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Softwarekonzern Microsofts Cloud wächst weiter – aber die ersten Corona-Folgen sind spürbar

Ein starkes Wachstum der Cloud-Sparte sorgt für Rekordumsätze bei Microsoft, obwohl die Gewinne nicht mehr mithalten können. Die Börse reagiert verhalten.
22.07.2020 Update: 23.07.2020 - 04:58 Uhr 1 Kommentar
Die Microsoft-Aktie verlor nachbörslich zunächst 2,6 Prozent. Quelle: AFP
Microsoft

Die Microsoft-Aktie verlor nachbörslich zunächst 2,6 Prozent.

(Foto: AFP)

San Francisco Die Quartalszahlen zeigen deutlich: Microsoft ist gut aufgestellt, um die harten wirtschaftlichen Zeiten durchzustehen. Der Umsatz in den vergangenen drei Monaten, also im vierten Quartal des Geschäftsjahrs 2020, stieg auf 38,03 Milliarden Dollar. Das ist ein Plus von 13 Prozent zum Vorjahresquartal und deutlich über den Erwartungen. Eine von Refinitiv beobachtete Analystengruppe hatte im Schnitt 36,5 Milliarden Dollar vorhergesagt.

Der Gewinn pro Aktie summierte sich auf 1,46 Dollar, was allerdings ein Minus von 15 Prozent darstellt. Die Analysten wären aber schon mit 1,34 Dollar zufrieden gewesen. Der Nettogewinn lag mit 11,2 Milliarden Dollar ebenfalls 15 Prozent unter dem des Vorjahrs.

Im nachbörslichen Handel tendiert die Aktie zweitweise bis zu zwei Prozent niedriger. Allerdings ist die Microsoft-Aktie seit Jahresbeginn um gut 34 Prozent gestiegen, während der Dow-Jones-Index um gut fünf Prozent gefallen ist.

Unbestrittener Wachstumsstar war die Cloud-Plattform Azure, deren Umsatz mitten in der Pandemie immer noch um 47 Prozent zulegen konnte. Im virusfreien Vorjahresquartal waren es allerdings noch plus 64 Prozent. Und auch im dritten Quartal des Geschäftsjahrs (zu Ende März 2020) mit ersten Corona-Kratzern waren es noch 59 Prozent Plus. Der erste Schub des Cloud-Geschäfts verliert also langsam an Schwung. Für die weitere Entwicklung ist jetzt wichtig, ob sich auch das Wachstum des Marktführers Amazon (AWS) abgeschwächt hat. Amazon wird am 30. Juli seine Zahlen vorlegen.

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    Der anhaltende Drang in die Cloud lässt sich mit zwei Trends erklären: IT in der Cloud ermöglicht schneller und einfacher ein dezentrales Arbeiten (Stichwort Homeoffice), oder schafft überhaupt erst die Voraussetzungen, um in der Coronakrise weiterarbeiten zu können. Nicht vorhandene Digitalstrukturen lassen sich ohne Cloud auf traditionelle Art und Weise nicht mehr schnell genug realisieren.

    „Wir sehen, dass Unternehmen jedes Detail ihrer Abläufe, sei es Vertrieb, Personal, Beschaffung, Produktion, Kundenmanagement, bis zu Telemedizin beschleunigt digitalisieren“, so CEO Satya Nadella. Sein Cloud-Computer-Netzwerk Azure bezeichnet er als den „Computer der Welt“.

    Azure ist dabei nur der Kern der Sparte „Intelligent Cloud“, die daneben noch die wachstumsschwächeren Bereiche Windows Server, das Datenbankmanagementsystem SQL Server, die Software-Entwicklerplattform Github und Enterprise Services umfasst. Diese Einheit kam zusammen immer noch auf ein Plus von 17 Prozent und so auf insgesamt 13,37 Milliarden Dollar Umsatz. Genaue Zahlen nur für Azure hält Microsoft geheim, sagt aber, der Gesamtbereich „Commercial Cloud“ inklusive Azure habe erstmals im Geschäftsjahr mehr als 50 Milliarden Dollar umgesetzt, ein Plus von 36 Prozent zum vorigen Geschäftsjahr.

    Zum Vergleich: Im Finanzjahr 2010 wurde Azure im Februar angekündigt, und am Ende des Jahres lag der gesamte Konzernumsatz mit 62 Milliarden Dollar nur zwölf Milliarden Dollar über dem, was aktuell die „Commercial Cloud“ umsetzt.

    Cloud-Geschäfte für mehr als zehn Millionen Dollar

    Im abgelaufenen Geschäftsjahr, so Finanzvorständin Amy Hood, habe man „eine Rekordzahl von Multimillionen-Dollar-Verträgen in der ‚Commercial Cloud‘“ abgeschlossen, und auch die Zahl der Verträge für Azure mit einem Volumen von mehr als zehn Millionen Dollar sei „substanziell“ angestiegen.

    Diese Entwicklung zeigt wie keine andere den Wandel des einstigen Software-Lizenzverkäufers auf DVD zu einem abobasierten Dienstleister und Serviceanbieter in der Cloud. So stünden laut Hood bereits 107 Milliarden Dollar für langfristige Verträge, meist für Azure, in den Büchern, von denen rund 50 Prozent in den kommenden zwölf Monaten als Umsatz ausgewiesen würden. Das ist die Art von regelmäßig wiederkehrenden Umsatzströmen, die Aktionäre lieben.

    Solche Erfolge haben aber einen Preis: Die Investitionen erreichten im Quartal 5,8 Milliarden Dollar, um vor allem Datencenter, Netzwerke und Azure-Infrastruktur weltweit für den Ansturm neuer Kunden und stärkere Nutzung durch bestehende fit zu machen.

    Belastet durch die aktuell angespannte Situation der Weltwirtschaft wurden mehrere Bereiche, darunter das Personal-Netzwerk LinkedIn, wo angesichts hoher Arbeitslosenzahlen das Umsatzwachstum von 25 auf zehn Prozent sank. Das Geschäft mit dem Betriebssystem Windows, Surface Laptops und Tablets (Umsatzplus von 28 Prozent) sowie Gaming zeigten sich unerwartet stark. Viele Menschen verlegten nicht nur ihre Büros nach Hause und brauchten Hard- und Software, sondern wollten auch digital spielen. Ein Plus von 14 Prozent auf 12,91 Milliarden Dollar verzeichnete deshalb die Sparte „Personal Computing“.

    Das Nettoergebnis wurde nicht nur durch die Pandemie und Kaufzurückhaltung wegen geschlossener Betriebe und Geschäfte allein belastet. Microsoft nutzte die Gelegenheit, um sein wenig erfolgreiches Einzelhandelsgeschäft weltweit aufzulösen, und musste dafür im Quartal eine Sonderbelastung von 450 Millionen Dollar hinnehmen.

    Streit um Kommunikationsplattform Teams

    Immer größere Bedeutung kommt Microsoft 365 (mit Office integriert) und der Kommunikationsplattform Teams zu. „Wann, wo und wie wir arbeiten, ändert sich gerade fundamental“, so Nadella. Microsoft Teams sei dabei „die einzige Lösung, in der Meetings, Anrufe, Chat, gemeinsame Bearbeitung von Inhalten und eine Bürosoftware sowie Business Prozess-Workflow integriert“ seien. Teams werde zum „Rückgrat der Kommunikation für immer mehr Unternehmen“.

    Im abgelaufenen Quartal habe man einmal fünf Milliarden Meeting-Minuten an nur einem einzigen Tag gesehen. Microsoft habe 69 Teams-Kunden mit mehr als 100.000 Mitgliedern und 1800 mit mehr als 10.000.

    Nadellas ausführliche Einlassungen kamen nicht ganz ohne Grund. Der Wettbewerber Slack hatte am Mittwoch die EU-Kommission angerufen und eine Untersuchung über eine angebliche wettbewerbswidrige Vertriebspraxis gefordert. Die unlösbare Verbindung von Microsoft 365 und Teams sei „illegal“ und benachteilige die Konkurrenz.

    Nadella wollte sich am Mittwoch aber nicht weiter mit dem Thema beschäftigen. Microsoft wolle voll mit der EU-Kommission kooperieren und alle benötigten Informationen liefern, hieß es zuvor in einem verbreiteten Statement.

    So wichtig Teams auch sein mag, Nadella hat jetzt andere Sorgen. Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahrs rechnet Microsoft mit einem Umsatz zwischen 35,15 und 36,05 Milliarden Dollar. Dabei wird mit etwas größerem Druck auf Windows-Produkte gerechnet, die bislang stark vom Auslaufen der Unterstützung des alten Windows 7 profitiert hatten, was zahlreiche Neukäufe angestoßen hatte.

    Das dürfte sich verlangsamen, ebenso wie Neukäufe für Homeoffice-Ausstattungen. Was sich aber nicht weiter verlangsamen darf, ist das Cloud-Wachstum. Sonst bekommt Microsofts Wachstumsstory erste zarte Risse.

    Mehr: Microsoft startet Qualifizierungsprogramm für Millionen Jobsuchende.

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    1 Kommentar zu "Softwarekonzern: Microsofts Cloud wächst weiter – aber die ersten Corona-Folgen sind spürbar"

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    • "Der Umsatz in den vergangenen drei Monaten, also im vierten Quartal des Geschäftsjahrs 2020, stieg auf 38,03 Milliarden Dollar. Das ist ein Plus von 13 Prozent zum Vorjahresquartal und deutlich über den Erwartungen."

      April, Mai und Juni - IV. Quartal 2020. Bei KPMG oder EY (um 04:58 Uhr) sicherlich nicht zu beanstanden.

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