Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Suchmaschinenanbieter Frankreich rüttelt an Googles globaler Vorherrschaft im Online-Werbemarkt

Google muss wegen Missbrauchs seiner Marktmacht in Frankreich eine hohe Strafe zahlen. Nun will es weltweit seine Praxis beim Anzeigengeschäft ändern.
07.06.2021 Update: 07.06.2021 - 17:08 Uhr Kommentieren
Der Internetriese hat zugestimmt, einige seiner Praktiken im automatisiert ablaufenden Online-Werbegeschäft zu ändern. Quelle: dpa
Google

Der Internetriese hat zugestimmt, einige seiner Praktiken im automatisiert ablaufenden Online-Werbegeschäft zu ändern.

(Foto: dpa)

Paris, Düsseldorf Google hat seine starke Position im Online-Werbemarkt auch durch unfaires Verhalten gefestigt – zu diesem Schluss kommt die französische Wettbewerbsbehörde. Die Tochter des US-Konzerns Alphabet muss nun eine Strafe von 220 Millionen Euro zahlen und verpflichtete sich im Rahmen eines Vergleichs zu Reformen.

Das Verfahren hat auch Auswirkungen über Frankreich hinaus. Denn Google hat sein Fehlverhalten eingestanden und will seine Praktiken nach eigenen Angaben auch in anderen Ländern ändern. Damit kommt es wohl zahlreichen weiteren drohenden Streitfällen zuvor.

Maria Gomri, die Leiterin von Googles französischer Rechtsabteilung, teilte mit, dass es für Medienunternehmen grundsätzlich einfacher werden soll, Google-Daten zu verwenden sowie die Analysewerkzeuge des Unternehmens auch für andere Anzeigentechnologien zu nutzen. „Wir werden diese Änderungen in den kommenden Monaten testen und weiterentwickeln, bevor wir sie breiter anbieten werden, teilweise auch global.“

Die Chefin der französischen Wettbewerbsbehörde, Isabelle de Silva, sprach von einer „historischen Entscheidung“. Es handle sich um das weltweit erste kartellrechtliche Urteil, das sich mit den schwer durchschaubaren Algorithmen hinter der Versteigerung von Werbeplätzen im Internet befasse.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Google soll Doppelrolle ausgenutzt haben

    Online-Werbeplätze werden in der Regel über Auktionen in Echtzeit an den Höchstbietenden versteigert. Das Verfahren in Frankreich drehte sich um die Doppelrolle von Google – einerseits als Werbeplattform und andererseits als Dienstleister für Websites, die ihr Geschäft mit Anzeigen finanzieren.

    Ein Vorwurf in dem Verfahren: Wenn Unternehmen in der Vergangenheit ihre Werbeplätze über Googles Anzeigenserver angeboten hätten, habe Google in dem Gebotsverfahren die eigenen Anzeigenkunden bevorzugt. Dadurch seien konkurrierende Werbedienstleister im Netz geschwächt worden.

    Das Vorgehen von Google führte nach Ansicht der Kartellbehörde in Paris auch zu Einnahmeverlusten bei den Anbietern der Online-Werbeplätze, die so nicht immer auf das für sie beste Angebot an potenziellen Werbekunden hätten zugreifen können. Das betrifft zum Beispiel Internetauftritte von Zeitungen. Mehrere Verlagsgruppen hatten das Verfahren in Frankreich angestrengt, darunter das internationale Medienunternehmen News Corp und der französische „Figaro“-Verlag.

    Google habe seine Doppelrolle ausgenutzt, um den Wettbewerb auf dem aufstrebenden Online-Werbemarkt zu seinen Gunsten zu verfälschen, sagte de Silva. Diese Praxis habe es Google ermöglicht, seine marktbeherrschende Stellung nicht nur zu erhalten, sondern noch auszubauen. Das Fehlverhalten sei „besonders schwerwiegend“, weil dadurch auch Pressehäuser benachteiligt worden seien, deren Geschäftsmodell ohnehin ernsthaft geschwächt sei.

    Das Bußgeld hätte nach Angaben des Kartellamts noch höher ausfallen können. Google kam der Behörde in dem Vergleich aber mit Änderungsvorschlägen entgegen. Das Unternehmen sagte demnach unter anderem zu, seine Werbetools transparenter zu gestalten und für Wettbewerber zu öffnen.

    Die Vereinbarung zwischen Google und den französischen Behörden läuft zunächst über drei Jahre. In dieser Zeit muss das Unternehmen eine unabhängige Stelle schaffen, die zusammen mit dem Kartellamt in Paris die Umsetzung des Vergleichs und die Änderungen der Geschäftspraktiken überwacht.

    Zweite hohe Strafe für Google in Frankreich

    Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire begrüßte die Entscheidung. „Die großen Plattformen haben zunehmend dominante Stellungen eingenommen“, erklärte er. „Es ist äußerst wichtig, unser Wettbewerbsrecht bei den Digitalgiganten anzuwenden, die auf unserem Staatsgebiet tätig sind.“

    Das französische Vorgehen zeigt, dass nationale Kartellbehörden den global operierenden Internetkonzernen nicht machtlos gegenüberstehen. Bereits Ende 2019 hatten die Wettbewerbshüter in Paris entschieden, dass Google seine beherrschende Marktposition bei der Suchmaschinenwerbung missbrauche. Die Höhe der Strafe damals: 150 Millionen Euro.

    „Jahrelang herrschte eine Angst, die Digitalplattformen anzugehen, weil sie zu mächtig seien“, sagte de Silva. Das habe sich geändert. Die Chefin der Wettbewerbsbehörde rechnet damit, dass Medienunternehmen auf Grundlage der Entscheidung auch Schadensersatzforderungen gegenüber Google geltend machen könnten.

    Mehr: Kartellamt schaut Google auch bei Nachrichtenangebot auf die Finger

    Startseite
    Mehr zu: Suchmaschinenanbieter - Frankreich rüttelt an Googles globaler Vorherrschaft im Online-Werbemarkt
    0 Kommentare zu "Suchmaschinenanbieter: Frankreich rüttelt an Googles globaler Vorherrschaft im Online-Werbemarkt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%