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Start-ups „Größtes Bildungsunternehmen der Welt": GoStudent aus Wien erreicht Milliardenbewertung

Die österreichische Nachhilfeplattform GoStudent will Weltmarktführer werden - und wirbt hunderte Millionen Euro bei Investoren ein. Doch auch andere Lern-Apps erleben einen Boom.
22.06.2021 - 08:00 Uhr Kommentieren
„Wir wollen das größte Bildungsunternehmen der Welt aufbauen.“ Quelle: Felix Hohagen/GoStudent
Felix Ohswald

„Wir wollen das größte Bildungsunternehmen der Welt aufbauen.“

(Foto: Felix Hohagen/GoStudent)

Hamburg Der 26-jährige Gründer Felix Ohswald hat für seine Nachhilfeplattform GoStudent 205 Millionen Euro von bekannten Investoren wie Softbank aus Japan und Tencent aus China eingesammelt. Österreichs wertvollstes Start-up erreicht dadurch eine Bewertung von 1,3 Milliarden Euro und gilt im Szenejargon nun als Einhorn.

Der Anspruch von Ohswald ist hoch: „Wir wollen das größte Bildungsunternehmen der Welt aufbauen“, sagte er dem Handelsblatt. Dafür will er mit dem eingesammelten Geld fast weltweit expandieren. Das Prinzip ist einfach: GoStudent verbindet Schüler im Live-Videogespräch mit ausgewählten Nachhilfelehrern – ein Prinzip, das sich in der Pandemiezeit auch in den Schulen bewährt hat.

Die Finanzierungsrunde ist ein Beleg dafür, dass digitale Bildungsangebote (EdTech) für Investoren attraktiv sind. Der deutsche Risikokapitalgeber HV Capital investierte zwei Millionen Euro in die Video-Lern-App Simpleclub, und deren Konkurrent Sofatutor wurde kürzlich von Investmentgesellschaften übernommen. Project A und der Fußballprofi Mario Götze steckten zwei Millionen Euro in die App Knowunity von Gründern im Abiturienten-Alter.

„Die Pandemie hat die Digitalisierung der Bildung beschleunigt und zu einer enormen Dynamik im Edtech-Sektor geführt“, bestätigt Per Roman, Mitgründer der Digitalberatung GP Bullhound. Er hat sich gerade an einer 40-Millionen-Dollar-Finanzierungsrunde für die Lern-App Lingokids beteiligt, die sich an Kinder im Alter von zwei bis acht Jahren richtet. Zu den Geldgebern des Madrider Start-ups gehört auch der deutsche Spieleverlag Ravensburger.

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    Auch im Bereich Weiterbildung für Unternehmen steigen die Finanzierungssummen: Der Tencent-Investor Prosus hat soeben für 212 Millionen Euro einen Mehrheitsanteil an der Plattform GoodHabitz übernommen. Sie bietet Kurse an, die von Excel bis zu Achtsamkeit reichen. Auch der deutsche Konkurrent Masterplan.com wächst.

    Vorbilder in China und Indien

    „Das Schwierigste im Bildungsbereich ist es, ein nachhaltiges, skalierbares Geschäftsmodell aufzubauen“, sagte Ohswald. Trotz der jüngsten Finanzierungsrunden sieht er daher noch immer eine gewisse Skepsis bei Investoren gegenüber dem Bereich. „Wenn wir es in Europa und Südamerika schaffen, schaffen wir es in der ganzen Welt“, zeigte er sich optimistisch.

    Ausnahmen seien China und Indien, wo starke lokale Spieler die Märkte bereits abdeckten. So kommen die börsennotierten chinesischen Bildungskonzerne New Oriental und TAL Education auf 3,6 Milliarden Dollar beziehungsweise 1,4 Milliarden Dollar Umsatz. Sie sind schon seit etlichen Jahren am Markt und haben so einigen Vorsprung. Allerdings könne GoStudent von diesen Beispielen lernen, sagte Ohswald. Daher betätige er sich in Indien als Angel-Investor.

    Der Start in Mexiko, Kolumbien und Chile sowie Polen stehe kurz bevor. Anschließend soll das Angebot in Nordamerika an den Start gehen. Bislang ist GoStudent in 15 Ländern aktiv, Deutschland ist mit Abstand das umsatzstärkste.

    Das zeigt: GoStudent ist rasant vom Studentenprojekt zum internationalen Unternehmen gewachsen. Angefangen hatte das Gründerteam um Ohswald mit einem Nachhilfe-Chat. Die Schulschließungen während der Pandemie hatten aus seiner Sicht widersprüchliche Effekte: Einerseits zeige die Marktforschung, dass seitdem kaum noch Eltern an der Effizienz von Videounterricht zweifelten. Andererseits sei in der Zeit der Leistungsdruck gesunken – und damit die Bereitschaft, Nachhilfe in Anspruch zu nehmen. „Es ist ein Irrglaube, durch Corona wäre die Nachfrage nach Nachhilfe gestiegen“, sagte Ohswald. So sei die Suche nach dem Begriff „Nachhilfe“ bei Google in der Zeit um die Hälfte eingebrochen.

    Das Wachstum ist laut Firmenangaben dennoch rasant: Anfang 2020 hatte das Start-up noch 40 Mitarbeiter. Inzwischen sind es fast 600, zum Teil in Entwickler-Hubs in Moskau und Sofia. Bis zum Jahresende sollen bereits 1000 Menschen für das fünfeinhalb Jahre alte Unternehmen arbeiten – ohne die freiberuflichen Lehrer mitzuzählen. Das Gros der Mitarbeiter überzeugt Eltern vom Konzept und vermittelt die passenden Lehrer.

    Signalwirkung für Österreich

    Auch der Umsatz ist rasant gestiegen – um 700 Prozent innerhalb von zwölf Monaten auf acht Millionen Euro Monatsumsatz im Mai. Dabei half eine erste größere Wachstumsrunde über 70 Millionen Euro vor einem halben Jahr. „Dieses Momentum haben wir genutzt, um weitere Investoren zu finden“, sagte Ohswald.

    Wesentliches Argument gegenüber Eltern ist der Preis: GoStudent will im Schnitt 23 Euro günstiger sein als klassische Anbieter wie Schülerhilfe und Studienkreis. Das soll auch den Graumarkt aufbrechen – dank Qualitätskontrolle.

    Zugleich macht GoStudent auch bei Schülern Imagewerbung – sie sollen das Angebot cool finden und dank des Videounterrichts mehr Freizeit haben. Dabei will Ohswald neben Social-Media-Marketing künftig auch Fernsehwerbung einsetzen. Sein Ziel: Die Kinder sollen schon ab dem Grundschulalter mit GoStudent lernen und dann dabeibleiben.

    Denkbar seien dafür nun auch Zukäufe von Inhalteanbietern, um den individuellen Unterricht durch Medien anzureichern – etwa kurze Videoclips. Ziel des Wachstumskurses ist die Börse. In einigen Jahren sei der Schritt aufs Parkett denkbar, sagte Ohswald. Er erhofft sich davon eine Signalwirkung: „Unser Einhornstatus zeigt auch die Kraft des österreichischen Ökosystems.“

    Mehr: Schüler-App Knowunity bekommt zwei Millionen Euro

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