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Soziales Netzwerk Twitter macht mit weniger Nutzern mehr Umsatz

Twitter zeigt, wie aus einem Verlustbringer ein profitables Unternehmen werden kann. Die Frage ist nur, ob der Aufwärtstrend von Dauer ist.
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Der Twitter-Kurs hatte im Januar 2014 mit 69 Dollar seine Blütezeit. Heute ist die Aktie 40 Prozent günstiger zu bekommen. Quelle: Reuters
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Der Twitter-Kurs hatte im Januar 2014 mit 69 Dollar seine Blütezeit. Heute ist die Aktie 40 Prozent günstiger zu bekommen.

(Foto: Reuters)

San FranciscoMit überzeugenden Quartalszahlen hat der Kurznachrichtendienst Twitter am Dienstag Investoren erfreut. Der Umsatz stieg im ersten Quartal 2019 im Jahresvergleich um 18 Prozent auf 787 Millionen Dollar. Noch immer basiert das Geschäft dabei praktisch auf nur einer Erlösquelle: Werbung. Hier gab es einen Zuwachs um ebenfalls 18 Prozent auf 679 Millionen Dollar. Für das laufende Quartal wird ein Umsatz zwischen 770 und 830 Millionen Dollar angepeilt.

Diese Ergebnisse belegen, dass Twitter in der Lage ist, aus einer stagnierenden bis leicht fallenden Nutzerbasis mehr Geld zu ziehen. Die Zahl der mindestens einmal im Monat aktiven Nutzer fiel im Jahresvergleich von 336 auf 330 Millionen.

Trotzdem gelang es, den Nettogewinn im Quartal von 61 Millionen auf 191 Millionen Dollar zu steigern, was allerdings überwiegend einer Steuergutschrift von 124 Millionen Dollar zu verdanken ist. Bereinigt um den Steuereffekt bleibt laut Twitter aber noch ein gesundes einstelliges Plus auf 66 Millionen Dollar.

Die Reaktion der Wall Street fiel deutlich aus: Der Kurs stieg im frühen Handel um bis zu 14 Prozent auf über 39 Dollar. Die überwiegende Zahl der Analysten bewertet Twitter mit „halten“. Noch sei nicht klar, ob die hohen Investitionen in neue Geschäftsbereiche – wie die mediale Begleitung von großen Events, zum Beispiel Sportveranstaltungen – zu einem nachhaltigen Wertzuwachs führen werde. Aber die Zuversicht steigt.

Die eigentliche Nutzerbasis, sozusagen die eingeschworenen Twitter-Nutzer, ist dabei viel kleiner, als die monatliche Statistik verspricht. Die sogenannten „monetarisierbaren täglichen Nutzer“ belaufen sich nur auf 134 Millionen. Das sind laut Twitter diejenigen, die vom Unternehmen auch tatsächlich mit Werbung erreicht werden können. Sie gelangen über die eigene Website oder die App zu dem Dienst.

Zum Vergleich: Wer einen Tweet in einer TV-Sendung auf einem Bildschirm eingeblendet sieht, ist zwar auch ein statistischer Nutzer, aber nicht für Werbung erreichbar. Deshalb wird Twitter ab dem laufenden Quartal keine monatlichen aktiven Nutzerzahlen mehr ausweisen.

Proaktives Vorgehen gegen Fake-Accounts

Das ist die Anerkennung der nackten Realität: Twitter wird nie mehr das Rennen mit Facebook (1,4 Milliarden monatliche Nutzer) aufnehmen können. Das Unternehmen fokussiert sich stattdessen auf das Geschäftsmodell und die vorhandenen Kunden.

Die Zahl der monetarisierbaren täglichen Nutzer zeigt mit 134 Millionen einen Anstieg über das Jahr um elf Prozent und eine ungewöhnliche Verteilung. Nur 28 Millionen davon (plus acht Prozent zum Vorjahr) kommen aus den USA, 105 Millionen sind internationale Twitterer, mit Japan als dem größten Auswärtsmarkt.

Der starke Anstieg belegt den Erfolg der jüngsten Initiativen, mit denen CEO Jack Dorsey versucht, den Ruf des Dienstes als seriöse Nachrichtenquelle zu festigen und ihn mit neuen Angeboten attraktiver zu machen. Millionen von Fake-Konten waren über die Monate gelöscht worden. Während Twitter früher nur auf Meldungen aus dem Nutzerkreis wartete, um verdächtige Inhalte oder Konten zu löschen, wird jetzt auch proaktiv gesucht und gelöscht. All das scheint bei den Kunden gut anzukommen.

Mit einer steigenden Anzeigenauslastung und einer steigenden Zahl von Kernnutzern ist Twitter also auf dem richtigen Weg, und CEO Dorsey verspricht zudem Kostendisziplin bei seinen Investitionen. Das bildet eine Basis für potenzielle weitere Umsatz-, Gewinn- und Kurssteigerungen. Der Branchendienst eMarketer erwartet für 2019 einen Werbeumsatz von 2,97 Milliarden Dollar für Twitter. Das sind 0,9 Prozent des Weltmarktes für Onlinewerbung, der sich auf rund 333 Milliarden Dollar beläuft.

Trotzdem müssen Investoren wohl noch eine Menge Geduld aufbringen. Der Twitter-Kurs hatte im Januar 2014 mit 69 Dollar seine Blütezeit. Heute ist die Aktie 40 Prozent günstiger zu bekommen. Und das nicht ohne Grund. Das „neue“ Twitter steht noch ganz am Anfang.

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