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Start-up für Process Mining Die Erfolgsstrategie von Celonis: Warum das deutsche Einhorn so gewaltig wächst

Ihre Software hilft Firmen, Probleme zu analysieren. Jetzt machen die Gründer ein neues Versprechen – den App-Store für die automatische Lösung.
14.10.2020 - 16:34 Uhr Kommentieren
Celonis hat eine Software entwickelt, die Schwachstellen in Unternehmen schnell aufdeckt, Prozesse optimiert und dadurch Kosten senkt. Quelle:  Deutscher Zukunftspreis
Bastian Nominacher, Alexander Rinke und Martin Klenk (v.l.)

Celonis hat eine Software entwickelt, die Schwachstellen in Unternehmen schnell aufdeckt, Prozesse optimiert und dadurch Kosten senkt.

(Foto:  Deutscher Zukunftspreis )

Düsseldorf Das Münchener Start-up Celonis will seinen Umsatz verdoppeln, die Mitarbeiterzahl um 50 Prozent erhöhen – und startet mitten in der Krise ein neues Geschäftsmodell. Trotz pandemiebedingter Sparzwänge bei den Kunden setzt sich die Software für Prozessanalysen weiter durch. Auf die Gründer vertrauen Weltkonzerne, wenn sie ihre Prozesse effizienter machen wollen – darunter Lufthansa, Deutsche Telekom und Siemens. Was steckt hinter dem Erfolg?

Alexander Rinke, Bastian Nominacher und Martin Klenk haben in neun Jahren nicht nur eine Tech-Firma aufgebaut, die mit 2,3 Milliarden Euro bewertet wird. Sie haben den Markt für „Process Mining“ mit erschaffen. Dabei klang die Idee selbst manchen Investoren zunächst zu dröge: Celonis will Unternehmen zeigen, wie ihre Prozesse wirklich laufen.

Jetzt zeigt sich, wie viel Geld sich damit verdienen lässt. US-Marktforscher Gartner schätzt das Marktvolumen schon auf 320 Millionen Dollar. Und Celonis zielt bereits auf ein neues Geschäftsfeld ab: Es setzt zur automatischen Prozessverbesserung an.

Bisher bietet Celonis eine Software zur Selbsthilfe an. Das zeigt das Beispiel von Kunde Avnet. Für den Distributor für elektronische Bauteile änderte Corona die Prioritäten – Hauptsache, die Komponenten für lebensrettende Maschinen kommen an. Um das sicherzustellen, nutzte auch der Konzern mit hundert Jahren Geschäftserfahrung die Dienste des Start-ups.

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    Mit der Software zur Geschäftsprozessanalyse ließen sich Lieferengpässe frühzeitig vorhersehen und etwa dadurch abwenden, dass Leistungen für Medizinkunden Vorrang vor denen für Spielzeughersteller gewährt wurde. „Avnet konnte in Echtzeit den Prozess über die ganze Lieferkette analysieren und so den Mitarbeitern Vorschläge machen, was sie als Nächstes tun müssen, damit sie die Medizingerätehersteller beliefern können“, sagt Alexander Rinke, Co-CEO von Celonis.

    Probleme vorhersagen

    Aber: „Die beste Software hilft einem Unternehmen nicht, wenn Mitarbeiter die digitalen Ergebnisse nicht interpretieren können und es in der Firma keine Bereitschaft gibt, dementsprechend zu handeln“, sagt Stefan Maurer, bei Avnet Vice President für „Enterprise Effectiveness“ in Bezug auf Europa, den Nahen Osten und Afrika.

    Doch wenn feststeht, warum etwas nicht nach Plan läuft und wo Probleme ursprünglich entstehen, wird neues Potenzial freisetzt. „In verschiedenen Bereichen konnten wir mithilfe von Celonis unsere Durchlaufzeit von Geschäftsprozessen zwischen fünf und zwanzig Prozent reduzieren“, sagt Maurer, der mit Avnet bereits seit etwa zwei Jahren Kunde ist.

    Alle Celonis-Lösungen drehen sich um IT-Systeme, von denen es laut Rinke bei Unternehmen Hunderte gibt. Betriebliche Prozesse müssten sich den Weg zwischen Auftragseingang, Lagerverwaltung und Buchhaltung bahnen. Viele Störungen im Prozess entstehen bei Übertragungsfehlern. „Das kann man sich wie einen Potenzial- und Kapazitätskiller vorstellen“, sagt Rinke, „als hätte man eine Handy-App, die die ganze Zeit die Batterie leer saugt.“

    Als Dienstleister für Kunden aller Branchen lernt Celonis auch, welche Probleme überall auftreten – und wie sie sich automatisch verbessern lassen. Die große Erkenntnis: Nach dem Vorbild von Unternehmen wie UiPath lassen sich dafür Software-Roboter bauen. Die intelligente Celonis-Software kann herausfinden, welche fehleranfälligen Prozessschritte sich im konkreten Fall des Unternehmens automatisieren lassen.

    Auf diesen Erkenntnissen setzen die Gründer jetzt ein neues Geschäftsmodell auf: „Wir wollen Unternehmen nicht nur beim Erkennen von Lösungen helfen, sondern auch bei der Ausführung“, sagt Alexander Rinke. Seit Mittwochnachmittag steht allen Celonis-Kunden mit „Celonis Studio“ eine Art App Store für Manager zur Verfügung.

    Probleme beheben

    „Wir haben etwas mehr als 100 dieser Apps schon gebaut“, sagt Alexander Rinke. Zudem hat sich Celonis jetzt mit einer Akquisition auf dem Geschäftsfeld verstärkt: Am Mittwoch gab die Firma die Übernahme des tschechischen Unternehmens Integromat bekannt, das Celonis mit 50 Mitarbeitern verstärkt. Für die Akquisition zahlt Celonis einen dreistelligen Millionen-Dollar-Betrag. Integromat kann auch von Privatnutzern einfach verwendet werden, um Arbeitsschritte zwischen Diensten wie Google Mail, Dropbox, Twitter und Slack zu automatisieren.

    Zudem soll das „Celonis Studio“ mithilfe der Partner wachsen. So hat die Unternehmensberatung Protiviti bereits eine App zur Umsatzsteuerprüfung entwickelt, mit der Firmen hundert verschiedene Tests durchführen können und zum Beispiel automatisch Vier-Augen-Prinzip-Regeln im Prozess implementieren können.

    Auch aus Sicht von Investor Julian Mattes vom Start-up-Investor Digital+ Partners ist das eine Erfolg versprechende Strategie: „Celonis ist groß geworden, weil es Drittparteien gibt, die dabei mitprofitieren“, sagt er.

    Vor allem von der Nähe zu SAP habe Celonis profitiert, mit denen das Start-up integriert. Systemintegratoren wie Accenture könnten mit Beratungsleistungen rund um Änderungen bei SAP sehr viel Geld verdienen, sie trieben die Verbreitung und Vermarktung von Celonis voran. An den Apps der Partner will Celonis wie bei anderen Plattformen über eine Beteiligung an den Gebühren verdienen.

    Auch andere Unternehmen wollen auf dem riesigen Markt für Process Mining Fuß fassen, dazu gehören das Kölner Lana Labs, das Darmstädter Pafnow und das rumänische Minit. Doch keines wächst so schnell wie Celonis, viele Neukunden folgen auch den großen Namen, die Celonis als Aushängeschilder nutzen kann.

    Im vergangenen Geschäftsjahr, das im Mai geendet ist, hatte Celonis mehr als 100 Millionen Dollar erwirtschaftet. Co-Ceo Bastian Nominacher erklärte im September, die Gründer hätten sich von Anfang an zum Ziel gesetzt, den Umsatz in jedem Jahr zu verdoppeln.

    Celonis war sehr schnell profitabel. Auch andere Kennzahlen sprechen für Wachstum. Bis Mai will Celonis, ein 1000-Mitarbeiter-Unternehmen, weitere 500 Mitarbeiter einstellen. Als Nächstes sollen neue Standorte in Kopenhagen und Stockholm eröffnet werden. Die in München gegründete Firma hat bereits Standorte in den USA, in Kanada, Japan und mehreren europäischen Ländern.

    Mehr: Celonis Mitgründer Bastian Nominacher im Podcast: Wird seine Firma das neue SAP?

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