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Spielemesse Opening Night Live: Fans feiern die digitale Gamescom

Die Corona-bedingt rein virtuelle Gamescom ist gestartet. Weltweit zeigen sich die Gamer interessiert – auch wenn manch großer Branchenname fehlt.
28.08.2020 - 04:23 Uhr Kommentieren
Die Spielemesse hat dieses Jahr mehr als 100 Partner, die für die digitale Präsenz zahlen. Quelle: Screenshot
Youtube-Event der Gamescom

Die Spielemesse hat dieses Jahr mehr als 100 Partner, die für die digitale Präsenz zahlen.

(Foto: Screenshot)

Düsseldorf Bei „Fall Guys: Season 2“ dreht das Publikum so richtig durch. Jubel brandet auf, die Fans freuen sich – aber alles virtuell. In den Chats der Videoplattformen Youtube und Twitch oder den sozialen Netzwerken, allen voran Twitter. Mit der „Opening Night Live“, einer Premierenshow für Computer- und Videospiele ist am Donnerstagabend die Gamescom 2020 eröffnet worden. Rein digital, per Stream aus Los Angeles.

Die weltgrößte Spielemesse, in Köln beheimatet, bleibt in diesem Jahr auch rein digital. Pandemie-bedingt bleiben die Deutzer Messehallen leer, statt Hunderttausender kostümierter Fans („Cosplayer“) dicht an dicht auf dem Gelände sollen es Millionen Zuschauer im Internet richten. Wie viele Zuschauer es insgesamt werden sollen, wollte sich Felix Falk, Geschäftsführer des mitveranstaltenden deutschen Spieleverbands Game, im Vorfeld auch auf beharrliche Nachfrage nicht entlocken lassen. Nur für die Opening Night, die Kickoff-Veranstaltung, gab Falk zumindest eine Wunsch-Benchmark an. „Dieses Jahr wollen wir eine Million Zuschauer live erreichen“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt, nach 500.000 im Vorjahr.

Die Voraussetzungen sind aktuell grundsätzlich gut. Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom hat unlängst gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Deutschen in der Coronakrise mehr Zeit mit Games verbringen. Mit dem Interesse steigen auch die Verkaufs- und Nutzerzahlen. Die Opening Night Live ist das Schaufenster der Gamescom und die Gamescom eines der bedeutendsten Schaufenster der Games-Branche weltweit.

Ob wirklich eine Million Menschen zugesehen haben, lässt sich direkt nach der Show noch nicht sagen. Die Gamescom stellt über ihr Portal Gamescom Now den Stream zur Verfügung, den wiederum Gamer, Influencer, Medien und Unternehmen auf ihren eigenen Kanälen teilen können. Entsprechend müssen die verschiedenen Online-Reichweiten ausgewertet werden, bis feststeht, wie viele Personen in der Spitze, im Schnitt und wenigstens zugesehen haben.

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    Was sich sagen lässt: Allein im Kanal der Gamescom schauten bis zu 25.000 Menschen zu, bei US-Kanälen wie dem Youtube-Auftritt des Videospielpreises „The Game Awards“, deren Organisator Geoff Keighly auch die Eröffnungsshow moderierte, fanden sich mehr als 160.000 Zuschauer ein. Auch eine Erkenntnis: Die Server haben – trotz einiger Ruckler – gehalten.

    40 Spieletitel werden vorgestellt

    Neben der Frage nach der Zuschauerzahl bleibt aber auch die Frage offen, ob die bewusst volldigitale Veranstaltung in Corona-Zeiten einen emotional gleichbedeutenden Ersatz für Gamer bieten kann. Genügt es, wenn die Stars der Szene, ob Entwickler, Spiele-Kommentatoren, E-Sportler oder tatsächliche Videospielcharaktere am Monitor auftauchen?

    Mehr als 40 vorgestellte Spieletitel sollen die Eröffnung zum globalen Event machen. Das soll nach Willen der Gamescom in Zukunft so weitergehen, der Online-Fokus dauerhaft die Präsenzmesse ergänzen. Wo sonst lange Schlangen an Messeständen Auskunft darüber geben, welche Spiele und technischen Neuheiten besonders gefragt sein, müsse man nun den Spuren im Netz folgen, hatte Falk im Vorfeld erklärt.

    Und wo die hinführen, lässt sich bei der live kommentierbaren, aber sehr offenkundig nicht live aufgenommenen Kickoff-Show gut nachvollziehen. „Fall Guys“ wird hundertfach im Chat gefordert, ebenso „Lego Star Wars“, „Shadowlands“ oder „Sims“. Einige Ankündigungen, etwa eine Fortsetzung des Rollenspielklassikers „Dragon Age“ avancieren im Nachgang zum Gesprächsthema. Viele Titel des Abends schaffen es, ebenso wie die offiziellen Hashtags #gamescom2020 und #openingnightlive bis an die Spitze der weltweiten Twitter-Trends.

    Konzeptionell wird jedoch schnell klar, dass derlei Showformate – auch, wenn sie vor anwesendem Studiopublikum ähnlich ablaufen – ohne hörbares Zuschauerfeedback an Schlagkraft verlieren. Hat Hersteller EA vor wenigen Jahren beim eigenen Opening Event das Publikum mit der Premiere eines realen BMW-Sportcoupés als Teil des Rennspiels „Need for Speed“ mit eben genau jenem Boliden in der Halle garniert, muss Gamescom-Partner Ford in diesem Jahr per Video-Einspieler den P1 vorstellen. Bei dem futuristischen Sportwagen handelt es sich um ein mit Gamern für Gamer hergestelltes Auto, wie es im Video heißt und der soll den Weg aus einem Rennspiel auf die Straße schaffen. Projektname: „Fordzilla“. Die Werbeplatzierungen erfolgen mitunter so etwas plump.

    Trotz Spiele-Blockbustern wie den Virtual Reality kompatiblen Spielen „Star Wars: Squadron“ und „Medal of Honor“ fällt es dem zweistündigen Event schwer, die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums hochzuhalten. Nach 90 Minuten sinken die Zuschauerzahlen merklich, in den Kommentarspalten mehren sich zwischen den positiven Kommentaren die „langweilig“ Nachrichten.

    Die Gamer entscheiden, wofür sie sich begeistern

    Da hilft auch nicht der Auftritt des inzwischen 81-jährigen Schauspielers Christopher Lloyd als „Doc Brown“ aus „Zurück in die Zukunft“, der überdies eine falsche Fährte legt und statt für ein auf dem Film basierenden Spiels eine Chirurgie-Simulation bewirbt.

    Der jüngste Teil der Kriegsspielreihe „Call of Duty“, die mit der fotorealisitischen Animation Ronald Reagans aufwartet, wird vom Online-Publikum weitgehend ignoriert. Die Vorgängerteile hatten bisweilen für Verkaufserlöse von mehr als einer halben Milliarde Dollar innerhalb von nur drei Tagen gesorgt.

    Die greifbarste Lehre aus der Eröffnung: Die Gamer wählen selbst, für welche Games sie sich begeistern. Das so bejubelte Fall Guys etwa ist ein „Indie-Game“, also von keinem der großen Spielestudios entwickelt oder von einem großen Unternehmen vertrieben. Der Erfolg kam aus der Szene und er kam unerwartet. Am Donnerstagabend fokussiert sich dann auch immer wieder das Interesse bei Titeln, die durch Optik und Spielprinzip aus der Reihe der Hochglanztitel herausstechen. Wohl auch, weil sie mit innovativen Elementen das große Angebot bewährter Spiele-Franchises auflockern.

    Gleichzeitig gilt aber auch, dass so manche Spielestudios und Entwickler in diesem Jahr gar nicht auf der Gamescom vertreten sind, auch wenn die Messe mehr als 100 Partner präsentieren konnte, die für die digitale Präsenz zahlen. Und Microsoft lässt sich noch mit Werbung für seinen Game Pass und einigen Titeln für die neue Xbox sehen, allerdings mit keinen Termin für den Verkaufsstart.

    Konkurrent Sony hingegen glänzt durch Abwesenheit und wird – Stand jetzt – die Messe ebenfalls nicht nutzen, um einen konkreten Erscheinungstermin für seine Playstation 5 zu nennen. Stattdessen gibt eine Präsentation des PS5-Spiels „Ratchet & Clank“, bei der höhnisch im Chat kommentiert wird, es sähe aus wie der auf der Playstation 3.

    Den Unternehmen fehlt vielfach das Netzwerken vor Ort, der berufliche Austausch, das Anbahnen von Geschäften, was die Messe ausmacht. Hinter den Kulissen wird auch der durcheinandergewürfelte Zeitplan und Ausfall anderer Gaming-Events als Grund genannt. Die Gamescom wird also nicht nur aus Freude am Fan und an den Ticketeinnahmen wieder zur physischen Messe zurückkehren müssen, sondern auch, um die Aussteller wieder an Bord zu holen.

    Dem Youtube-Event geht zum Ende hin die Puste aus. Fakt ist aber auch, dass die Gamescom in den Vorjahren von den Formaten auf, neben und um die Messe herum überzeugt hat. So werden am Freitag in einem Messrundgang die Trends vorgestellt, die sich in diesem Jahr schwer auf konkrete Punkte festlegen lassen. Die im Vorjahr gehypten Trends Virtual Reality und Cloud-Gaming haben den Spielemarkt noch nicht maßgeblich beeindruckt. Die von Gamern seit Jahren sehnsüchtig erwartete nächste Generation Spielekonsolen bleibt ohne starke Präsenz oder Anspielmöglichkeit.

    Nach dem ersten Abend eine Tendenz abzuleiten, ob sie rein digital ein Erfolg ist oder sein kann, wäre allerdings Vermessen. Das erste Feedback spricht dafür. Sicher sagen lässt sich aber lediglich, dass nicht nur die Fans sich freuen, wenn auch auf dem Kölner Messegelände wieder etwas los sein wird.

    Mehr: Die Gamescom will zeigen, wie Messen auch nach Corona funktionieren

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