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Start-up-Konzern Oliver Samwer will Rocket Internet von der Börse nehmen

Der Internet-Investor will nach sechs Jahren das Börsenexperiment beenden. Dazu macht er den Aktionären ein Angebot, das recht niedrig ausfällt.
01.09.2020 Update: 01.09.2020 - 09:13 Uhr 1 Kommentar
Rocket Internet Aktie: Oliver Samwer kündigt Börsenrückzug an Quelle: Reuters
Oliver Samwer

Schon in den vergangenen Jahren war der Vorstandschef von Rocket Internet in der Öffentlichkeit kaum noch präsent.

(Foto: Reuters)

Hamburg Oliver Samwer will Rocket Internet von der Börse nehmen. Das teilte die Berliner Start-up-Schmiede am Dienstagmorgen offiziell mit. Dazu macht das Unternehmen allen Aktionären ein Rückkaufangebot. Samwer und seine Holding werden ihre Aktien behalten. Zur Begründung heißt es, Rocket Internet habe auch ohne Börsennotierung ausreichend Zugang zum Kapitalmarkt.

Spekulationen, Samwer wolle den Börsengang aus dem Jahr 2014 rückgängig machen, kursieren in Berlin schon lange. Samwer hatte sie bislang nie bestätigt und stets gesagt, dazu gebe es nichts mitzuteilen. Nun ist es anders: Der zweiköpfige Vorstand hat den Schritt mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen. Konzernchef Samwer vollzieht damit den Schritt von der Börse offiziell.

Formal muss noch eine außerordentliche Hauptversammlung am 24. September zustimmen, die virtuell abgehalten wird. Samwer hält allerdings direkt 4,53 Prozent der Aktien sowie weitere 45,11 Prozent über seine Holding Global Founders. Er hat also die Mehrheit sicher. Geld für die Operation ist auch vorhanden: Allein 2,1 Milliarden Euro Barreserven standen Ende März in der Bilanz, dazu 400 Millionen Euro Wertpapiere.

„Außerhalb der Börse wird es der Gesellschaft möglich, sich unabhängig von temporären Umständen, auf denen der Fokus des Kapitalmarkts liegt, besser auf eine langfristige Entwicklung zu konzentrieren“, heißt es in der Mitteilung vom Dienstag.

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    Geschäftsmodell von Rocket Internet ist es, Start-ups aufzubauen und später gewinnbringend weiterzuverkaufen oder an die Börse zu bringen. Bekannte Gründungen, an denen der Konzern beteiligt war, sind etwa Hello Fresh und Home24.

    Der heute 48-jährige Vorstandschef Oliver Samwer galt als Wunderkind des deutschen Internets, seitdem er mit seinen beiden Brüdern im Jahr 1999 ihr Online-Auktionshaus Alando nach nur 100 Tagen für 50 Millionen Dollar an Ebay verkaufte. Weitere Erfolge waren der Klingelton-Anbieter Jamba und der Online-Kleidungsverkäufer Zalando. 2014 folgte der Börsengang von Rocket Internet mit der großen Hoffnung, der Konzern werde Berlin zur Internetmetropole machen.

    Oliver Samwer kurz vor dem Börsenstart des Unternehmens im Oktober 2014. Quelle: Reuters
    Rocket Internet

    Oliver Samwer kurz vor dem Börsenstart des Unternehmens im Oktober 2014.

    (Foto: Reuters)

    Doch schon in den vergangenen Jahren war Samwer in der Öffentlichkeit kaum noch präsent, obwohl die Start-up-Szene in Berlin stetig wuchs. Offenbar wollte er nur wenig Einblick in die Pläne für Neugründungen geben, wohl auch, um Konkurrenten nicht auf den Plan zu locken.

    Schließlich ist der Wettbewerb unter den Risikokapitalgebern deutlich gestiegen. Die Transparenzpflichten eines börsennotierten Unternehmens waren in der Welt der Start-up-Investoren unüblich – der Börsengang von Rocket Internet somit ein Experiment, dessen Ende nun naht.

    Aktie von Rocket Internet steigt

    Die Aktionäre sollen ein Rückkaufangebot von 18,57 Euro je Aktie erhalten. Das entspreche dem Schnitt der vergangenen sechs Monate – vorbehaltlich einer Korrektur durch die Finanzaufsicht Bafin, teilte Rocket Internet mit. Am Vortag notierte das Papier allerdings bereits bei 19,01 Euro – und stieg nach der Meldung.

    Samwer hat in den vergangenen Jahren das 2014 an der Börse eingesammelte Geld kaum eingesetzt. Es gebe mehr Geld als Ideen, hatte er zuletzt bei einer Hauptversammlung gesagt und damit Kursfantasien gedämpft. Offenbar hat er die Reserven auch trocken gehalten, um den Abschied von der Börse anzugehen.

    Die hatte den Kurs des im MDax notierten Unternehmens zuletzt kaum honoriert. Die Marktkapitalisierung von aktuell gut 2,6 Milliarden Euro spiegelt den Zeitwert der Start-ups im Portfolio, den Samwer zuletzt auf 1,1 Milliarden Euro schätzte, nicht wider – schließlich kommt die hohe Geldreserve noch dazu.

    Aktionäre können bereits vor der außerordentlichen Hauptversammlung ihre Aktien andienen, da der Konzern bereits eine alte Ermächtigung hat, 8,84 Prozent der Aktien zurückzukaufen. Solche Aktienrückkaufprogramme hat Samwer in den vergangenen Jahren mehrfach genutzt und damit seine eigene Position als Hauptaktionär gestärkt.

    Mehr: Oliver Samwer warnt vor Insolvenzen im Start-up-Portfolio.

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    1 Kommentar zu "Start-up-Konzern : Oliver Samwer will Rocket Internet von der Börse nehmen"

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    • Aktienkultur

      Vor rd. 30 Jahren werden Grass VZ und IGM VZ wie üblich mit viel Trara an der Wiener Börse platziert. Nach ein bis zwei Jahren mit Kursgewinnen fallen diese Werte mehr als 10 Jahre, werden von der Börse genommen mit einem Abfindungsangebot für die Aktionäre bei etwa 10% des ursprünglichen Emissionspreises. Danach erfolgt der Squeeze out und das Delisting.
      Die Unternehmen leben heute noch gesund und munter. Die Aktionäre, deren ich einer war haben ihr Geld verloren bzw. an trickreiche „Finanzprofis“ abgetreten und ich habe dafür als Österreicher die österreichische Börse für immer verlassen.

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