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Softwarekonzern SAP wächst kräftig, doch die Kosten drücken den Gewinn – die Blitzanalyse

Update: 18.07.2019 - 08:30 Uhr 1 Kommentar
SAP: Personalabbau und Übernahme schmälern den Gewinn Quelle: dpa
SAP-Zentrale

Der Softwarekonzern hat am Donnerstag die Zahlen fürs zweite Quartal vorgelegt.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Als erster Dax-Konzern hat SAP Zahlen fürs zweite Quartal vorgelegt. Der Softwarehersteller wächst weiter kräftig, allerdings verursachen eine Übernahme und die laufende Umstrukturierung immer noch hohe Kosten. Bei den Anlegern kommt die Nachricht schlecht an: Vorbörslich notierte die Aktie zeitweise acht Prozent im Minus, in den Handel ist sie sieben Prozent tiefer gestartet. Die wichtigsten Zahlen und Fakten im Überblick:

  • Der Softwarehersteller steigerte den Umsatz von Anfang April bis Ende Juni um elf Prozent auf 6,63 Milliarden Euro. Zu dieser Entwicklung trug maßgeblich das Cloud-Geschäft bei, das um 40 Prozent auf 1,69 Milliarden Euro wuchs. Beide Werte entsprechen den Erwartungen der Analysten.
  • Die Übernahme des Marktforschungsspezialisten Qualtrics und das Vorruhestands- und Abfindungsprogramm kommen SAP aber weiterhin teuer zu stehen: Das Betriebsergebnis sank um 21 Prozent auf 827 Millionen Euro. Im ersten Quartal hatte der Konzern sogar einen Verlust verzeichnet.
  • Die deutliche Verbesserung der Profitabilität, die das Management verspricht, ist daher noch nicht gelungen. Die bereinigte operative Marge stagnierte bei 27,3 Prozent. Vielen Aktionären dürfte das zu wenig sein. Vorbörslich lag der Kurs des Softwareherstellers am Donnerstag deutlich im Minus.

Das fällt positiv auf

In der IT wird das Cloud-Computing zunehmend zum Standard: Unternehmen greifen auf Software, Rechenleistung und Speicher zu, die ein Dienstleister bei sich im Rechenzentrum betreibt – der Zugriff ist einfach, die Abrechnung übersichtlich. Auch bei SAP steht dieses Modell längst im Mittelpunkt, wie das Management immer wieder betont.

Im zweiten Quartal lief das Cloud-Geschäft sehr gut. Dazu trugen verschiedene Produkte bei: ob die Plattformen Ariba, Concur und Fieldglass, mit denen Unternehmen Material, Reisen und Arbeitskräfte beschaffen können (667 Millionen Euro), oder die Lösungen für Marketing, Vertrieb und E-Commerce, die im Segment „Customer and Experience Management“ gebündelt sind (365 Millionen Euro).

Die Zukäufe Qualtrics und Callidus spielten eine wichtige Rolle. Ohne sie dürfte das Wachstum deutlich unter 40 Prozent gelegen haben – ihren genauen Beitrag schlüsselt das Unternehmen nicht auf. Auch für andere wichtige Produkte nennt es keine Zahlen, etwa die Plattform Leonardo zur Vernetzung von Maschinen.

Die Stärke des Cloud-Geschäfts kommt für SAP gerade zur rechten Zeit: Der Verkauf von Softwarelizenzen schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 948 Millionen Euro. Der Konzern führt das auf „die jüngsten makroökonomischen Unsicherheiten, vor allem in Asien“ zurück – sprich: den Handelskonflikt zwischen USA und China.

Das Geschäft mit der Wartung, das an den Softwareverkauf gekoppelt ist, wuchs um gut vier Prozent auf 2,85 Milliarden Euro. Die Verträge laufen sehr langfristig, das verhilft SAP zu einer großen Planbarkeit.

Das fällt negativ auf

Hohe Kosten belasteten das Ergebnis weiterhin. So fielen 597 Millionen Euro anteilsbasierte Vergütungen an – einerseits, weil der Aktienkurs von SAP deutlich höher lag als im Vorjahr, andererseits, weil der Konzern mit dem Kauf von Qualtrics die Verpflichtungen des Marktforschungsspezialisten übernommen hatte.

Zudem berücksichtigt SAP erneut Restrukturierungskosten, dieses Mal 199 Millionen Euro. Das hat vor allem damit zu tun, dass sich in Deutschland mehr Mitarbeiter am Abfindungs- und Vorruhestandsprogramm beteiligen. Die genaue Zahl steht noch nicht fest, es dürften aber deutlich mehr als die ursprünglich avisierten 1200 sein. In der Summe kostet das fast 1,1 Milliarden Euro.

Noch ein Indikator für die hohen Kosten: Der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit sank auf minus 122 Millionen Euro.

Die bereinigten Kennzahlen zeigen aber, dass SAP etwas dafür tut, die Effizienz zu steigern. Die operative Marge blieb bei 27,3 Prozent, obwohl der Zukauf von Qualtrics sie belastete. Das bereinigte Betriebsergebnis wuchs somit im gleichen Tempo wie der Umsatz auf 1,82 Milliarden Euro. Und im Cloud-Geschäft zeigte die Tendenz sogar deutlich nach oben.

Aktionäre müssen aber Geduld haben. Mit einer Verbesserung der Marge um einen vollen Prozentpunkt sei angesichts der Belastungen in diesem Jahr nicht zu rechnen, sagte Finanzchef Luka Mucic der Nachrichtenagentur Reuters. 2020 sei aber ein „sehr, sehr bedeutender Schritt vorwärts“ zu erwarten.

So geht es weiter

Die Zwischenbilanz zeigt, dass SAP noch einiges tun muss, um die Profitabilität deutlich zu steigern – so wie es Großaktionäre wie der aktivistische Investor Elliott Management fordern. Bis zum zusätzlichen Kapitalmarkttag im November wollen diese Akteure Ergebnisse sehen.

Mehr: Lange war Hasso Plattner das Gesicht des Software-Riesen SAP. Auf der Hauptversammlung kündigt der Unternehmer nun seine letzte Amtszeit im Aufsichtsrat an.

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