Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Streit um Patente „Unverhohlene Kopie“ – Lautsprecher-Spezialist Sonos verklagt Google

Hat Google Technologie von Sonos unerlaubt kopiert? Der Lautsprecherhersteller zieht vor Gericht – und macht auch Amazon schwere Vorwürfe.
07.01.2020 Update: 08.01.2020 - 11:45 Uhr Kommentieren
Der Hersteller ist für hochwertige Boxen bekannt, die sich einfach miteinander vernetzen lassen. Quelle: AP
Lautsprecher von Sonos

Der Hersteller ist für hochwertige Boxen bekannt, die sich einfach miteinander vernetzen lassen.

(Foto: AP)

Düsseldorf „OK Google, spiele Billie Eilish im Wohnzimmer“ – seit einem halben Jahr lassen sich einige Musikanlagen von Sonos mit dem digitalen Assistenten von Google steuern. Bereits 2013 begann der Lautsprecherhersteller eine Zusammenarbeit mit dem Internetkonzern, um Dienste wie die Sprachsteuerung in seine Geräte zu integrieren. „Smarte Steuerung. Ganz einfach“, wirbt das Unternehmen auf seiner Website dafür.

Doch der Alltag von Sonos ist durch die Zusammenarbeit deutlich schwieriger geworden: Der Hardwarehersteller wirft dem Technologiekonzern Google vor, einige seiner Patente unerlaubt zu verwenden. „Google hat unverhohlen und wissentlich unsere patentierte Technologie kopiert“, erklärte Vorstandschef Patrick Spence am Dienstag. An einer Lösung, die für beide Seiten vorteilhaft sei, habe das Unternehmen nicht mitgearbeitet.

Nun hat Sonos vor zwei Gerichten in den USA Klage eingereicht. Das Unternehmen fordert eine finanzielle Entschädigung sowie ein Verkaufsverbot für mehrere Lautsprecher, Smartphones und Laptops. Google erklärte gegenüber der „New York Times“, dass die beiden Firmen seit Jahren über geistiges Eigentum diskutierten – „wir sind enttäuscht, dass Sonos diese Klagen eingereicht hat, anstatt die Verhandlungen in gutem Glauben fortzusetzen“. Man werde gegen die Vorwürfe vorgehen.

Sonos ist ein Pionier bei vernetzten Lautsprechern für den Haushalt. Diese Multiroom-Systeme lassen sich zusammenschalten und steuern, einfach und kabellos. Der Name hat unter Kennern Klang, das Geschäft ist aber vergleichsweise klein: Im Geschäftsjahr 2019 (bis Ende September) wuchs der Umsatz um elf Prozent auf 1,26 Milliarden Dollar, unter dem Strich stand ein Verlust von fünf Millionen Dollar. Die Zentralen von Sonos und Google mögen nur ein paar hundert Kilometer auseinanderliegen, wirtschaftlich trennen die beiden Welten.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Technologie, die Sonos besonders macht, soll Google unerlaubt kopiert haben. In der Klage vor einem Gericht in Los Angeles und der Internationalen Handelskommission wird zum Beispiel ein System erwähnt, das „bei einer Vielzahl von Geräten“ Synchronität herstellt. Demnach erhielt Google 2013 Zugriff auf die Technologie, um seinen Musikdienst in die Lautsprecher zu integrieren – und brachte ab 2015 eigene Produkte damit auf den Markt, darunter Lautsprecher und Smartphones.

    Bedrängen zwei Große einen Kleinen?

    Auch Amazon, das mit den Echo-Geräten samt des Assistenzsystems Alexa Marktführer ist, hat nach Angaben des Hardwareherstellers Sonos mehrere Patente verletzt. Klage gegen diese Praxis reicht er trotzdem nicht ein: Es sei zu riskant, zwei Technologieriesen gleichzeitig zu verklagen, erklärte das Management gegenüber der „New York Times“. Amazon erklärte, die Systeme selbst entwickelt und keine Patente verletzt zu haben.

    Nach Lesart von Sonos bedrängen zwei Technologieriesen einen Nischenanbieter mit unerlaubten Mitteln. Ob sie haltbar ist, müssen die Gerichte entscheiden. Unabhängig von der Entscheidung macht der Fall deutlich, wie sehr die Konzerne den Lautsprecherhersteller unter Druck setzen. Amazon und Google verkaufen ihre Geräte vergleichsweise günstig, teils für 50 Euro oder weniger – sie wollen nicht mehr mit der Hardware Geld verdienen, sondern mit den Diensten, die darauf laufen. Sonos dagegen gilt als Premiumhersteller – das günstigste Modell kostet derzeit online 160 Euro.

    Die Preisgestaltung und das massive Marketing der Konzerne schlagen sich in den Zahlen nieder: Nach Einschätzung des Marktforschers Canalys verkaufte Amazon allein im dritten Quartal 2019 10,4 Millionen vernetzte Lautsprecher, Google immerhin 3,5 Millionen – im wichtigen Weihnachtsgeschäft dürften es noch mehr gewesen sein. Sonos setzte dagegen im gesamten Geschäftsjahr nur 6,1 Millionen Geräte ab.

    Inzwischen arbeitet Sonos daran, eine eigene Sprachsteuerung zu entwickeln. Im November kaufte das Unternehmen den französischen Technologieanbieter Snips, das Eingaben direkt auf dem Gerät verarbeitet, also ohne eine Übertragung in die Cloud. Die Frage nach dem Alter von Billie Eilish wird das System nicht beantworten, aber den neuesten Song abspielen können.

    Mehr: Der Google Assistant kann Unterhaltungen in gut zwei Dutzend Sprachen übersetzen, darunter auch Deutsch. Zudem setzt der Tech-Gigant auf Kooperationen mit Firmen.

    Startseite
    Mehr zu: Streit um Patente - „Unverhohlene Kopie“ – Lautsprecher-Spezialist Sonos verklagt Google
    0 Kommentare zu "Streit um Patente: „Unverhohlene Kopie“ – Lautsprecher-Spezialist Sonos verklagt Google"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%