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T-Mobile US und Sprint Telekom-Superstar John Legere steht vor dem Deal seines Lebens

US-Chef John Legere ist der Star-Manager der Deutschen Telekom. Die Fusion mit Sprint wäre sein Meisterstück – und wohl das Ende seiner Mission.
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Der US-Chef der Telekom inszeniert sich täglich in den sozialen Netzwerken – und immer in der Markenfarbe Magenta. Quelle: Bloomberg
John Legere

Der US-Chef der Telekom inszeniert sich täglich in den sozialen Netzwerken – und immer in der Markenfarbe Magenta.

(Foto: Bloomberg)

New York, BonnLaut, schrill und immer in Magenta: Der Chef von T-Mobile US John Legere inszeniert sich als angriffslustig und besonders kundennah. Er teilt gegen die Konkurrenz aus und zeigt sich im Alltag – am liebsten in den sozialen Netzwerken.

Im Magenta-Shirt filmt er sich im Twitter-Livestream am Morgen vor einer besonders kritischen Anhörung vor US-Politikern im Kongress beim Joggen. Mit seinen langen, schütteren Haaren unter einer Magenta-Kochmütze beantwortet er in seiner eigenen Kochshow im Livestream Fragen zu Mobilfunkpreisen. Oder er twittert, wie er am World Dance Day mit Mitarbeitern tanzt.

Für viele Manager wären solche Aktionen undenkbar. Für Legere gehören sie zum Programm. Der 60-Jährige ist das Gesicht von T-Mobile US, einer Tochter der Deutschen Telekom. Während der Dax-Konzern in Deutschland als Ex-Monopolist den Markt dominiert, generiert sich Legere in den USA als agiler Angreifer, der die Großkonzerne AT&T und Verizon erfolgreich herausfordert.

Quartal für Quartal kann er stolz bekanntgeben, dass er wieder mehr als eine Million Neukunden gewonnen hat. Das geht schon seit Jahren so. Doch Legere will mehr. Die Übernahme des Konkurrenten Sprint soll T-Mobile in eine andere Liga katapultieren. Das neue Unternehmen hätte dann 29,6 Prozent am US-Mobilfunkmarkt. Verizon liegt bei 35 Prozent, AT&T bei 34 Prozent.

Gelingt die Übernahme, dürfte sich Legere aus dem Unternehmen jedoch verabschieden. Er hat dann alles erreicht. T-Mobile wird langfristig ohne ihn auskommen müssen, wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr.

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Darauf deuten auch Dokumente hin, die das Unternehmen bei der Börsenaufsicht SEC hinterlegt hat. Aus dem „Legere Amendment“ geht hervor, dass der Manager für die Fusion einen Bonus von 37 Millionen Dollar bekommt. Die erste Hälfte davon erhält er bei Abschluss der Fusion oder wenn sein Amt am 30. April 2020 ausläuft. Die zweite Hälfte bekommt er nur, wenn die Fusion tatsächlich durchgeht. Dann erhält er die 18,5 Millionen Dollar allerdings sofort.

„Alles deutet darauf hin, dass Legere innerhalb von sechs Monaten nach der Fusion T-Mobile verlässt“, meint der Gründer der Branchenberatung Recon Analytics Roger Entner. „Legere wird sich als CEO von T-Mobile US nach der Übernahme vermutlich zurückziehen. Es ist nur noch nicht klar, wann“, sagt auch Analyst Wolfgang Specht vom Bankhaus Lampe. „Die Telekom-Führung in Bonn hat ein großes Interesse, dass Legere das Unternehmen auch nach einer geglückten Fusion noch etwa ein Jahr weiterführt.“

In Bonn wird bereits an einer Strategie für das vereinte Unternehmen von T-Mobile und Sprint gefeilt. Der Netzbetreiber soll sich künftig stärker auf Geschäftskunden konzentrieren – ein Markt, in dem T-Mobile bislang schwach aufgestellt ist. „John ist als Angreifer genial. Er kann Endkunden überzeugen, von AT&T oder Verizon zu uns zu wechseln“, sagt ein Telekom-Manager.

Aber ein anderer Manager sei nötig, um auch Vertrauen von Firmenkunden zu gewinnen. Ein schriller John Legere sei schlicht der falsche Typ, um T-Mobile US langfristig nach der Fusion zu führen.

T-Mobile nach John Legere

Als aussichtsreichster Kandidat für Legeres Nachfolge gilt der COO Mike Sievert. Legere holte ihn kurz nach seinem Start bei T-Mobile ins Unternehmen, um das operative Geschäft zu steuern. Er gilt als jener, der die schrillen Ideen von Legere in funktionierende Marketingstrategien übersetzt. Zudem sitzt er bereits als Präsident im Aufsichtsrat. Das ist in den USA äußerst ungewöhnlich für ein amtierendes Vorstandsmitglied, das nicht CEO ist.

Auch Sievert wird einen Bonus erhalten, wenn die Fusion mit Sprint gelingt. Doch aus den bei der SEC eingereichten Unterlagen geht hervor, dass seine Auszahlung an bis zu dreijährige Fristen gebunden ist. Die Telekom scheint das Konstrukt so gewählt zu haben, dass Sievert dem Konzern länger erhalten bleibt – möglicherweise künftig als CEO.

Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass auch ein Telekom-Manager aus Europa Interesse an dem Spitzenjob in den USA anmelden könnte. Die Chancen sind jedoch ungewiss. „Der Nachfolger von Legere wird vermutlich ein Manager aus den USA sein“, meint jedoch Analyst Specht.

Doch damit es überhaupt so weit kommt, muss Legere dafür sorgen, dass die Übernahme gelingt. Die 26 Milliarden Dollar schwere Fusion wäre der wichtigste Deal im Leben des Managers Legere. Und es wäre ein gewaltiger Erfolg für die Deutsche Telekom. Für 50,7 Milliarden Dollar hatte der damalige Telekom-Chef Ron Sommer im Jahr 2000 den US-Mobilfunker Voicestream übernommen. Weitere Zukäufe folgten.

Doch die Expansion stockte, es häuften sich die Probleme. Der Ausflug in die USA drohte zum größten Verlustgeschäft für die Telekom zu werden. Versuche, die Tochter abzustoßen, scheiterten.

Dann kam John Legere. Seit er im Juni 2012 zum Chef von T-Mobile US aufgestiegen ist, baut er das Geschäft konsequent aus. Über sein Vorstellungsgespräch beim damaligen Telekom-Chef schrieb Legere später: „In einer Art Mutmachrede erklärte ich ihm, warum die Situation von T-Mobile nicht so aussichtslos war, wie er offenbar meinte“, schrieb er in der „Harvard Business Review“.

Er schlug eine Strategie vor, die beiden Platzhirsche Verizon und AT&T aggressiv herauszufordern. Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können. Im Jahr zuvor hatte die Telekom-Tochter eine Kompensation von etwa drei Milliarden Dollar für den gescheiterten Verkauf an AT&T erhalten, eine sogenannte Break-up-fee, die auch eine lukrative Regelung mit Mitnutzung des AT&T-Netzes enthielt. Legere nutze die Chance, um T-Mobile als Angreifer auf dem US-Markt zu positionieren.

Bei den Kunden kam das an. Die einstige Problem-Tochter der Telekom ist zum wichtigsten Wachstumstreiber für den Dax-Konzern mutiert. Allein im ersten Quartal 2019 gewann T-Mobile US 1,7 Millionen neue Kunden. 50,3 Prozent des gesamten Konzernumsatzes kamen aus den USA – so viel wie nie zuvor.

Unermüdlich wirbt Legere nun für die Fusion mit Sprint. Viele Hürden hat das Fusionsverfahren schon genommen, darunter die Prüfung durch die US-Sicherheitsbehörde CFIUS sowie die von 16 der nötigen 19 Bundesstaaten. Eine besonders wichtige Entscheidung kam Anfang dieser Woche: Der Chairman der mächtigen US-Telekommunikationsaufsicht FCC, Ajit Pai, sprach sich offen für den Zusammenschluss aus. „Das ist eine einzigartige Chance, den Ausbau von 5G in den USA voranzubringen“, schrieb Pai.

Kurz vorher hatte Legere einen Plan zum Ausbau des Echtzeitmobilfunks 5G veröffentlicht. Innerhalb von drei Jahren soll das neue Unternehmen 97 Prozent der Amerikaner mit dem besonders schnellen Netz versorgen. Und um Sorgen über zu wenig Wettbewerb zu begegnen, kündigte Legere an, eine der Prepaid-Marken zu verkaufen.

Was noch fehlt, ist das Urteil des Justizministeriums. Die Behörde schaut sich vor allem die Wettbewerbssituation an. Allerdings gilt es als unwahrscheinlich, dass sich die Behörde offen gegen die Entscheidung der Telekomaufsicht stellt – sowohl FCC-Chef Pai als auch der Chef des Justizministeriums, Makan Delrahim, wurden von US-Präsident Donald Trump eingesetzt.

Die Chancen für einen Erfolg des Deals stehen nach der Zustimmung durch den FCC-Chef deutlich besser. „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Deal genehmigt wird, liegt mittlerweile bei mehr als 80 Prozent“, meint Analyst Specht.

Legere will nun die letzte Überzeugungsarbeit leisten. Egal, ob er vor Kongressabgeordneten oder zu seinen Kunden spricht – Legere stilisiert sich stets als schriller Angreifer. Fast immer in Magenta.

Sein Rebellenimage hat er spätestens seit 2014 auf der Elektronik-Messe CES in Las Vegas für immer zementiert. Damals waren seine Haare noch halblang, und er hatte sich bei einem AT&T-Konzert des Sängers Macklemore mit einem Magenta-T-Shirt unter der Jacke hineingeschlichen.

Als AT&T davon über Twitter erfuhr, eskortierten ihn zwei kräftige Sicherheitskräfte aus dem Raum. Das Bild war perfekt: Der kleine Angreifer T-Mobile gegen den großen Goliath AT&T. Legere ließ seine Haare danach noch länger wachsen. Er spielt seine Rolle bestens.

„Er geht da durchaus rational heran: Er hat verstanden, dass er anders sein muss, um gegen die Großen eine Chance zu haben – als Unternehmen und als Person“, meint Branchenkenner Entner. „Er ist ein guter Schauspieler. Aber er ist uneitel“, sagt er. Seine Auftritte bestätigen das.

Der ursprüngliche John Legere

Doch das Bild vom ewigen Angreifer ist neu. Es gibt einen Legere vor T-Mobile. Und die beiden Charaktere könnten kaum unterschiedlicher sein: Vor 17 Jahren hatte er nach zwei Jahrzehnten bei AT&T und ein paar Jahren bei Dell den Chefposten des angeschlagenen Unternehmens Global Crossing übernommen. Im dunklen Anzug und mit zurückgegelten Haaren saß er damals wie ein Gordon-Gecko-Verschnitt im Kongress und musste sich dem Kreuzverhör der Politiker stellen.

Auf die Frage, wie viele normale Mitarbeiter von seinem Gehalt und Boni bezahlt werden könnten, antwortete er nur: „Ich rechne grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit.“ Er spielte den kalten Wall-Street-Typen, den die Belange der normalen Menschen nicht kümmern.

Davon ist heute nicht viel übrig geblieben. Legere inszeniert sich als nahbarer Manager, der auf Twitter oder Instagram direkt auf Kommentare der Kunden eingeht. Als einer, der zuhört und Verständnis für die alltäglichen Probleme hat.

Das hat ihm gewaltiges Ansehen eingebracht. Nicht nur bei seinen Kunden, sondern auch bei seinen Chefs in Deutschland. In Bonn wird der Mann, der ursprünglich Sportlehrer werden wollte, hofiert. Das zeigt sich besonders an einer Zahl: 23,6 Millionen US-Dollar. So viel Vergütung inklusive Aktienoptionen weist die US-Tochter der Deutschen Telekom für ihren CEO für das Jahr 2017 aus.

Das ist fast viermal so viel, wie Konzernchef Timotheus Höttges verdient. Dieser erhielt laut Geschäftsbericht für das Jahr 2018 Bezüge in Höhe von 5,82 Millionen Euro. Für das Vorjahr waren es 5,67 Millionen Euro.

„Wir hatten viel von ihm erwartet. Aber er hat unsere Hoffnungen noch übertroffen“, sagt ein ranghoher Telekom-Manager: „Legere ist jeden Dollar wert.“

Mehr: Für die Deutsche Telekom würde die Übernahme von Sprint einen Kulturwandel bedeuten. Handelsblatt-Redakteur Stephan Scheuer meint, dass die Deutsche Telekom dann ein amerikanisches Unternehmen werden würde.

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