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Studie Diese Branchen sollen besonders stark von Künstlicher Intelligenz profitieren

Wie groß sind die Wachstumschancen durch KI für die deutsche Wirtschaft? Eine neue Studie bescheinigt vor allem einer Branche ein besonders großes Potenzial.
21.11.2019 - 07:32 Uhr Kommentieren
Die Branche kann einer neuen Studie zufolge besonders vom Einsatz von KI profitieren. Quelle: obs
Vernetzung von Logistik-Akteuren

Die Branche kann einer neuen Studie zufolge besonders vom Einsatz von KI profitieren.

(Foto: obs)

Düsseldorf Künstliche Intelligenz (KI) ist zu einem zentralen Schlagwort geworden. Von Bundeskanzlerin Angela Merkel bis hin zu den Chefs der größten deutschen Konzerne beschwören alle das Potenzial der Technologie.

Doch noch dominieren vor allem Spekulationen darüber, was KI genau in der Wirtschaft verändern wird. Die Unsicherheiten darum, was die Technik wirklich leisten kann, sind noch groß.

Eine neue Studie macht aus der Not eine Tugend: In der Analyse der Unternehmensberatung Arthur D. Little im Auftrag des Digitalverbandes eco versuchen die Experten erst gar nicht, Berechnungen über mögliche neue KI-getriebene Geschäftsmodelle anzustellen. Sie konzentrieren sich ausschließlich darauf, wie bereits bestehende Ansätze in Unternehmen in Deutschland durch den Einsatz von KI verbessert werden können. Dabei geht es sowohl darum, bestehende Dienstleistungen zu verbessern als auch um Kosteneinsparungen.

Ein besonders großes Potenzial bescheinigt die Studie dem Handel und Konsum: 97,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025 weist die Untersuchung für die Branche aus. Dabei entfallen 61,2 Milliarden Euro auf Kosteneinsparungen, 36,3 Milliarden Euro machen mögliche Umsatzsteigerungen aus.

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    Gerade im Einzelhandel hat die Studie viel Potenzial für Verbesserungen mit Hilfe von KI identifiziert: Die Steuerung und Nutzung der Lieferketten könnte sich deutlich optimieren lassen, glauben die Studienleiter.

    „Otto hat zum Beispiel mit Hilfe von KI die Verfügbarkeit von Artikeln verbessert und gleichzeitig die Lagerhaltungskosten reduziert“, sagt der Vorsitzende des Verbandes eco, Oliver Süme. Ein international bekanntes Beispiel sei Amazon, welches in vielen Ländern Produkte bereits ohne eine konkrete Bestellung in eine Zielregion versende und im letzten Moment die genaue Zieladresse anpasse.

    Grafik

    Zudem könnte der Kontakt mit Endkunden verbessert werden. „Dabei wird das Verkaufspersonal in die Lage versetzt, den Kunden individueller und mit mehr Detailwissen zu beraten“, sagt Süme. Mitgliederkarten könnten zu Beispiel im Zusammenspiel mit Tablets oder smarten Brillen helfen, auf Kunden zugeschnittene Angebote zu präsentieren.

    Welches Potenzial in der Nutzung von KI steckt, ist dem Handel deutlich bewusst. So benannten in einer Umfrage des Handelsforschungsinstituts EHI unter 90 der wichtigsten Handelsunternehmen die Befragten KI als wichtigsten technologischen Trend. Dabei gaben 32 Prozent an, dass sie die Technologie bereits einsetzen, bei weiteren 36 Prozent ist die Nutzung in Planung.

    Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Zahlreiche Händler nutzen KI bereits, um ihre Preise dynamisch an eine sich ändernde Nachfrage anzupassen. Eines der Pionierunternehmen in diesem Bereich ist Revionics, das entsprechende Lösungen beispielsweise für Obi, Douglas oder Conrad Electronics entwickelt hat.

    Transfer der Köpfe

    Kunden des Modehändlers Zalando können sich vom sogenannten Algorithmic Fashion Companion (AFC) ein Outfit zusammenstellen lassen. Das Unternehmen nutzt nach eigenen Angaben auch KI, um seinen Kunden bessere Größenempfehlungen zu geben. Dadurch habe man die größenbedingte Retourquote senken können, heißt es auf Anfrage.

    Vor kurzem hat der Modehändler den renommierten Machine-Learning-Experten Ralf Herbrich von Amazon abgeworben – auch das zeigt, wie wichtig das Thema KI für Zalando ist. „Ein Transfer der Köpfe ist neben Kompetenzzentren und unternehmenseigenen KI-Forschungsabteilungen eine erfolgversprechende Strategie. Der Wechsel von Ralf Herbrich von Amazon zu Zalando ist da ein gutes Beispiel“, sagt KI-Forscher Kristian Kersting von der Technischen Universität Darmstadt.

    Auch die großen Elektronikhändler setzen auf KI: In den Onlineshops von Media Markt und Saturn werden auf der Basis von Produktdaten mit Hilfe von KI Produktbeschreibungen generiert. Die Software dazu, die nach dem Prinzip der „Natural Language Generation“ funktioniert (automatische Produktion von natürlicher Sprache durch eine Maschine), liefert das Berliner Unternehmen Retresco.

    Dabei könnte der Handel auch von zusätzlichen Möglichkeiten durch die Vernetzung profitieren. In Deutschland wird derzeit das Netz für die neue Mobilfunkgeneration 5G ausgerollt, die Datenübertragung nahezu in Echtzeit möglich machen soll. Eine Studie des Marktforschungsinstituts Forrester Research hatte gerade für den Handel besondere Potenziale identifiziert. Technologien wie KI sollten nach Einschätzung der Marktforscher erst ihre vollen Potenziale entfalten, wenn sie über die Vernetzung etwa in Kaufhäusern und entlang der Lieferketten eingesetzt werden.

    Im Handel in Deutschland wird seit Jahren mit dem Einsatz verbesserter Technologien experimentiert. Künstliche Intelligenz ist nur eine davon. Doch nicht nur großen Konzernen fällt es schwer, lange etablierte Geschäftsmodelle umzustellen. Zudem sind große Investitionen nötig, um etwa Ladengeschäfte für vernetzte Prozesse aufzurüsten, was gerade für Mittelständler schwierig ist.

    „In Deutschland investiert niemand in KI ohne Berücksichtigung der Kosten“, sagt Digitalexperte Holger Schmidt. Aus diesem Grund hält er den Ausblick der Studienmacher, wonach KI bis 2025 einen Wertbeitrag für die deutsche Wirtschaft in Höhe von 488 Milliarden Euro beziehungsweise 13 Prozent des Bruttoinlandprodukts liefern soll, für „ziemlich optimistisch“.

    Da aktuell nur etwa jedes zehnte Unternehmen in Deutschland KI schon einsetze, „müsste nun ein Katapultstart folgen, um auch nur in die Nähe dieses Wertes zu kommen“, glaubt Schmidt. Eco-Verbandschef Süme warnt: „Ein längeres Zögern und Hadern beim Einsatz von KI in den jeweiligen Unternehmensprozessen kann sich der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht länger leisten.“

    Effekte in Auto- und Finanzbranche fallen geringer aus

    „Die Prognose ist unter Berücksichtigung der aktuellen Durchdringung von KI im Mittelstand natürlich optimistisch“, sagt Jörg Bienert, Vorsitzender des KI-Bundesverbands. „Wir erfahren aber derzeit ein kontinuierlich steigendes Interesse an KI in der gesamten Wirtschaft und wenn wir das Thema in den nächsten Jahren mit der 'deutschen Gründlichkeit' angehen, ist ein entsprechend hoher Beitrag zum BIP nicht unrealistisch“, glaubt Bienert.

    Um die Kostenhürden zu senken, hat das EHI zusammen mit dem Händler dm und verschiedenen Technologiepartnern das Projekt „Knowledge4Retail“ gegründet. Die Initiative soll als offene Plattform aufgebaut werden, die sowohl komplexen KI-Anwendungen in der Planung als auch Robotik-Anwendungen in der Handelsfiliale dient.

    Die Open-Source-Plattform stellt sogenannte semantische digitale Zwillinge von Einzelhandelsfilialen als Grundlage für verschiedene KI- und Roboter-Anwendungen unterschiedlicher Anbieter bereit. Damit reduziert sie für Einzelhandelsunternehmen die Rüst- und Aufbauzeiten sowie Kostenbarrieren bei der Einführung von KI-Lösungen.

    Darüber hinaus könne es für Unternehmen sinnvoll sein, mit KI-Start-ups zusammenzuarbeiten, „da diese agiler sind und individuell passende Anwendungen anbieten können“, sagt KI-Forscher Kersting. Bei wirklich disruptiven KI-Anwendungen sei es aber nicht so, dass sie automatisch bei allen Unternehmen gleichermaßen eingesetzt werden können. „Sicherlich können Unternehmen bestimmte KI-Lösungen einkaufen, aber auch diese müssen in den meisten Fällen dann wieder auf die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. Und das kostet auch wieder Geld“, sagt Kersting.

    In der Untersuchung quer über alle Branchen hinweg sieht Arthur D. Little jedoch nicht nur im Handel und Konsum großes Kostenspar- und Umsatzpotenzial: Mit 96,3 Milliarden Euro folgt knapp dahinter der Bereich Energie, Umwelt und Chemie. Auf den hinteren Plätzen landen die Branchen Automobil mit 40,5 Milliarden Euro und Finanzen und Versicherung mit 21,3 Milliarden Euro.

    Das bedeutet jedoch nicht, dass die Autoindustrie oder die Finanzbranche abgehängt sind: Die Studienleiter bescheinigen den Branchen bereits einen hohen Grad an Automatisierung und Effizienz. Entsprechend geringer fielen die Effekte durch die Optimierung von Abläufen auf Basis von KI aus.

    Mehr: Künstliche Intelligenz krempelt die Finanzbranche um: Wie Banken und Versicherer die Technologie heute schon nutzen und was sie für die Zukunft planen – ein Dossier.

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