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Sprachassistenten Warum Amazon so viele neue Alexa-Produkte auf den Markt wirft

Amazon hat zahlreiche neue Geräte mit seiner Sprachassistentin vorgestellt . Denn den Onlinehändler treibt genau eine Frage um.
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Amazon: Alexa gibt es bald auch in der Mikrowelle Quelle: AP
Amazon-Manager Dave Limp präsentiert die Neuheiten

Amazons Sprachassistentin gibt es bald auch in der Mikrowelle.

(Foto: AP)

Düsseldorf Der Onlinehändler Amazon wirft viele neue Alexa-Produkte auf den Markt. Der Sprachassistent läuft jetzt auf einem Lautsprecher mit Bildschirm, als Brille, als kabelloser Kopfhörer, in der Mikrowelle und sogar als Fingerring. Amazon spricht selbst von einem Experiment mit Blick auf die neuen Accessoires.

Zumindest offiziell geht es bei dem Versuch darum, herauszufinden, wo und wie Kunden Sprachsteuerung eigentlich nutzen wollen. Ring und Brille sollen zunächst nur in geringer Stückzahl auf den Markt gebracht werden. „Wenn die Kunden sie lieben, erhöhen wir den Einsatz und bauen noch viel mehr“, heißt es in einem Blog-Eintrag des Unternehmens.

Sollten Bestellungen ausbleiben, könnte das allerdings auch am Aussehen liegen. Ein Schmuckstück ist der Ring definitiv nicht. Kunden müssen schon sehr überzeugt davon sein, dass sie Alexa überallhin mitnehmen wollen, um das klobige Stück Plastik an den Finger zu stecken.

Tatsächlich geht es für Amazon bei seinen Produktversuchen aber wohl um mehr als um einen Geschmackstest. Das Unternehmen hat den Markt für Sprachassistenten mehr oder weniger erfunden. Nun geht es darum, die Macht zu behalten und den Markt in weiten Teilen zu besetzen. Die Zukunftsvision des US-Konzern sieht so aus: Alles, was sich steuern lässt, lässt sich mit Sprache steuern. Am besten mit Alexa.

Dabei nutzen die Kunden Alexa bisher nur sehr begrenzt. Für die meisten ist die Sprachassistentin bisher bloß eine bequeme Lösung, Musik abzuspielen, die Wetteraussichten zu erfahren oder den Wecker zu stellen – Alexa ist eine bessere Fernbedienung für verschiedene Geräte, die sowieso schon da sind.

Amazon ist aber eine Einkaufsplattform. Das zeigt auch ein Blick auf die Preise für die Hardware: Sie ist vergleichsweise günstig. Mit dem bloßen Vertrieb der Geräte kann der Konzern kein Geld verdienen. Sie sind Mittel zum Zweck und der heißt: Menschen Dinge zu verkaufen. Die Geräte mit Sprachsteuerung sind so etwas wie die Eingangstür in den Supermarkt, das Kaufhaus und das Fachgeschäft in einem.

Verschärfter Wettbewerb

Mit dem Schritt zur Sprachsteuerung ist allerdings ein Gerangel zwischen Amazon und den anderen Tech-Riesen entstanden, die relativ friedlich nebeneinander existieren konnten – solange ihre Nutzer alle über den Computer oder das Smartphone und den Internetbrowser zu ihnen kamen. Neben Amazon versuchen auch Google, Apple und Facebook, ihre Mikrofone und Kameras in den Wohnungen aufzustellen. Obwohl es ihnen dabei um unterschiedliche Ziele geht.

Google geht es um die Hoheit über Suchergebnisse und das Geschäft mit der Werbung. Apple will seine Produkte und Dienste verkaufen. Facebook will die Macht über Kommunikation und Unterhaltung. Amazon will den Vertrieb beherrschen. Die alles entscheidende Frage ist nur: Warum funktioniert das Sprach-Shopping noch nicht richtig? Und wie kann Amazon das ändern?

Die zahlreichen neuen Produkte lassen vermuten, dass Amazon selbst keine Antwort darauf hat. Die bewährte Strategie des Unternehmens ist allerdings: ausprobieren. Es ist gut möglich, dass der Onlinehändler tatsächlich experimentiert und mal schaut, was funktioniert – und erst dann viel Geld in die Entwicklung der richtigen Produkte investiert.

Denn die neuen Lautsprecher des Unternehmens zeigen, dass der Konzern durchaus hochwertige Hardware liefern kann, die gut klingt und schön aussieht. Mit solchen Produkten soll es gelingen, den Markt nicht nur zu erschließen, sondern auch die Hoheit darüber zu halten.

Ob das bei Ringen, Brillen und Kopfhörern genauso funktioniert und gleichzeitig das Onlineshoppen befördert, bleibt fraglich. Denn zum Einkaufen gehört weiterhin für viele Menschen, die Bluse anzusehen oder den neuen Fahrradhelm zu begutachten. Das ist beim Sprachshopping über Geräte ohne Bildschirm aber nicht möglich.

Warum sollten Menschen per Ring Schuhe bestellen? Dieses Einkaufsszenario taugt möglicherweise auch nur für Produkte, die Nutzer immer wieder brauchen und bei denen sie keine Marken mehr vergleichen wollen.

Die Versuchsprodukte lassen aber auch weitere Spekulationen zu: Wohnzimmer und Küche reichen als Zugang zu den Menschen nicht. Und der US-Konzern will noch mehr Informationen über die Einkaufsgewohnheiten und spontane Kaufentscheidungen der Nutzer wissen, um sein Geschäftsmodell anzupassen – eben nicht nur auf dem Sofa, sondern auch in der Umkleidekabine im Kaufhaus oder beim Durchstöbern des Buchladens am Bahnhof.

Welche Daten erhoben und wie sie verwendet werden, bleibt in der Regel das Geheimnis der Tech-Konzerne. Bei der Vorstellung der neuen Produkte betont Amazon aber erneut, dass Kunden einzelne Aufzeichnungen löschen könnten. Diese Möglichkeit soll erweitert werden. Noch in diesem Jahr will Amazon eine Funktion für die Alexa-Geräte bereitstellen, mit der Aufzeichnungen nach drei oder 18 Monaten automatisch gelöscht werden.

Mehr: Amazon investiert in das Start-up aus Michigan. Die E-Kleinlaster sollen den CO2-Ausstoß des Konzerns verringern.

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