognostiziert.

Aufgrund der Krise hätten Kunden „eine bedeutende Zahl von Neuabschlüssen“ verschoben, was sich in einem erheblichen Rückgang der Lizenzerlöse widerspiegele, heißt es in einer Mitteilung, die der Konzern Mittwochabend ad hoc veröffentlicht hat. Die Prognose fürs laufende Jahr ist damit hinfällig.

Das Softwaregeschäft schrumpfte von Anfang Januar bis Ende März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31 Prozent auf 0,45 Milliarden Euro. In den ersten beiden Monaten sei die Geschäftstätigkeit „solide“ gewesen, zum Ende des Quartals hätten sich die Auswirkungen der Coronakrise jedoch rasch verstärkt, hieß es in der Mitteilung.

Dass der Umsatz trotzdem um sieben Prozent auf 6,52 Milliarden Euro stieg, verdankte der Konzern der Stabilität seiner Cloud-Angebote: Der Erlös wuchs um 29 Prozent auf 2,01 Milliarden Euro – ein beträchtlicher Teil der Einnahmen stammt aus regelmäßigen Nutzungsgebühren.

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    „Wir konzentrieren uns seit vielen Jahren darauf, einen hohen Anteil von besser planbaren Umsätzen aufzubauen“, erklärte Finanzchef Luka Mucic. „Dadurch ist die SAP widerstandsfähiger als je zuvor.“ Dazu zählen die monatlichen Zahlungen aus dem Cloud-Geschäft sowie die obligatorischen Wartungsgebühren, die Kunden nach dem Kauf von Softwarelizenzen zahlen müssen.

    SAP geht davon aus, dass sich die Situation „bis ins zweite Quartal“ verschlechtern werde, bevor sie sich im weiteren Verlauf des Jahres allmählich verbessere, „wenn Länder ihre Wirtschaft wieder hochfahren und die Ausgangsbeschränkungen für die Bevölkerung aufgehoben werden“. Der Softwarehersteller hat angesichts dieses „schwierigen Marktumfelds“ die Prognose für 2020 gesenkt, wobei alle Zahlen wegen der großen Unsicherheit nur Näherungswerte seien.

    Der Umsatz soll in einer Spanne von 27,8 und 28,5 Milliarden Euro liegen, was einem Plus von einem bis drei Prozent entspricht – bislang war der Konzern von mindestens 29,2 Milliarden Euro ausgegangen. Für das Betriebsergebnis gibt das Management eine Spanne von 8,1 bis 8,7 Milliarden Euro statt bislang 8,9 bis 9,3 Milliarden Euro an. „Unser aktualisierter Ausblick zeigt, dass die SAP selbst in diesem schwierigen Umfeld gesund und stabil bleibt“, erklärte Finanzchef Luka Mucic.

    Die Folgen der Pandemie treffen den Markt für IT und Telekommunikation hart. Der Marktforscher IDC erwartet, dass die Ausgaben in diesem Jahr währungsbereinigt um 2,7 Prozent sinken werden – vor zwei Monaten waren die Experten noch von einem Plus in Höhe von 5,1 Prozent ausgegangen. Viele Organisationen seien wegen des wegbrechenden Geschäfts zu Notfallplanungen und kurzfristigen Ausgabenkürzungen gezwungen, begründet IDC die Revision.

    SAP ist trotzdem finanziell solide

    Die Bereiche sind unterschiedlich stark betroffen: Die Ausgaben für Notebooks, Smartphones und Zubehör werden laut Prognose um 8,8 Prozent sinken, der Umsatz mit Software soll dagegen um zwei Prozent steigen, wobei angesichts der Ausgangsbeschränkungen vor allem Lösungen für die Kommunikation und das mobile Arbeiten gefragt sind. Gerade große Projekte, die für die Einführung von SAP-Systemen oft nötig sind, stehen derzeit infrage.

    Trotz der Krise steht SAP finanziell solide da. Das Betriebsergebnis verdoppelte sich auf 1,21 Milliarden Euro, hauptsächlich aufgrund von Sondereffekten. Im Vorjahreszeitraum hatte der Softwarehersteller erhebliche Restrukturierungskosten verbucht und hohe anteilsbasierte Vergütungen gezahlt. Bereinigt stieg der Wert um ein Prozent.

    Allerdings litt die Profitabilität: Die bereinigte operative Marge, auf die Investoren genau achten, sank auf 22,7 Prozent. Details veröffentlicht der Dax-Konzern am 21. April.

    Schon die knappe Mitteilung zeigt: Bei SAP stehen wieder grundlegende Änderungen an. So kündigte das Management um Christian Klein und Jennifer Morgan Kostensenkungen an. Der Konzern will weniger neue Mitarbeiter einstellen und die kurzfristig anpassbaren Ausgaben verringern, etwa durch weniger Geschäftsreisen und virtuell ausgerichtete Veranstaltungen – so fällt die Kundenkonferenz Sapphire Now aus. Ein neues Restrukturierungsprogramm kündigte die Führung zunächst nicht an.

    Zudem hat SAP Maßnahmen entwickelt, um das Softwaregeschäft zu stabilisieren. So gebe es eine Strategie, „die einen virtuellen Vertrieb und Remote-Implementierungen“ ermöglichen. Sprich: Sowohl der Verkauf als auch die Produkteinführung, bei denen bislang direkte Kontakte eine wichtige Rolle spielen, sollen nun digital erfolgen.

    Am Freitagvormittag lag die SAP-Aktie in einem positiven Umfeld gut ein Prozent im Plus. Der Kurs ist nach dem Allzeithoch von knapp 130 Euro im Februar deutlich gesunken, zwischenzeitlich auf 88 Euro. Zuletzt erholte er sich wieder auf 105 Euro. Etliche Finanzanalysten haben angesichts der Coronakrise ihre Kursziele nach unten korrigiert, die meisten empfehlen das Papier aber weiterhin zum Kauf.

    So verwies die Schweizer Investmentbank UBS vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen auf die hohen wiederkehrenden Umsätze, die aus der Wartung und dem Cloud-Geschäft stammen – diese bringen Stabilität. Zudem geht das Kreditinstitut davon aus, dass die Nachfrage nach dem Kernprodukt S/4 Hana wieder steigt, sobald die Wirtschaft die Krise überwunden hat.

    Mehr: Deutsche Konzerne werde in der Coronakrise zu Schnäppchen – auch SAP

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