T-Mobile US: Telekom-Tochter baut 5000 Stellen in den USA ab – Vorbote für Deutschland?
Die Entlassungswelle steht im Widerspruch zu den Aussagen des Topmanagements vor wenigen Jahren.
Foto: AFP/Getty ImagesSan Francisco. Auf dem wichtigsten Markt der Deutschen Telekom steht ein drastischer Personalabbau bevor. 5000 Stellen würden in den kommenden Wochen gestrichen, kündigte der Chef der Tochtergesellschaft T-Mobile US, Mike Sievert, am Donnerstag an. „Dies ist eine große Veränderung, die für unser Unternehmen ungewöhnlich ist“, schrieb Sievert in einer E-Mail an die Belegschaft des Mobilfunkanbieters, die dem Handelsblatt vorliegt.
Von den Entlassungen seien vor allem die Bereiche Verwaltung und zu Teilen auch Technik betroffen. In der Kundenbetreuung werde nicht gespart, erklärte Sievert. Als Begründung für die Entlassung verwies der Manager auf steigende Kosten für das Unternehmen: „Was es braucht, um Kunden zu gewinnen und zu binden, ist wesentlich teurer als noch vor einigen Quartalen.“
Die Entlassungswelle steht im Widerspruch zu den Aussagen des Topmanagements vor wenigen Jahren. Vor drei Jahren hatte T-Mobile in den USA den Rivalen Sprint übernommen. Im Zuge der Fusionsverhandlungen hatte das Unternehmen den Aufbau zahlreicher Stellen versprochen.
T-Mobile hatte im Zuge der Sprint-Fusion Stellenaufbau versprochen
Sieverts Vorgänger als T-Mobile-Chef, John Legere, hatte den Zusammenschluss als „Programm für den Aufbau hochwertiger, gut bezahlter Jobs“ bezeichnet und konkrete Zusagen gemacht. „Wir werden im ersten Jahr 3600 Mitarbeiter mehr haben als die beiden getrennten Unternehmen zusammen, und bis 2024 werden es 11.000 sein“, hatte Legere versprochen.
Allerdings hatte T-Mobile im Zuge der Fusion die Zahl der Stellen dann deutlich reduziert. Aus den Jahresberichten des Unternehmens geht hervor, dass T-Mobile nach dem Zusammenschluss mit Sprint im April 2020 auf rund 80.000 Beschäftigte kam. Zum Ende des Jahres 2022 waren es rund 71.000 Beschäftigte, also rund 9000 Jobs weniger.
>> Lesen Sie auch: Aktiencrash und Spardruck: O2 steht nach Ende des 1&1-Deals unter Schock
Die Gewerkschaft Communications Workers of America hatte im Zuge des Zusammenschlusses von Anfang an gewarnt, die Telekom werde mit ihrer US-Tochter mittelfristig rund 20.000 Stellen abbauen. Das Management hatte das stets bestritten. Mit der jüngst angekündigten Entlassungswelle nähert sich T-Mobile jedoch der von der Gewerkschaft befürchteten Marke. Rückmeldungen auf Handelsblatt-Anfragen zu den Entlassungen standen von T-Mobile und Deutscher Telekom zunächst aus.
T-Mobile gilt als Wachstumstreiber der Deutschen Telekom. Der Dax-Konzern hält mehr als die Hälfte der Anteile an dem Mobilfunkanbieter. Telekom-Chef Timotheus Höttges hatte vor zwei Wochen in Deutschland gedroht: Wenn sich die Rahmenbedingungen in Europa nicht besserten, so Höttges, sehe er sich dazu gezwungen, „unsere Chancen noch stärker in den USA zu suchen“.
Der Telekom-Chef hat mit einer Verlagerung der Investitionen in die USA gedroht.
Foto: BloombergEin Hintergrund für den aktuellen Stellenabbau könnte der Umstieg auf den modernen Mobilfunkstandard 5G sein, vermutete Roger Entner, Gründer des Telekommunikationsspezialisten Recon Analytics. Das neue Mobilfunknetz mache eine stärkere Automatisierung und damit weniger Personal in der Technik möglich.
„Der Stellenabbau könnte auch ein Vorbote für Deutschland und Europa sein“, sagte Entner. Auch dort könne der Umstieg auf den 5G-Mobilfunkstandard den Abbau von Technikfachkräften nach sich ziehen.