Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Softwarespezialist Teamviewer macht den Investoren wieder Hoffnung

Nach dem Börsengang im September ist die Aktie des Unternehmens unter Druck geraten. Nun kündigt Teamviewer-Chef Oliver Steil kräftiges Wachstum an.
Kommentieren
Nach der Feier schnell zur Tagesordnung zurückgekehrt. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Teamviewer-Chef Steil an der Frankfurter Börse

Nach der Feier schnell zur Tagesordnung zurückgekehrt.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Düsseldorf Seit dem Börsengang vor einigen Wochen steht Teamviewer unter kritischer Beobachtung: Der Aktienkurs des Softwarespezialisten ist zwischenzeitlich deutlich gesunken. Das Geschäft ist jedoch in exzellenter Verfassung, wie die am Montag veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal zeigen: Der Konzern schloss deutlich mehr Aufträge ab und steigerte den Gewinn kräftig.

Vorstandschef Oliver Steil pries die „sehr seltene Kombination aus Wachstum und Profitabilität“. Er versprach zudem, dass drei „strategische Initiativen“ auch künftig für Wachstum sorgen sollen, zum Beispiel der Ausbau des internationalen Geschäfts. Nach einem Plus von zeitweise bis zu sieben Prozent notierte die Aktie von Teamviewer erstmals wieder über dem Ausgabepreis von 26,25 Euro.

Teamviewer bietet Lösungen für die Vernetzung von Geräten an. Unternehmen setzen sie beispielsweise ein, um Computer der Mitarbeiter aus der Ferne zu warten, Maschinen zu überwachen oder Onlinekonferenzen abzuhalten. Die Software ist nach Unternehmensangaben auf mehr als zwei Milliarden Geräten installiert. Mehr als 430 000 Kunden verwenden eine kostenpflichtige Version der Software – einige Grundfunktionen stehen Nutzern auch gratis zur Verfügung.

Als wesentliche finanzielle Kenngröße betrachtet Teamviewer die sogenannten Billings. Dabei handelt es sich um Rechnungen, die das Unternehmen im jeweiligen Abrechnungszeitraum stellt und bezahlt bekommt. Dieser Wert stieg im dritten Quartal im Vorjahresvergleich um 63 Prozent auf 83 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs um 39 Prozent auf 102 Millionen Euro – dieser Wert berücksichtigt jedoch Lizenzzahlungen, die der IT-Konzern über einen Zeitraum von mehreren Jahren verbuchen muss.

Das bereinigte operative Ergebnis – Teamviewer spricht vom Cash-Ebitda – verdoppelte sich auf 46 Millionen Euro (plus 95 Prozent). Nach Steuern blieb ein Ergebnis von 14 Millionen Euro, vier Millionen Euro mehr als vor Jahresfrist, wobei das Unternehmen dabei stark von steuerlichen Verlustvorträgen profitierte.

Die konjunkturellen Schwierigkeiten, die vielen Unternehmen Probleme bereiten, belasten Teamviewer nicht – im Gegenteil: „Eine schlechtere Wirtschaftslage kann sich auf unser Geschäft sogar positiv auswirken“, sagte Vorstandschef Steil dem Handelsblatt. „In der Hochkonjunktur ändern die wenigsten Unternehmen ihre Geschäftsprozesse. In schlechteren Wirtschaftslagen überlegen sie, wo sie besser werden können.“ Dabei helfe die Software des Unternehmens aus Baden-Württemberg.

Wette auf Virtual Reality

Darauf allein will sich das Teamviewer-Management nicht verlassen. Es investiert derzeit in das Geschäft mit Unternehmenskunden und die internationale Expansion. „Wir müssen mit Vertriebsmitarbeitern weltweit lokal präsent sein“, sagt Steil. „Es ist wichtig, dass wir die Kunden besuchen, dass wir ein Büro haben, wo man hingehen kann, und dass die nationale Webseite von Menschen gemacht ist, die nah dran sind an den Kunden.“

Zudem baut Teamviewer das Geschäft mit neuen Technologien aus, etwa Augmented Reality. So können sich beispielsweise Außendienstler bei der Reparatur von Maschinen von Experten in der Zentrale beraten lassen – das Bild übertragen sie mit der Kamera des Smartphones. „Kunden haben die Erfahrung gemacht, dass unsere Technologie auf jedem Gerät funktioniert, das hilft uns beim Start mit Augmented-Reality-Lösungen“, sagt Steil. Gerade erst ist die zweite Version erschienen.

Seit dem Start hat das Unternehmen damit rund eine halbe Million Euro Billings verbucht. Das Potenzial sei riesig, eine Wachstumsprognose könne er für das Geschäft aber noch nicht abgeben.
Teamviewer ist im September mit einem Emissionsvolumen von rund 2,2 Milliarden Euro an die Börse gegangen. Die Einnahmen erhielt der Finanzinvestor Permira, der das Unternehmen 2014 für 870 Millionen Euro gekauft hatte und immer noch rund 60 Prozent der Anteile hält.

Analysten sprechen Teamviewer trotz der zwischenzeitlichen Kursrückgänge großes Potenzial zu. Die Royal Bank of Canada stuft das Unternehmen mit „outperform“ ein und belässt das Kursziel bei 29 Euro. Die Wachstumsdynamik des Börsenneulings sei noch nicht angemessen eingepreist, heißt es in einer Reaktion. Goldman Sachs hält 33 Euro für angemessen, die Commerzbank sogar 36 Euro.

Es komme auf die Fundamentaldaten an, betont auch Steil, der Anfang 2018 von Permira zu Teamviewer gekommen ist. Der Softwareanbieter sei „ein schnell wachsendes, profitables Unternehmen“. Die Investoren, so scheint es, glauben diese Geschichte mittlerweile auch.

Mehr: Oliver Steil zieht zwei Monate nach dem Börsengang des Softwareherstellers eine erste Bilanz – und macht Hoffnung auf kräftiges Wachstum bei Teamviewer.

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: Softwarespezialist - Teamviewer macht den Investoren wieder Hoffnung

0 Kommentare zu "Softwarespezialist: Teamviewer macht den Investoren wieder Hoffnung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.