Start-up-Check: Sammelkarten 3.0: Start-up Sorare setzt trotz Krypto-Crash auf NFTs für Fußballfans
Berlin. Stickeralben zu Fußball-Bundesliga, WM oder EM kennt buchstäblich jedes Kind: sammeln, tauschen, einkleben. Für Verlage wie Panini ist das Geschäft mit dem Kaufglück in den Kartenpäckchen ein sehr einträgliches.
Das Start-up Sorare bringt die Klebebilder in die digitale Welt und bietet virtuelle Spielerkarten an. Es gibt Stars wie Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, 18 komplette Nationalteams anlässlich der Fußball-WM in Katar, dazu Basketballprofis der nordamerikanischen NBA. Sie werden als sogenannte Non-fungible Tokens (NFT) angeboten, fälschungssicher und Eigentümern eindeutig zuzuordnen.
Dabei setzt sich diese Nutzung der NFTs vom hochspekulativen Markt mit digitalen Kunstwerken ab, virtuelle Sammelkarten nutzt etwa seit Jahren die Fußball-Videospielreihe Fifa. Sorare wird daher von namhaften Investoren wie Softbank aus Japan und Accel unterstützt. Einer der zahlreichen Partner ist die deutsche Bundesliga. Inzwischen ist das französische Start-up mehr als vier Milliarden Dollar wert.
Wer steht dahinter?
Chef des 2018 gegründeten Start-ups ist der Franzose Nicolas Julia. Zu den Wagniskapitalgebern hinter Sorare zählen auch Unternehmer Christian Miele und der ehemalige deutsche Fußball-Nationalspieler André Schürrle.
„Wir glauben daran, dass Sorare das Potenzial hat, eine der führenden Unterhaltungsfirmen auf dem Planeten zu werden“, sagt Miele. Im September 2021 sammelte Sorare 680 Millionen Dollar ein und stemmte damit die bis dato größte Finanzierungsrunde einer Series B in Europa.
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Zusätzlich hat sich die NFT-Firma renommierte Botschafter an Bord geholt, die kräftig Marketing machen. Erst in dieser Woche kam der mehrfache Weltfußballer Messi dazu. Ex-Tennisspielerin Serena Williams und Kylian Mbappé sind schon länger dabei.
Warum hat das Relevanz?
„Sorare bringt zwei sehr beliebte Konzepte zusammen – das Spielen und das Sammeln. Die größte Innovation ist, dass bei uns die Teilnehmer erstmals ihre Karten wirklich besitzen und auch außerhalb der Plattform einsetzen können“, sagt Julia.
So könnten die Karten in dem Fantasy-Manager-Spielen verwendet werden und dort etwa Treffen mit Spielern und Zugang zu Spielen in der realen Welt gewonnen werden – es gibt eine „Usability“, einen Nutzwert.
Der CEO und Mitgründer von Sorare mit seinem Chief Technology Officer Adrien Montfort. Julia will über die digitalen Sammelkarten einen internationalen Unterhaltungsriesen aufbauen.
Foto: via REUTERS„Vor NFTs konnte man digital nichts besitzen. Jetzt ist das möglich“, sagt Julia, der nun extra zur WM in Katar ein neues Manager-Spiel auf den Markt bringt. Inzwischen kommt Sorare auf mehr als zwei Millionen Nutzer weltweit und hat Partnerschaften mit 300 Sportorganisationen, die der Firma Lizenzgebühren zahlen.
Was sagen Kritiker?
Der NFT-Markt hat sich jüngst ähnlich und teils wegen des Geschäfts mit Kryptowährungen deutlich abgekühlt – auch weil Anleger die riskanten Anlagen scheuen. Blockchain-Experte Daniel Diemers hält das für normal, weil der Markt jung ist und damit hochvolatil.
Er geht davon aus, dass der Besitz und Tausch von virtuellen Gegenständen trotzdem Zukunft hat. Schließlich lasse sich mit dem Verkauf der Karten bares Geld machen. Digitale Sammelkarten können auf Sorare 50 Cent kosten, in Ausnahmefällen aber auch sechsstellige Beträge erzielen. Rekordhalter ist bis dato die Unique-Karte von Fußballer Erling Haaland aus seiner letzten Saison bei Borussia Dortmund. Sie kostete im Februar 609.512 Euro.
Was sind die Pläne des Unternehmens?
Fußballfan Julia will die weltweit führende Sportunterhaltungsplattform aufbauen. Um dem Ziel einen Schritt näher zu kommen, startete Sorare auch in den USA und ging Partnerschaften mit der NBA und der US-Baseballliga MLB ein.
Zu den US-Konkurrenten gehört der Basketball-NFT-Spezialist NBA Top Shot. In einer Hinsicht ist Sorare schon deutlich weiter als andere Start-ups: „Wir sind profitabel und wachsen trotz der makroökonomischen Herausforderungen.“ Im vergangenen Jahr habe man 300 Millionen Euro umgesetzt. Nach der Finanzierungsrunde im vergangenen September ist Sorare erst mal gut ausgestattet. Frisches Geld sei aktuell nicht nötig, sagt Julia.