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Start-ups Die zweite Corona-Welle bedroht Israels Tech-Industrie

Das Land hat weiterhin große Probleme, die Neuinfektionen in den Griff zu bekommen. Für die Start-ups wird die Lage existenzbedrohend.
27.07.2020 - 12:22 Uhr Kommentieren
Die bisher erfolgsverwöhnte Start-up-Szene des Landes leidet unter der Corona-Pandemie. Quelle: AP
Passant in Tel Aviv

Die bisher erfolgsverwöhnte Start-up-Szene des Landes leidet unter der Corona-Pandemie.

(Foto: AP)

Tel Aviv Die erfolgsverwöhnte Hightech-Branche Israels wird von der Coronakrise durchgerüttelt. Die Zahl der Arbeitslosen sei in der Branche „signifikant“ gestiegen, schreibt die Israel Innovation Authority (IIA) in einem kürzlich publizierten Bericht. Die Hälfte der Firmen stellt keine Leute mehr ein und hat die Löhne der Angestellten gekürzt.

Bis vor Kurzem war die Grundstimmung in der Branche noch euphorisch. Doch nun folgt die Ernüchterung. Die Studie über Israels Hightech-Firmen zeige „sehr problematische Trends“, sagt IIA-Vorstandsmitglied Hagay Levin dem Handelsblatt. Die Ergebnisse sollten ein „Warnsignal für die Politik“ sein. Die Lage sei schlechter, als man zu Beginn der Coronakrise angenommen habe. Optimistisch sieht er einzig die Zukunft der Biowissenschaften. Start-ups in den Bereichen Diagnostik und Biotech könnten Zugpferde des Tech-Sektors werden.

Israel hatte die erste Corona-Welle mit einem aggressiven Lockdown bekämpft, was zu hohen wirtschaftlichen Verlusten geführt, aber die Zahl der Fälle massiv reduziert hatte. Die Zahl der Neuinfektionen stieg zuletzt allerdings auf immer neue Rekordwerte. Diese zweite Welle führen Beobachter auf das Versagen der Regierung zurück, das Infektionsgeschehen zu kontrollieren.

Dabei setzen schon die Folgen des ersten Lockdowns Israels Wirtschaft zu, die Arbeitslosigkeit liegt bei mehr als 20 Prozent. Regierungschef Benjamin Netanjahu steht für sein Krisenmanagement zunehmend in der Kritik, es kommt fast täglich zu Demonstrationen.

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    Der Hightech-Sektor sei zwar „sehr flexibel und dynamisch“ und passe sich neuen technologischen Trends an, meint ILA-Experte Levin. Bereits in sechs bis zwölf Monaten könnte die Branche auf ihren alten Wachstumspfad zurückkehren, falls sich die Lage an der Corona-Front beruhige.

    Sollte die Krise aber über eine längere Zeit andauern und von einem Rückgang der Aktienkurse begleitet sein, werde es wahrscheinlich zu einem „signifikanten Rückgang“ der Auslandsinvestitionen in dem Sektor kommen. Das werde sich „substanziell und langfristig negativ“ auswirken, sagte Levin.

    Besonders verwundbar seien kleinere Start-ups, weil sie zu einem großen Teil auf ausländische Investitionen angewiesen seien. Sie würden eine längere Krise „wahrscheinlich nicht überstehen“. Im vergangenen Jahr stammten 85 Prozent der Wagniskapitalfinanzierungen aus dem Ausland.

    Reiserestriktionen als Problem

    „Die Auswirkungen der Krise sind an jeder Ecke spürbar“, bestätigt auch Andrea Frahm, die für die Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren im Herzen der Hightech-Szene Tel Avivs arbeitet. Viele Coworking-Spaces stünden leer, da Start-ups pleitegegangen sind oder sich die Miete nicht mehr leisten können.

    „Aufgrund des Einreiseverbots können wir keine deutschen Delegationen empfangen oder bilaterale Workshops ausrichten“, sagt Frahm. Es sei für sie unbegreiflich, dass die selbsternannte Start-up-Nation nach wie vor kein zukunftsfähiges Konzept habe, wie der persönliche Kontakt zu ausländischen Partnern trotz der Krise aufrechterhalten werden kann.

    Die Reiserestriktionen bereiten der Branche Kopfzerbrechen. Trotz ihrer Spezialisierung auf modernste Technologie sei sie in ihrem Verhalten sehr traditionell, sagt Eugene Kandel, der früher Premier Netanjahu beraten hat: „Ohne persönliche Kontakte kommen weniger Investitionen zustande.“

    Israels Start-up-Szene sei zwar bestens für den technologischen Umbruch gewappnet, meint Kandel. Durch die Coronakrise kämen vermehrt Firmen aus den Branchen Fintech, Edutech und Healthtech zum Zug. Für die Verkürzung von Lieferketten, die jetzt in der Pharma- oder Nahrungsmittelindustrie angesagt ist, seien in der Produktion und in der Logistik riesige Digitalisierungsprozesse notwendig. „Israels Tech-Sektor ist auf diesen Gebieten stark und kann viel Mehrwert schaffen“, sagt Kandel.

    Aber trotz der Erholung an den Kapitalmärkten habe sich der Zustand des Tech-Sektors verschlechtert, heißt es im Bericht der IIA. Die meisten Start-ups verzeichnen „signifikante“ Rückgänge ihrer Umsätze. Falls sie keine neuen Investitionen mobilisieren könnten, müsse die Hälfte der Firmen in den nächsten sechs Monaten den Betrieb einstellen. Künftige Innovationen sind bedroht: In zwei Dritteln der Start-ups wurden Forschung und Entwicklung verlangsamt oder ganz eingestellt.

    Die IIA-Studie berücksichtigt zwar bloß Hightech-Firmen mit bis zu 50 Arbeitnehmern. Dass die Krise aber auch an den Großen der Branche nicht spurlos vorbeigeht, zeigt das Beispiel von Amdocs. Der Softwaregigant, eine der größten Tech-Gruppen Israels, will 1000 Mitarbeiter oder vier Prozent der Belegschaft entlassen.

    Mehr: Ansteigende Neuinfektionen: Die zweite Corona-Welle kommt.

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