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Softwarekonzern Die neuen Chefs schwören SAP auf mehr Effizienz ein

Der Softwarekonzern hat sich zum Ziel gesetzt, besser zu verdienen und die Aktionäre daran zu beteiligen. Die Kunden sollen nicht darunter leiden.
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Die neuen Chefs schwören SAP auf mehr Effizienz ein. Quelle: Reuters (M)
Jennifer Morgan und Christian Klein

Die neuen Chefs schwören SAP auf mehr Effizienz ein.

(Foto: Reuters (M))

Düsseldorf Es sollte um neue Geschäftsmodelle gehen, um Umsatz und Gewinn, um Dividenden und Aktienrückkäufe – doch ein Begriff fiel an diesem Vormittag vermutlich noch häufiger als das Finanzvokabular: Kunde. Als SAP am Dienstag Investoren und Analysten zum Kapitalmarkttag nach New York lud, konnte man zwischendurch den Eindruck gewinnen, einer Anwenderkonferenz beizuwohnen.

„Das Wichtigste ist es, den Kundenerfolg zu steigern“, sagte die neue Co-Chefin Jennifer Morgan gleich zum Auftakt. „Für nachhaltiges Wachstum braucht man glückliche und loyale Kunden“, legte Christian Klein später nach, der mit ihr vor einigen Wochen die Führung von Bill McDermott übernommen hatte.

Die Botschaft des Duos lautet: SAP will effizienter werden, besser verdienen und die Aktionäre daran beteiligen – aber die Unternehmen, die tagtäglich mit der Software arbeiten, sollen auf keinen Fall darunter leiden.

Offiziell stand das Thema nicht auf der Agenda, die SAP mit „Growth and Operational Excellence“ überschrieben hatte. Das Management wollte erklären, wie der Softwarehersteller weiter wachsen, dabei aber profitabler werden kann: Die operative Marge soll bis 2023 um fünf Prozentpunkte steigen, wie der Konzern im Frühjahr bekanntgegeben hatte, wohl als Reaktion auf den Einstieg des aggressiven Hedgefonds Elliott Management. Doch die Unzufriedenheit der Kunden, die in den letzten Monaten immer deutlicher wurde, stand ebenfalls zur Diskussion.

Diskussionen auf jeder Vorstandssitzung

SAP hat sich in den vergangenen Jahren mit Übernahmen von insgesamt 30 Milliarden Euro für den Trend zum Cloud-Computing gerüstet. Zeitgleich hat der Softwarehersteller sein Kernprodukt überarbeitet und unter dem Namen S/4 Hana auf den Markt gebracht. Nach den hohen Investitionen will der Konzern die Profitabilität deutlich verbessern und Aktionäre mit höheren Ausschüttungen daran teilhaben lassen.

Das Management betonte, dass dieses Programm nicht zulasten der Kundenzufriedenheit gehen werde. „Es gibt eine Menge Spielraum, um Effizienzen und Profitabilität zu erhöhen“, sagte Klein. Gemeinsam setze man bereits einen Plan um, um Synergien zu nutzen und die Organisation deutlich zu vereinfachen. Auf jeder Vorstandssitzung steht das Thema auf der Agenda, und mit Deepak Krishnamurthy steuert ein erfahrener Manager als „Chief Transformation Officer“ die Initiativen.

Das Effizienzprogramm ist bereits angelaufen. So hat SAP einzelne Teams, die Infrastruktur wie Rechenzentren bereitstellen, unter der Leitung des neuen Vorstands Thomas Saueressig zusammengefasst. Dadurch erziele man in diesem Jahr Synergien in Höhe von 100 Millionen Euro, sagte Klein.

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Auch Überschneidungen im Portfolio, die zumeist aus Übernahmen resultieren, will das Management beseitigen. Zudem prüft es den Verkauf oder die Einstellung von einigen Produkten mit geringer Reichweite. Um welche es sich handelt und welche Einsparungen daraus resultieren, ist bislang unklar.

Beträchtliche Einsparungen erhofft sich SAP beim Einkauf – der laufe bislang in den verschiedenen Organisationseinheiten vergleichsweise unabhängig, erläuterte Finanzchef Luka Mucic. Durch eine Bündelung könne das Unternehmen bereits im kommenden Jahr die Kosten um 100 Millionen Euro senken, über mehrere Jahre hinweg um 250 Millionen Euro.

Vertrieb und Marketing sollen so die Gesamtkosten senken, ebenso die Servicesparte und die allgemeine Verwaltung. Nur an Forschung und Entwicklung will SAP nicht sparen, der Posten soll konstant bei 14 Prozent des Umsatzes bleiben.

Allerdings werde das Management künftig Prioritäten setzen, betonte Co-Chefin Morgan: Es werde intern genau kommunizieren, welche Produkte es nicht weiterentwickle und in welchen Bereichen es in Wachstum und Innovation investiere. Wo genau der Softwarekonzern sparen will, legte sie nicht dar.

Cloud-Geschäft erreicht kritische Größe

Besonderes Potenzial zur Steigerung der Profitabilität bietet das Geschäft mit dem Cloud-Computing, das SAP in den vergangenen Jahren aufgebaut hat – es trage mehr als die Hälfte bei, sagte Mucic. Das liege zum einen an der Konsolidierung der vielen Zukäufe: Der Konzern lässt alle Dienste auf einer einheitlichen technischen Basis laufen und reduziert die Zahl der Rechenzentren.

Hinzu kommen Effekte durch die wachsende Kundenbasis. Das heißt: Das Cloud-Geschäft erreicht die kritische Größe.

Zur Einsparung tragen außerdem Partnerschaften bei. Kunden können das Programmpaket S/4 Hana auf den Cloud-Plattformen von Amazon Web Services (AWS), Microsoft, Google und Alibaba laufen lassen. SAP muss so weniger Kapazitäten vorhalten, was die erheblichen Kosten für die Infrastruktur drückt. Die Bruttomarge im Cloud-Geschäft soll bis 2023 von 69 auf 75 Prozent steigen.

Weniger Kosten für die Verwaltung, geringere Investitionen in die Infrastruktur, mehr Synergien beim Einkauf: Angesichts dieser Einsparungen werde SAP in den nächsten Jahren „erheblichen Spielraum“ für Ausschüttungen an die Aktionäre über die reguläre Dividende hinaus haben, kündigte Mucic an. „Wir wollen kein Geld horten.“

Für 2020 hatte der Dax-Konzern in der vergangenen Woche eine zusätzliche Ausschüttung von 1,5 Milliarden Euro angekündigt. Für die Zeit danach nannte der Finanzer beim Investorentreffen keine konkreten Zahlen.

Der Free Cashflow, der die zur Verfügung stehenden liquiden Mittel beschreibt, sei von externen Faktoren wie Wechselkursen abhängig und daher schwer zu prognostizieren, argumentierte Mucic. Zudem wolle sich SAP Flexibilität bewahren, etwa für kleinere Zukäufe. Große Übernahmen schloss er aber aus.

Analysten bewerteten die Ankündigungen überwiegend positiv. Der Kapitalmarkttag bestärke den Eindruck, dass SAP die langfristigen Ziele erreichen werde, schrieb die Privatbank Berenberg und hob das Kursziel von 130 auf 135 Euro an. Das Analysehaus Jefferies setzte das Ziel in Erwartung von Aktienrückkäufen von 140 auf 142 Euro hoch. Am Mittwoch kostete eine Aktie 122 Euro, ein Prozent weniger als am Vortag.

Bei den Kunden kam die Botschaft des neuen Führungsduos gut an. Die Anwenderorganisation DSAG lobte die „neuen Impulse“, die es „im Sinne der SAP-Kunden“ setze.

Mehr: Das neue Führungsduo des Dax-Konzerns dämpft die Erwartungen der Aktionäre. Damit tut es dem Software-Unternehmen einen Gefallen, meint Handelsblatt-Reporter Christof Kerkmann.

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