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Streamingdienst Netflix verpasst Neukunden-Ziel und die Wall Street ist trotzdem begeistert

Netflix gelingt es im dritten Quartal, seine Abozahlen kräftig zu steigern. Doch der Erfolgskurs ist eine Momentaufnahme: Die neue Konkurrenz steht in den Startlöchern.
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Netflix-Aktie mit fast 6,8 Millionen neuen Nutzern auf Höhenflug

San Francisco Es war wohl der mit der größten Spannung erwartete Quartalsbericht in seiner Unternehmensgeschichte, den der Videostreaming-Pionier Netflix am Mittwoch vorgelegt hat. Aktionäre und Analysten blickten vor allem auf drei Punkte: Abonnentenwachstum, Nettogewinn und Free-Cash-Flow.

Obwohl die Zahlen zum dritten Quartal 2019 in einem wichtigen Bereich schlecht ausfielen, zeigte sich die Wall Street zufrieden. Die Aktie schoss nachbörslich teilweise um mehr als zehn Prozent in die Höhe auf über 310 Dollar – blieb aber dennoch deutlich unter dem Jahreshoch von über 380 Dollar.

Der Umsatz kletterte um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 5,25 Milliarden Dollar – wie erwartet. Der Nettogewinn erreichte mit 665 Millionen Dollar den höchsten Wert der jüngsten vier Quartale. Der Gewinn pro Aktie übertraf mit 1,47 Dollar die Erwartungen von 1,04 Dollar deutlich. Die operative Marge war mit 18,7 Prozent ebenfalls höher als im Vorjahresquartal mit zwölf Prozent.

Netflix verfehlte aber die selbstgesetzte Zielmarke von sieben Millionen Neuabonnenten. Mit 6,8 Millionen neuen Kunden konnte die Video-Plattform dennoch kräftig hinzugewinnen – im Vorjahresquartal betrug der Zuwachs 6,1 Millionen Neukunden. Im zweiten Quartal 2019 hatte das Unternehmen erstmals einen Nettorückgang bei seinen US-Kunden vermeldet – der Zuwachs summierte sich auf 2,7 Millionen Kunden statt der erhofften fünf Millionen.

Neue Konkurrenz startet

Es war das letzte Mal, dass Netflix seine Quartalszahlen veröffentlichte, bevor seine großen Konkurrenten Apple und Walt Disney den Streamingdienst-Markt betreten. Beide werden im November starten und in den USA im Monat zusammengenommen weniger kosten als das Netflix-Standardpaket. Wie gut ist Netflix also für den bevorstehenden Kampf der Streamingdienste gerüstet?

Trotz der zunehmenden Konkurrenz prognostiziert Netflix für das vierte Quartal, das Ende Dezember abgerechnet wird, vielversprechende Zahlen. Der Umsatz soll weiter um 197 Millionen Dollar oder 30 Prozent auf 5,442 Milliarden Dollar steigen. Das Nettoergebnis wird aber voraussichtlich einen herben Schlag erleiden und auf 232 Millionen Dollar absacken. Das wäre aber immer noch mehr als im vierten Quartal 2018 mit nur 134 Millionen Dollar.

Netflix erwartet global einen weiteren Anstieg der Kundenzahlen auf 165,93 Millionen nach derzeit 158,33 Millionen Abonnenten. Ob die Zahlen erreicht werden, bleibt abzuwarten. Analysten rechnen damit, dass Apple und Disney zunächst in den USA kräftig Abonnenten von Netflix abwerben könnten.

Ein Beispiel zeigt aber, dass Netflix mit seiner Wette richtig liegen könnte: Benjamin Swinburne von Morgan Stanley verweist darauf, dass Amazon seit 2011 rund 20 Milliarden Dollar in Inhalte für seinen Streamingdienst Amazon Instant Video investiert hat. Im gleichen Zeitraum habe Netflix trotzdem die Zahl der Kunden um insgesamt 130 Millionen erhöht. Swinburne gibt ein Preisziel von 400 Dollar für die Aktie vor.

Wedbush-Analyst Michael Pachter hält dagegen. Er hat ein Preisziel von 188 Dollar für Netflix. Bei der Einschätzung kommt es vor allem auf Investitionen und ihre Finanzierung an. Im dritten Quartal lag der Free-Cash-Flow, mit dem zum Beispiel Eigenproduktionen und der Ankauf von Inhalten bestritten wird, bei negativen 551 Millionen Dollar. Die bestehenden Verpflichtungen für Inhaltekäufe, -Lizensierungen oder -Produktionen liegen bei 19,1 Milliarden Dollar.

Pachter glaubt, dass 60 bis 65 Prozent der geschauten Netflix-Inhalte von Disney, Fox, Comcast oder Warner Bros. kommen und im Laufe der Zeit von der Plattform verschwinden werden. Also werde künftig viel Geld ausschließlich in die Beschaffung von Ersatz für bestehende Bibliotheken fließen müssen.

Eine weitere Bedrohung für Netflix ist Wedbush-Analyst Dan Ives zufolge Apple+. Er hat sein Kursziel für die Apple-Aktie von 245 auf 265 Dollar angehoben. Das für 4,99 Dollar pro Monat startende Apple TV+ habe das Potenzial, Netflix aus dem Stand große Probleme zu bereiten. Die geplanten Investitionen in Inhalte von sechs Milliarden Dollar jährlich sollen „ausreichen“, so Ives, um 100 Millionen Abonnenten binnen vier bis fünf Jahren zu gewinnen. Das wären geschätzt sieben bis zehn Milliarden Dollar mehr Umsatz für Apple.

Netflix könnte bis zu zehn Prozent seiner Kundenbasis an Apple verlieren, so seine Vermutung. Zudem werde Apple zusätzliche Milliarden Dollar in die Hand nehmen, um ein Hollywood-Studio zu kaufen und so schnell wie möglich mit Netflix, Disney oder Amazon mithalten zu können.

Richtungsweisend für Netflix werden auch die kommenden Wochen, in denen zahlreiche Tech-Unternehmen ihre Quartalszahlen vorlegen – unter ihnen einige Herausforderer:

AT&T – Zahlen am 23. Oktober:

AT&T hat noch keinen Preis für seinen Dienst HBO Max angekündigt, der im Frühjahr 2020 starten soll. HBO ist jedoch eine extrem starke Marke im TV-Geschäft und AT&T hat sich die Rechte für beliebte Formate wie „Friends“ und die „Sesame Street“ gesichert.

Amazon – Zahlen am 24. Oktober:

Amazon Prime Video ist ein bekannter und starker Gegner für Netflix und laut eMarketer momentan die Nummer zwei im Markt. Amazon wird Hinweise darauf geben, wie der Konzern diese Position gegen die Konkurrenz zumindest halten möchte.

Comcast – Zahlen am 24. Oktober:

Comcast bereitet seine machtvolle NBC-Universal-Inhaltsmaschine auf den Kampf um Streamingkunden vor und hat bereits seine Erfolgsserie „Friends“ bei Netflix abgemeldet. Der Start ist für April 2020 vorgesehen. Der Preis des Services steht noch nicht fest, aber er könnte zumindest in Teilen werbefinanziert sein und dann preislich die Konkurrenz scharf unterbieten.

Apple – Zahlen am 30. Oktober:

Services wie Apple Music oder Apple TV+ sind erklärte Wachstumsfavoriten von CEO Tim Cook. Er baut dabei auf eine Basis von mehr als 900 Millionen Apple-Kunden, die potenzielle Abonnenten sind. Da der Dienst am 1. November starten soll, ist bei der Vorlage der Zahlen mit weiteren Details und genaueren Vorhersagen zu rechnen.

Roku – Zahlen am 6. November:

Roku ist der Neuling in der Szene und einer der absoluten Börsenstars des Jahrgangs 2019. Roku ist eine Software-Plattform für TV-Hersteller und bietet gleichzeitig auch eigene Streaming-Boxen an. Kunden können neben Rokus eigenem Inhalte-Kanal und normalem TV und Satelliten-TV praktisch alle bekannten Onlinedienste, auch Netflix und bald Apple TV+, aufrufen. Die Frage wird sein, wie Roku den Anlegern wird vermitteln können, dass der Sammelanbieter und Wiederverkäufer von Inhalten nicht überflüssig wird in der neuen Welt der Streaming-Haie, die Roku ihre Inhalte auch wieder vorenthalten könnten.

Walt Disney – Zahlen am 7. November:

Für einen Kampfpreis von 6,99 Dollar will Disney mit „Disney+“ Netflix unterbieten und sich preislich knapp über Apple positionieren. Klassiker wie die Star-Wars-Reihe oder die „Simpsons“ werden ab 12. November angeboten. Wer das große Paket will, kann für insgesamt 12,99 Dollar auch noch den Sportsender ESPN und den Onlinedienst Hulu dazubekommen. Disney ist mit seinen Inhalten die größte Bedrohung für Netflix, vor allem bei Haushalten mit Kindern.

Mehr: Netflix kündigt neue Produktionen in Europa an. Lesen Sie hier mehr.

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