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Softwarekonzern Diese vier großen Aufgaben muss SAP-Chef Christian Klein bewältigen

Wie geht es bei SAP nach dem Ende der Doppelspitze weiter? Christian Klein steht vor großen Herausforderungen – und muss zudem die Coronakrise meistern.
07.05.2020 - 03:58 Uhr Kommentieren
Der Manager steht nun allein an der Spitze von SAP. Quelle: AFP
SAP-Chef Christian Klein

Der Manager steht nun allein an der Spitze von SAP.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Der abrupte Abgang von Jennifer Morgan erwischte SAP unerwartet. Die Co-Chefin kündigte nur sechs Monate nach ihrer Berufung an, von ihrem Posten zurückzutreten. Nun trägt Christian Klein allein die Verantwortung für den Softwarehersteller und seine rund 100.000 Mitarbeiter.

Der 40-jährige Manager ist optimistisch, dass SAP „gestärkt aus der Krise hervorgehen“ werde, wie er dem Handelsblatt in einem Interview sagte. Allerdings hat er einige große Aufgaben zu erledigen.

Denn nach den zahlreichen Veränderungen in der Führung herrscht in der Organisation Unruhe. Die Verbesserungen am Kernprodukt S/4 Hana, die der Konzern den Kunden verspricht, binden viele Ressourcen. Gleichzeitig ist das Ausmaß der Coronakrise noch nicht abzuschätzen.

Hinzu kommen Sicherheitsmängel bei einer Reihe von Cloud-Produkten, die bei einer internen Untersuchung aufgefallen sind, wie das Unternehmen in der Nacht zu Dienstag per Ad-hoc-Mitteilung erklärt hat. Das gelte unter anderem für Success Factors, Concur und Callidus Cloud sowie die SAP Cloud Platform. Neun Prozent der 440.000 Kunden seien betroffen.

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    Die wichtigsten Aufgaben des SAP-Chefs im Überblick:

    Die Organisation

    Der abrupte Abgang von Co-Chefin Morgan ist kein Einzelfall: Schon ihr Vorgänger Bill McDermott verabschiedete sich überraschend, auch mehrere andere Vorstandsmitglieder gingen vor Ablauf ihrer Vertragszeiten – im vergangenen Jahr beispielsweise Technikchef Bernd Leukert, der inzwischen bei der Deutschen Bank angeheuert hat, sowie Allrounder Rob Enslin, der zur Cloud-Sparte von Google gewechselt ist. Auch auf den Ebenen darunter gab es zahlreiche Wechsel.

    Weitere Personalien zeichnen sich ab. So ist die Rolle von Personalvorstand Stefan Ries vakant, der zum Monatsende zurücktritt, und mit Morgan könnten einige Führungskräfte den Konzern verlassen, die der Amerikanerin nahestehen.

    Zudem gilt intern als denkbar, dass der Aufsichtsrat den Vorstand erweitert, um Klein und Kollegen zu entlasten. Ein Führungsteam von fünf Personen ist für einen Konzern mit 100.000 Mitarbeitern und 440.000 Kunden vergleichsweise klein.

    Neue Personen, neue Teams, neue Verantwortlichkeiten, neue Berichtswege: Das sorgt für Unruhe und Unsicherheit in der Belegschaft, wie Mitarbeiter berichten.

    Die SAP-Führung muss die Organisation dauerhaft neu aufstellen. Das ist einerseits eine Aufgabe für Vorstandssprecher Klein, der nun zu beweisen hat, dass die Strukturen und das Team, die er geschaffen hat, funktionieren.

    Andererseits für Aufsichtsratschef Hasso Plattner, der im Stil eines Familienunternehmers bei den vielen Personalien eine wichtige, wenn nicht die entscheidende Instanz ist und mit seinem impulsiven Wesen zu so manchem vorzeitigen Abschied beigetragen haben dürfte.

    Zudem ist das Verhältnis mit den Tochterfirmen neu zu tarieren. SAP habe es versäumt, mit den Zukäufen gemeinsam eine neue Kultur zu entwickeln und „das Beste aus zwei Welten“ zusammenzuführen, gibt Klein zu.

    Nun gilt es, die Organisationen von Ariba, Concur oder Success Factors eng an den Konzern anzubinden, um die Produkte zu verzahnen, ohne ihnen die Identität zu nehmen. Der Manager sendet ein Signal über den Atlantik: „Nach der Coronakrise werde ich verstärkt in den USA auftreten“, verspricht er.

    Das Kernprodukt

    Ein Programm für Videokonferenzen, wie es in der Coronakrise Tausende von Unternehmen nutzen, hat SAP zum Bedauern von Vorstandschef Klein nicht im Angebot – trotzdem erwartet er, dass die Software des deutschen Konzerns in den nächsten Monaten sehr gefragt sein wird.

    Ob bei der Organisation von Lieferketten, die durch die Ausgangsbeschränkungen gestört sind, oder der Einführung von neuen Mitarbeitern, die von Tag eins im Homeoffice arbeiten müssen: „Bei solchen Fragen ist man schnell bei unseren Lösungen“, ist er überzeugt.

    Der Manager wirbt, dass Kunden mit den SAP-Systemen die gesamte Wertschöpfungskette planen können, von der Planung über die Beschaffung und Produktion bis zur Buchhaltung – das sei in der aktuellen Ausnahmesituation relevanter denn je.

    Es ist ein zentrales Argument für die „Intelligent Enterprise“, wie das Konzept im SAP-Sprech heißt, und das Programm S/4 Hana, das die Steuerungszentrale für alle betriebswirtschaftlichen Prozesse sein soll.

    Allerdings muss SAP noch einige Überzeugungsarbeit leisten: „Die überwiegende Zahl der Bestandskunden tut sich schwer mit der Umstellung auf S/4 Hana, das gilt jetzt erst recht“, sagt Christian Hestermann, Analyst beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner. Die Kosten für die Einführung beliefen sich oft auf zwei-, teils sogar dreistellige Millionenbeträge – das rechne sich für viele Kunden nicht.

    Nach Berechnungen von Gartner haben bislang weniger als 15 Prozent der rund 35.000 Bestandskunden mit der Umstellung auf die Version begonnen, die seit 2015 auf dem Markt ist.

    Das Vorstandsteam um Klein hat einige Verbesserungen in die Wege geleitet. So legte es im Februar ein Strategiepapier vor, welche typischen betriebswirtschaftlichen Aufgaben Kunden in den SAP-Lösungen künftig durchgängig abbilden können, beispielsweise alle Schritte von der Kundenwerbung bis zur Zahlungsabwicklung, „Lead to Cash“ genannt. Dabei handelt es sich nach Einschätzung des Konzerns um 80 Prozent der Wertschöpfungsschritte, die Kunden benötigen.

    Kunden müssen aber Geduld haben, die Umsetzung dauert mehrere Quartale. Die Einsparungen, die SAP wegen der Coronakrise plant, sollen sich nicht darauf auswirken: Das Entwicklungsbudget werde konstant bleiben, versichert Klein – auch wenn das Unternehmen Neubesetzungen verschiebt.

    Womöglich findet der Softwarekonzern sogar weitere Argumente für seine Systeme: „Wir wollen unser Portfolio ausbauen, um eine noch bessere Antwort auf so eine Krise zu bieten“, so der Vorstandschef.

    Der Vertrieb

    Als die Corona-Pandemie ausbrach, schickte SAP kurzerhand einen Großteil der Mitarbeiter ins Homeoffice – die nötige Ausrüstung hatten die meisten ohnehin. Während die Programmierer ohne große Beschränkungen weiterarbeiten, bereitet die Kontaktsperre Vertrieb und Service aber Probleme: Bei großen Projekten, wie der Softwarehersteller sie regelmäßig verkauft, sind persönliche Treffen noch üblich, und bei der Einführung belegen die Berater häufig einen ganzen Flur. All das muss nun virtuell geschehen.

    Der IT-Dienstleister All for One Group hilft Mittelständlern bei der Einführung von SAP-Produkten. In vielen laufenden Projekten schalten sich die Berater und ITler der Kunden nun mit Videokonferenzen zusammen, durchaus mit 50 oder 60 Leuten.

    Vorstandschef Lars Landwehrkamp beobachtet bei den Kunden eine bisher ungekannte Bereitschaft zur virtuellen Zusammenarbeit: „So etwas online zu machen, hätte man früher für unmöglich gehalten – da hat sich in wenigen Wochen was verändert.“

    Wir erwarten einen deutlich höheren Anteil an digitalen Veranstaltungen Christian Klein (CEO von SAP)

    Allerdings sei es deutlich schwieriger, neue Aufträge anzubahnen. Bei einem großen Projekt ist es üblich, dass sich ein Unternehmen in einem Auswahlprozess erst die Software mehrerer Anbieter zeigen lässt, mit Präsentationen vor der Fachabteilung bis hin zum Vorstand. „Der persönliche Zugang hilft dabei, Vertrauen aufzubauen. Das fehlt im Moment ganz klar“, sagt Landwehrkamp. Wann es zu einer Besserung komme, sei derzeit nicht absehbar.

    Es ist eine zentrale Frage: Wie gut gelingt es dem Softwarehersteller und seinen Partnern, Projekte virtuell durchzuführen? In der Branche sei das längst etabliert, sagt Holger Müller, Analyst bei Constellation Research.

    Auch SAP beherrscht das, etwa bei den Cloud-Angeboten – bei aufwendigen Projekten sei der deutsche Konzern damit jedoch „noch hinterher“: „Das erfordert eine Umstellung beim Geschäftsmodell und der Mentalität.“

    Grafik

    Die Krise

    Diese Aufgaben sind für sich genommen anspruchsvoll, SAP muss sie in der vermutlich tiefsten Krise der Nachkriegsgeschichte bewältigen. „Wenn es zu einer großen und globalen Rezession kommt, werden in den Unternehmen alle IT-Ausgaben, die nicht unbedingt notwendig sind, zurückgestellt“, sagt Gartner-Analyst Hestermann.

    Das gelte besonders für große Projekte wie die Einführung der Software S/4 Hana. „Viele Firmen werden ihre Planungen überdenken und um ein oder zwei Jahre nach hinten schieben“, sagt Hestermann.

    SAP erwartet, dass das Geschäft im dritten und vierten Quartal wieder in die Gänge kommt und die Kunden wieder in Digitalisierung investieren. Davon hängt ab, ob die für Krisenzeiten durchaus optimistische Prognose zu halten ist.

    Die Coronakrise könnte SAP vor eine weitere Bewährungsprobe stellen: Holger Müller erwartet, dass die Unternehmen verstärkt aufs Cloud Computing setzen, um die Investitionen für die IT zu senken und die Ausgaben flexibel zu halten – sie mieten also die Systeme und zahlen für die Nutzung, statt sie zu kaufen und selbst zu betreiben. Das gilt nach Einschätzung des Analysten nun auch für ERP-Systeme, bei denen der deutsche Softwarehersteller Marktführer ist.

    Die Konkurrenz ist allerdings groß. Oracle hat Jahre vor SAP damit begonnen, ein ERP-System für die Cloud zu entwickeln. Gründer Larry Ellison tönt nun, er sei gerade dabei, langjährige SAP-Kunden zu gewinnen – allerdings ohne Namen zu nennen. Der Erzrivale hat zudem den Anbieter Netsuite gekauft. Auch Workday buhlt um die Kunden.

    Daraus, so Müller, ergeben sich einige Fragen: „Bietet SAP genug Funktionen in der Cloud, und kann der Vertrieb den Kunden die Software auch virtuell vorführen?“ Und sind der Softwarehersteller und seine Partner in der Lage, die Systeme auch aus der Ferne zu installieren? „Das ist die Milliarden-Dollar-Frage“, sagt Müller.

    Mehr: SAP-Chef Klein im Interview: „Es gibt keinen Grund für Staatshilfe“.

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