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Start-up Millioneninvestment für Cookie-Spezialisten Usercentrics

Die DSGVO ist für viele Unternehmen eine Herausforderung. Für Mischa Rürup ist sie vor allem ein Geschäft. Mit seinem Start-up sammelt er Millionen ein.
16.12.2020 - 18:06 Uhr Kommentieren
Die Usercentrics-Gründer wollen Unternehmen helfen, ihre Internetseiten datenschutzkonform zu gestalten. Nun gelang dem Start-up die bislang größte Finanzierungsrunde. Quelle: Usercentrics
Mischa Rürup (l.) und Jürgen Weichert

Die Usercentrics-Gründer wollen Unternehmen helfen, ihre Internetseiten datenschutzkonform zu gestalten. Nun gelang dem Start-up die bislang größte Finanzierungsrunde.

München Für Betreiber von Internetseiten sind die neuen Datenschutzregeln in Europa eine immense Herausforderung. Die französischen Aufseher zum Beispiel verhängten gerade erst Millionenbußen gegen Google und Amazon, weil sie ohne vorherige Zustimmung und ohne ausreichende Information Cookies auf Computern der Nutzer abgelegt haben sollen.

„Es ist eine Gratwanderung zwischen dem Datenschutz und den neuen digitalen Geschäftsmodellen“, sagt Usercentrics-Gründer Mischa Rürup. Für sein Start-up bedeuten die Datenschutz-Grundverordnung der EU (DSGVO) und die Gerichtsurteile der vergangenen Jahre vor allem ein gutes Geschäft.

Das Unternehmen macht Websites und Apps datenschutzkonform und hilft den Betreibern, die Einwilligung der Nutzer zum Tracking einzuholen. Nun gelang dem Start-up seine bislang größte Finanzierungsrunde. Bei der Series-B-Runde sammelte Usercentrics 17 Millionen Euro ein. Leadinvestor ist der Venture-Capital-Fonds „Full In Partners“. Zudem beteiligten sich wieder die Bestandsinvestoren Alstin Capital von Carsten Maschmeyer, Reimann Investors und Cavalry Ventures.

Die DSGVO hat alle Webseitenbetreiber zum Handeln gezwungen. Sie müssen sich – auch aufgrund mehrerer Gerichtsurteile – von Besuchern die Zustimmung zum Tracking geben lassen. Die Herausforderung dabei: Die Betreiber wollen möglichst viele Daten sammeln – die interessierten Besucher aber auch nicht vergraulen. Hohe „Opt-in-Raten“ sind gefragt.

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    Doch es dürfe auch nicht darum gehen, den Seitenbesuchern einfach nur möglichst viele Einwilligungen abzuringen, warnt Rürup. „Wenn man Datenhändlern die Türen öffnet, kann die Marke auch Schaden nehmen.“ Viele Nutzer gäben aber gern die Einwilligung zum Tracking – wenn sie für sich einen echten Mehrwert sehen. „Dann können die Unternehmen auch viel gezielter mit den Daten arbeiten.“

    Intelligente Werbung mit Profildaten

    Der Informatiker Mischa Rürup (39) hat das Unternehmen vor zwei Jahren gemeinsam mit Lisa Gradow und Vinzent Ellissen gegründet. Zuvor hatte er mit IntelliAd eine Firma gegründet, die Internetnutzer profiliert verfolgt, um maßgeschneiderte Werbung anzubieten. Diese verkaufte er 2012 an die Deutsche Post.

    Mit Usercentrics stieg er in den neuen Markt ein, der sich gerade erst sortiert. Zu den Konkurrenten gehört zum Beispiel das Unternehmen Faktor.io, das im vergangenen Jahr an Liferamp verkauft wurde.

    Die große Chance für die Anbieter ist die Tatsache, dass viele Länder in der Welt inzwischen dem Vorbild der EU folgen. „Wir wollen im Einwilligungsmanagement Weltmarktführer werden“, sagt Rürup. Die Finanzierungsrunde komme da genau zum richtigen Zeitpunkt.

    Mit der Softwarelösung von Usercentrics können Unternehmen und Webseitenbetreiber die Einwilligungen ihrer Besucher technisch einholen, verwalten und für den Fall einer Prüfung dokumentieren. Aktuell verarbeitet Usercentrics laut Rürup über eine Milliarde Einwilligungen pro Tag.

    Das Thema Cookies ist heikel. Eine repräsentative Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ergab, dass die Mehrheit der betroffenen Unternehmen die Reform als hinderlich erachtet. Nutzer wiederum klagen über lästige Hinweisfelder. Usercentrics will die Interessen von Seitenbetreibern und Nutzern zusammenbringen.

    Der Umsatz von Usercentrics hat sich in den vergangenen zwölf Monaten laut Branchenschätzungen auf einen zweistelligen Millionenbetrag fast verfünffacht. Dazu trug auch der neue Chief Revenue Officer Jürgen Weichert bei, der im vergangenen Jahr von Google kam und neue Kunden wie Porsche und Zalando gewann.

    Investment in den USA geplant

    Mit dem Erlös aus der neuen Finanzierungsrunde will Usercentrics unter anderem in den USA investieren. Das Unternehmen bietet bereits eine Lösung für das kalifornische Datenschutzgesetz CCPA an. „Mit der DSGVO haben wir in Europa einen Exportschlager geschaffen, der nun weltweit Nachahmer findet“, sagte Alstin-Capital-Partner Lukas Bennemann. Dies biete Usercentrics große Chancen.

    Das Start-up profitiert laut Rürup von dem bekannten Investor. „Maschmeyer hilft uns vor allem im Vertrieb.“ Es kämen regelmäßig Berater, die die Mitarbeiter zum Beispiel in der Gesprächsführung schulen.

    Bei Investoren war das Geschäftsmodell früh auf Interesse gestoßen. Vor einem Jahr sammelte Usercentrics bereits einen mittleren einstelligen Millionenbetrag ein, etwa ebenso viel war es zuvor in der ersten Runde gewesen. „Dank seiner strategischen Herangehensweise glauben wir, dass Usercentrics einer der wenigen europäischen Player sein kann, die den wichtigen US-Markt für sich gewinnen werden“, sagte Ulrich Bergmoser von Reimann Investors.

    In den vergangenen Monaten ist die Firma auf 100 Mitarbeiter rasant gewachsen. Seinen Start-up-Charakter will sich Usercentrics trotz der hohen Wachstumsraten und einer Professionalisierung der Strukturen bewahren. „Dabei ist uns die Unternehmenskultur sehr wichtig. Wir haben sogar eine Chief Happiness Officer eingestellt, die Glücksmanagement studiert hat.“ Diese koche zum Beispiel regelmäßig für die Mannschaft.

    Mehr: Wie die EU die Internetriesen besser unter Kontrolle bringen will

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