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Softwareunternehmen Neue Strategie von SAP wirkt: „Wir sind zuversichtlicher denn je“ – Konzern hebt Prognose an

Immer mehr Kunden unterschreiben für die Cloud-Dienste des Softwarekonzerns. Anleger hatten sich aber wohl mehr erwartet – die Aktie gibt deutlich nach.
21.07.2021 Update: 21.07.2021 - 14:45 Uhr Kommentieren
SAP erwartet nun auf Jahressicht ein währungsbereinigtes Betriebsergebnis zwischen 7,95 und 8,25 Milliarden Euro. Quelle: Reuters
SAP-Zentrale in Walldorf

SAP erwartet nun auf Jahressicht ein währungsbereinigtes Betriebsergebnis zwischen 7,95 und 8,25 Milliarden Euro.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Mit einer teuren Neuausrichtung hat SAP-Chef Christian Klein im Herbst 2020 die Aktionäre schockiert. Schneller als geplant sollte der Konzern seine wichtigsten Produkte über die Cloud anbieten. Die Umstellung macht sich bereits bezahlt. Nach dem robusten zweiten Quartal hebt der Softwarehersteller die Ziele für das laufende Jahr zum zweiten Mal an.

Während der Umsatz um ein Prozent auf 6,7 Milliarden Euro sank, wuchs das Cloud-Portfolio um elf Prozent auf 2,28 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 17 Prozent. Der Auftragsbestand im Zukunftsgeschäft, abgebildet im Current Cloud Backlog, stieg um 17 Prozent auf 7,77 Milliarden Euro, wie SAP am Mittwoch mitteilte. Dabei zog die Geschäftsreiseplattform Concur das Ergebnis wegen der Coronakrise noch herunter.

Die Prognose fällt nun etwas optimistischer aus: Das währungsbereinigte Betriebsergebnis soll im gesamten Jahr nun zwischen 7,95 und 8,25 Milliarden Euro liegen, etwas mehr als bislang mit 7,8 bis 8,2 Milliarden Euro, allerdings immer noch weniger als 2020. Für die Cloud- und Softwareerlöse hebt der Konzern die Spanne um 200 Millionen Euro auf 23,6 bis 24 Milliarden Euro an.

„Das Quartal zeigt, dass wir die Strategie, die wir letztes Jahr angekündigt haben, gut umsetzen“, sagte Klein. Im zweiten Halbjahr und 2022 sei mit „einer weiteren Beschleunigung“ des Cloud-Wachstums zu rechnen. Probleme durch eine vierte Corona-Welle erwartet der Manager nicht – SAP könne das Geschäft weitgehend digital abwickeln. „Wenn wir auf unsere Pipeline gucken, sind wir zuversichtlicher denn je.“

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    Nach der Ankündigung der neuen Strategie im Herbst 2020 begann für die SAP-Aktie eine längere Schwächephase. Inzwischen ist der Kurs aber wieder deutlich gestiegen – seit Jahresbeginn hat sich der Softwarehersteller besser entwickelt als der Dax.

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    Obwohl die Zahlen die Erwartungen der Analysten erfüllten oder leicht übertrafen, notierte das Papier am Mittwoch mit einem Verlust von bis zu 3,5 Prozent auf 117,60 Euro am Dax-Ende. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern hatten die Anleger womöglich eine stärkere Anhebung der Prognose erwartet.

    „Die Zahlen sind toll, aber man hat sich bei der Prognose mehr erhofft“, sagt Mirko Maier, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die höheren Ziele für das Cloud-Geschäft und das Betriebsergebnis seien bereits in den Aktienkurs eingepreist. Zudem gebe es nach der soliden Kursentwicklung seit Jahresanfang womöglich Gewinnmitnahmen. „Die Chancen auf positive Überraschungen sind erstmal begrenzt.“

    Schon seit Jahren bezeichnet sich SAP selbst als „Cloud-Company“ – durch die Zukäufe von Spezialisten wie Ariba, Success Factors und Qualtrics konnte der Softwarehersteller tatsächlich ein beachtliches Geschäft aufbauen. Das Kernprodukt S/4 Hana, mit dem Organisationen wichtige Geschäftsprozesse wie Finanzwesen, Lieferkette und Vertrieb steuern können, lief bei den meisten Kunden jedoch lange wie eh und je in den eigenen Rechenzentren.

    Durch die Coronakrise haben sich bei vielen Unternehmen jedoch die Prioritäten verschoben: Lösungen aus der Cloud versprechen eine leichtere Bedienung und Wartung – auch aus dem Homeoffice –, zudem einen schnelleren Zugriff auf Innovationen.

    Der Konzernchef erwartet im zweiten Halbjahr eine weitere Beschleunigung des Geschäfts. Quelle: via REUTERS
    SAP-Chef Klein

    Der Konzernchef erwartet im zweiten Halbjahr eine weitere Beschleunigung des Geschäfts.

    (Foto: via REUTERS)

    Der globale Markt für Dienste aus der Public Cloud, die in den Rechenzentren der Anbieter laufen, wächst in diesem Jahr nach Einschätzung des Marktforschers Gartner um 23 Prozent auf 332 Milliarden Dollar, wozu Softwareanwendungen allein 123 Milliarden Dollar beitragen.

    Wichtige Kunden entscheiden sich für die Cloud-Lösung

    Mit dem Paket „Rise with SAP“, angekündigt im Januar, will der Softwarehersteller daher die Umstellung beim Kernprodukt S/4 Hana beschleunigen, beispielsweise durch technische Hilfen und eine verbesserte Kosten-Nutzen-Rechnung. Im zweiten Quartal hat sich das bezahlt gemacht: 250 Kunden haben für das neue Paket unterschrieben, darunter AMD und Siemens Energy.

    Bislang entscheiden sich größtenteils kleine und mittlere Unternehmen für das Programm. Das Interesse der Großkonzerne wachse, aber die Umstellung sei für sie aufwendiger, sagte Klein – zum Beispiel, weil Erweiterungen der Systeme nötig seien. Im zweiten Halbjahr sei mit deutlich mehr großen Deals zu rechnen, versprach er.

    Der Umsatz mit S/4 Hana Cloud stieg im zweiten Quartal um 33 Prozent auf 257 Millionen Euro, der Auftragsbestand für die nächsten zwölf Monate sogar um 45 Prozent auf 1,13 Milliarden Euro. Das sei vor allem Deals in den USA zuzuschreiben, berichtet der Konzern.

    Probleme bereitet lediglich die Geschäftsreiseplattform Concur, deren Umsatz während der Pandemie eingebrochen ist. Es gebe Anzeichen für eine Erholung, aber das Niveau der Vorkrisenzeit sei in der aktuellen Situation nicht zu erreichen, sagte Klein. Die „Intelligent Spend Group“, in der SAP mehrere Beschaffungsplattformen samt Concur zusammenfasst, stagnierte mit knapp 700 Millionen Euro Umsatz.

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    Angesichts der Umstellung auf die neue Technologie schrumpfte das Geschäft mit Softwarelizenzen erwartungsgemäß: Die Erlöse sanken um 16 Prozent auf 650 Millionen Euro. Auch die Wartung von Systemen, für die Kunden obligatorisch zahlen, brachte SAP mit 2,82 Milliarden Euro etwas weniger ein als im Vorjahreszeitraum.

    Analysten sehen diese Entwicklung positiv. Das zweite Quartal deute „auf einen weiterhin erfolgreichen Übergang zum Cloudgeschäft hin“, schrieb die Investmentbank Jefferies am Mittwoch in einer Studie. Vor allem der hohe Auftragsbestand für S/4 Hana sei positiv. Das Institut empfiehlt die Aktie mit einem Kursziel von 141 Euro zum Kauf.

    Belastung für die Profitabilität

    Die Umstellung des Geschäftsmodells belastet aber die Profitabilität. Zum einen sind zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur in dreistelliger Millionenhöhe erforderlich, zum anderen macht sich ein buchhalterischer Effekt bemerkbar: Während SAP beim Verkauf von Lizenzen die Einnahmen auf einen Schlag verbucht, fließen die Gebühren von Abodiensten über die Zeit.

    Im zweiten Quartal sank die bereinigte operative Marge, die intern wie extern als wichtige Kennzahl gilt, um 0,3 Prozent auf 28,8 Prozent, das bereinigte Betriebsergebnis um zwei Prozent. Berücksichtigt man die aktienbasierten Vergütungen, sank der operative Gewinn sogar um 23 Prozent auf 984 Millionen Euro.

    Im zweiten Halbjahr dürften die Belastungen noch höher ausfallen: SAP werde weiter in Forschung und Entwicklung sowie die Infrastruktur investieren, kündigte Finanzchef Luka Mucic an. Die Umstellung des Geschäftsmodells wird die operative Marge bis 2023 um vier bis fünf Prozentpunkte belasten. Dennoch erwirtschaftete SAP mit 1,15 Euro ein um 57 Prozent höheres Ergebnis pro Aktie.

    Dabei profitierte SAP erneut von seiner Partnerschaft mit dem Risikokapitalfonds Sapphire Ventures, der mit seinen Beteiligungen rund 900 Millionen Euro zu den Finanzierungserträgen beisteuerte.

    Es handle sich um ein „Schmuckstück im Portfolio“, sagte Finanzchef Mucic. Der Aufsichtsrat habe daher im zweiten Quartal der Finanzierung eines neues Fonds zugestimmt, das zugesagte Volumen belaufe sich auf 1,75 Milliarden Dollar (rund 1,49 Milliarden Euro).

    Mehr: Quantencomputer und Künstliche Intelligenz – SAP baut Forschungszentrum in München.

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