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Soziales Netzwerk Facebook plant unabhängige Stiftung für Kryptowährung

Das soziale Netzwerk spricht einem Bericht zufolge mit Finanzinstituten, die das Bezahlsystem gegen eine Lizenzgebühr betreiben soll.
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Wenn alles nach Plan läuft soll Facebooks Coin noch im Juni offiziell vorgestellt werden. Quelle: Reuters
Facebook

Wenn alles nach Plan läuft soll Facebooks Coin noch im Juni offiziell vorgestellt werden.

(Foto: Reuters)

New YorkFacebook will für seine Kryptowährung offenbar eine separate Stiftung ins Leben rufen, die das neue Bezahlnetzwerk betreiben soll. Das berichtet die auf die Technologiebranche spezialisierte Nachrichtenseite „The Information“. Demnach habe das von Mark Zuckerberg gegründete Unternehmen bereits zu Dutzenden Finanzinstituten Kontakt aufgenommen, die die Stiftung mit Kapital versorgen und das Bezahlsystem betreiben könnten.

Offenbar will Facebook die Rechte für das Betreiben des auf der Blockchain-Technologie basierenden Systems lizensieren. Für das Recht, Transaktionen zu verifizieren würde Facebook zehn Millionen Dollar pro Organisation verlangen. Der Konzern aus dem Silicon Valley plant demnach zunächst mit 100 Prüfstellen – in der Fachsprache „Nodes“ genannt – zu starten und würde somit eine Milliarde Dollar an Lizenzgebühren bekommen. Die wiederum wolle Facebook unter anderem dazu nutzen, um die digitale Währung zu decken. Sie soll mit einem Korb an Währungen und sicheren Staatsanleihen unterlegt werden. Wer eine Node betreibt, könne dann auch ins Gremium der Stiftung, hieß es.

Zuckerberg habe an dem Projekt offenbar persönlich großes Interesse. Der Facebook-Chef, der in den vergangenen Monaten immer wieder wegen Datenschutz-Pannen in die Kritik geriet, will mit dem Stiftungsmodell wohl Regulierer beruhigen. US-Senatoren hatten im Mai bereits in einem offenen Brief mehr Informationen über das Projekt, das den Code-Namen „Libra“ trägt, gefordert. Sie befürchteten, dass Facebook zu viel über Verbraucher wisse und möglicherweise sensible Informationen an Krankenversicherer und andere Unternehmen weitergeben könnte.

Das Stiftungsmodell ist gängig in der Kryptobranche. Auch die beiden größten digitalen Währungen, Bitcoin und Ether, werden über Stiftungen geführt. Allerdings kann dort praktisch jeder mit der richtigen Ausrüstung und dem richtigen Know-How an der Validierung von Transaktionen teilnehmen und bekommt im Gegenzug Transaktionsgebühren. Facebook dagegen hat mit der Lizenzgebühr eine zusätzliche Hürde geschaffen. Das könnte jedoch dabei helfen, grünes Licht von den Regulierern zu bekommen.

„Es ist enttäuschend, dass Facebook auf ein Modell setzt, das zehn Millionen Dollar Startgebühr verlangt“, sagt Emin Gün Sirer, ein Professor für Computerwissenschaften an der Cornell University in Ithaca im US-Bundesstaat New York, der sich auf Kryptowährungen spezialisiert hat. Das widerspreche dem ursprünglichen Prinzip der Blockchain-Technologie, „die Eintrittsbarrieren eigentlich abbauen wollte.“

Dass das Soziale Netzwerk nicht nur mit einer Bank, sondern Dutzenden zusammenarbeiten will, hält er auch aus einem anderen Grund für problematisch. „Man ist zwar nicht nur von einem Institut abhängig, aber wenn etwas schief geht, wen ruft Facebook dann an? Wer ist am Ende verantwortlich?“

Facebook plant dem Bericht zufolge auch, Geldautomaten in den Ländern aufzustellen, in denen der Facebook-Coin angeboten wird. Dort könnten Nutzer die Währungen ihres Landes in die digitale Währung umtauschen. Welche Währungen das Soziale Netzwerk für den Coin in einem Korb bündeln will, ist derzeit noch unklar. Das System könnte besonders für Nutzer in krisengeschüttelten Ländern mit hoher Inflation, wie Venezuela attraktiv sein, glaubt der Cornell-Professor. „Sie könnten das attraktiv finden, weil sie sich von ihrer eigenen Volkswirtschaft abschotten wollen.“ Nutzer in den USA dagegen würde es dagegen an einen Mix an Währungen binden, die für sie zum Großteil nicht relevant sind.

Facebook bemüht sich derzeit, wichtige Regulierungsbehörden von dem Modell zu überzeugen und hat sich dazu bereits Rat von der Bank of England und der US-Finanzministerium eingeholt. Wenn alles nach Plan läuft soll Facebooks Coin noch im Juni offiziell vorgestellt werden. Viele Fragen sind jedoch noch offen. Dass Facebook so streng wie eine Bank reguliert werden will, halten Branchenkenner für unwahrscheinlich. Das Unternehmen aus dem Silicon Valley hat sich schließlich auch lange Zeit dagegen gewehrt, wie ein Medienunternehmen reguliert zu werden, obwohl es längst ganz ähnlich agiert. Auch ist derzeit noch unklar, wer das Geld, das die Nutzer einzahlen, um Facebook-Coins zu erhalten, treuhändisch verwalten und wieder auszahlen und was Facebook mit dem Geld machen wird, bis es die Nutzer wieder von der digitalen Währung zurück in Euro, Dollar oder andere Währungen tauschen.

Mehr: Eine virtuelle Facebook-Währung klingt zunächst einmal wenig vertrauenswürdig. Doch die Macht der vielen Nutzer ist nicht zu unterschätzen. Ein Kommentar.

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