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Soziales Netzwerk Was Sie über den Lauschangriff bei Facebook wissen sollten

Das soziale Netzwerk hat Nachrichten von Nutzern abgehört und erst später darüber informiert. Betroffen ist besonders eine User-Gruppe.
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Lauschangriff bei Facebook – Neun Antworten zum Abhörskandal Quelle: dpa
Facebook-Logo

Facebook hat Sprachnachrichten der Nutzer abgehört.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Facebook hat in der Nacht zu Mittwoch bekanntgegeben, dass Sprachnachrichten von Nutzern des Messenger-Dienstes abgehört worden sind. Ziel sei gewesen, die eigene Sprachsoftware zu verbessern. Die Abhör-Praxis sei vor etwa einer Woche eingestellt worden, wie das Unternehmen erklärte. Zuerst hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg darüber berichtet.

Welche Sprachnachrichten sind davon betroffen?
Abgehört wurden die Sprachnachrichten, die über die Transkribier-Funktion verschickt wurden. Dabei diktieren die Nutzer ihrem Smartphone oder Computer eine Nachricht, die Sprachsoftware übersetzt die Aufnahme dann in schriftliche Sätze. Gewöhnliche Sprachnachrichten, die auch als Audio-Datei versendet wurden, sollen nicht betroffen sein.

Was haben die Mitarbeiter mit den Sprachnachrichten gemacht?
Mitarbeiter von Facebook-Dienstleistern haben die Sprachnachrichten gehört und anschließend abgetippt. Diese sollen laut Facebook vollständig anonymisiert worden sein, Nutzernamen oder andere Profildaten wurden nicht übermittelt. Das Netzwerk verglich anschließend die abgetippten Nachrichten mit den Ergebnissen der Sprachsoftware. Die Mitarbeiter sollen nicht gewusst haben, wofür sie die Sprachnachrichten abtippten. Teilweise seien auch „vulgäre Inhalte“ darunter gewesen.

Warum hat Facebook die Daten ausgewertet?
Die abgehörten Nachrichten dienen vor allem dazu, die Qualität der automatischen Sprachsoftware zu verbessern. Noch kommt es bei der Spracherkennung häufig zu Fehlern. Facebook und andere Digitalkonzerne versuchen durch Abgleiche, Fehler in ihrer Software zu erkennen und zu korrigieren.

Die Daten wie vieler Nutzer wurden ausgewertet?
Darüber, wie viele und wie lange die Nutzer abgehört wurden, ist aktuell noch nichts bekannt. Facebook erklärte nach Bekanntwerden der Praktiken nur, dass diese bereits vor einer Woche gestoppt wurden.

Was steht dazu in den Facebook-Geschäftsbedingungen? Darf Facebook die Sprachnachrichten abhören?
In den Nutzungsbedingungen des Netzwerks findet sich kein konkreter Hinweis darauf, dass Dritte die Nachrichten abhören könnten. Es wird nur darauf hingewiesen, dass das Netzwerk „Inhalte, Kommunikation und andere Informationen“ sammelt und speichert. Facebook erklärt außerdem, dass Nachrichteninhalte automatisch analysiert werden. In einer Liste mit externen Unternehmen, die Facebook-Inhalte bekommen, steht nichts von einem Transkriptionsteam. Stattdessen spricht das Unternehmen dort vage von Service-Dienstleistern, die „analysieren, wie unsere Produkte genutzt werden“.

Kann die Auswertung juristische Konsequenzen haben?
Das ist noch offen. Direkte rechtliche Folgen oder gar Gerichtsprozesse sind aber wohl nicht zu erwarten. In der Vergangenheit bewegte Facebook sich häufig an der Grenze der Legalität, Verbote folgten nur selten.

Werden Daten der Nutzer noch ausgewertet?
Nein. Facebook hat versichert, dass seit etwa einer Woche keine Sprachnachrichten mehr abgehört werden.

Hat Facebook Nutzerdaten bereits in der Vergangenheit ausgewertet?
Ein wesentlicher Teil des Netzwerks basiert darauf, die Daten der Nutzer zu analysieren und auf sie zugeschnittene Werbung zu präsentieren. Dazu wertet Facebook alle Eingaben der Nutzer aus, also zum Beispiel besuchte Seiten, Gefällt-mir-Angaben und hochgeladene Fotos. Facebook versichert, dass die Nutzer diesem Vorgehen durch ihre Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen grünes Licht geben. Auswertungen, die über die Zustimmung der Nutzer hinausgehen, gebe es nicht. Allerdings ist vielen Facebook-Usern nicht immer bewusst, welche Daten das Online-Netzwerk analysiert. Im vergangenen Jahr hatte Facebook seine Bestimmungen überarbeitet und einfacher formuliert.

Mehrfach stand der Vorwurf im Raum, Facebook würde seine Nutzer über die Mikrofone ihrer Handys abhören. Als Indizien dafür wurden Werbeanzeigen angeführt, die auf kurz zuvor gesprochenen Sätzen basierten. Das Netzwerk hat diese Vorwürfe immer zurückgewiesen, Tonaufnahmen außerhalb des App-Gebrauchs zeichne man nicht auf. In einer Anhörung vor dem US-Kongress bezeichnete Facebook-Gründer Mark Zuckerberg die Anschuldigungen als „Verschwörungstheorie.“

Ist Facebook ein Einzelfall?
Nein. Facebook ist bei Weitem nicht das einzige Unternehmen, das seine Spracherkennung mit menschlicher Hilfe verbessern will. In der Vergangenheit hatten auch Apple, Google und Amazon zugegeben, Spracheingaben von Mitarbeitern auswerten zu lassen. Kritiker monierten bereits damals, dass die Internetkonzerne damit in die Privatsphäre ihrer Nutzer eingriffen. Apple und Google haben die Auswertung inzwischen eingestellt, Amazon bietet Nutzern eine Einspruchs-Option.

Mehr: Nach Amazon, Apple und Google hat nun auch das soziale Netzwerk zugegeben, Aufnahmen von Nutzern analysiert zu haben. Verwendet wurden Daten des Chatdienstes Messenger.

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