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T-Systems Strategiewechsel bei Gesundheits-IT wird für die Telekom teuer

T-Systems will keine Konnektoren, das zentrale Element für die Vernetzung des Gesundheitswesens, mehr bauen. Auf den Kosten der Umrüstung bleibt der Konzern sitzen.
12.03.2020 - 07:17 Uhr Kommentieren
Baustein für die vernetzte Medizin. Quelle: Imago/Westend61
Digitalisierung im Gesundheitswesen

Baustein für die vernetzte Medizin.

(Foto: Imago/Westend61)

Düsseldorf In den meisten deutschen Arztpraxen und Krankenhäusern befindet sich versteckt eine kleine Box, vergleichbar mit einem DSL-Router. Diese sogenannten Konnektoren sind der zentrale Baustein für die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Sie ermöglichen den Zugang zu dem im Aufbau befindlichen verschlüsselten Netzwerk namens Telematikinfrastruktur (TI).

Die TI soll zwischen den deutschen Gesundheitsinstitutionen den Austausch von Daten ermöglichen und Anwendungen wie einen digitalen Medikationsplan oder eine elektronische Patientenakte enthalten. So sollen die Qualität der medizinischen Versorgung verbessert, Doppeluntersuchungen, Fehlmedikationen und bürokratischer Aufwand vermieden werden.

Einer von vier Anbietern der Konnektoren ist T-Systems, hundertprozentige Tochter der Deutschen Telekom. Zwischen 15.000 und 20.000 Konnektoren hat T-Systems laut Branchenkreisen an Arztpraxen und Krankenhäuser, die zum Anschluss an die TI verpflichtet sind, zu einem Preis von bis zu mehreren Tausend Euro seit Mitte 2018 verkauft.

Jetzt muss der Großteil der Konnektoren schon wieder ausgetauscht werden. Das bestätigte die Telekom gegenüber dem Handelsblatt. Denn für die ebenfalls verpflichtenden TI-Anwendungen wie Patientenakte oder Medikationsplan brauchen die Konnektoren Softwareupdates, die die Telekom selbst aber nicht anbieten wird.

Stattdessen hat der Konzern eine Kooperation mit dem Konkurrenten Secunet vereinbart. Die bisherigen Telekom-Kunden können über die Telekom einen updatefähigen Konnektor von Secunet bekommen. „Der Austausch der Geräte soll in der zweiten Jahreshälfte stattfinden”, bestätigte die Telekom dem Handelsblatt.

Da die gesetzliche Krankenversicherung (GKV), die die TI finanziert, die Ausstattung mit Konnektoren nur einmal bezahlt, wird T-Systems auf den Kosten der Umrüstung sitzen bleiben. Branchenkreise berichten von Kosten im zweistelligen Millionenbereich.

Druck vom Bund

Was T-Systems nicht bezahlen muss, ist der Techniker für die Installation. Denn der Austausch soll vom Arzt allein bewerkstelligt werden. Aufgrund entsprechender Softwareunterstützung sei dies aber ein simpler Prozess, der zuvor auch umfangreich getestet werde.

Ärztevertreter halten das für höchst problematisch. „Keinesfalls darf T-Systems die Ärzte mit der Installation der neuen Konnektoren allein lassen, um die Kosten für einen Dienstleister für die Installation zu sparen“, sagt Norbert Butz, TI-Verantwortlicher bei der Bundesärztekammer. Das verbiete sich schon aus Gründen der Datensicherheit.

„Der Austausch der Geräte muss für die Ärzte kostenfrei sein und darf nicht zu einem Mehraufwand in den Praxen führen“, fordert Thomas Kriedel, Vorstand bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: „Dazu gehört auch, dass T-Systems genügend Techniker in die betroffenen Praxen schickt. Das darf nicht dem Arzt aufgebürdet werden.“

Nach Informationen des Handelsblatts aus dem Umfeld des Bundesministeriums für Gesundheit ist der Grund dafür, dass T-Systems den Lieferantenvertrag mit Secunet geschlossen hat und nicht einfach komplett ausgestiegen ist, um der Frage nach der Neuinstallation aus dem Weg zu gehen, auch Folge des Drucks eines Anteilseigners der Telekom: der Bundesrepublik Deutschland.

Die Geräte verschiedener Hersteller ermöglichen den Zugang zum Gesundheitsdaten-Netzwerk. Quelle: T-Systems
Konnektor

Die Geräte verschiedener Hersteller ermöglichen den Zugang zum Gesundheitsdaten-Netzwerk.

(Foto: T-Systems)

Das Gesundheitsministerium versucht die seit Jahren schleppende Vernetzung des Gesundheitswesens seit dem Amtsantritt von Jens Spahn (CDU) mit engen gesetzlichen Fristen voranzutreiben, die bei einem Komplettausstieg von T-Systems vielfach kaum zu halten gewesen wären.

Doch auch bei dem jetzt kommunizierten Vorhaben schwingen Unsicherheiten mit. Da wäre zum Beispiel der „Kommunikationsstandard für Leistungserbringer” (KOM-LE), ein E-Mail-Dienst für Ärzte, der über die TI laufen soll. Gesetzlich gilt, dass ab Juli 2020 für die Kommunikation zwischen Ärzten nur noch KOM-LE von der GKV bezahlt wird.

Die jetzige Version des Konnektors ist aber zu KOM-LE nicht in der Lage. Das erforderliche Update wird T-Systems für den eigenen Konnektor wie erwähnt nicht anbieten. Den neuen Secunet-Konnektor bekommen die Ärzte aber erst, wenn die Vergütung allein für KOM-LE bereits gilt. In der Übergangszeit müssen sie somit auf eigene Kosten auf Dienste setzen, die nicht auf der TI basieren.

„Es werden nicht alle Ärzte schlagartig auf KOM-LE springen“, heißt es von T-Systems. Aus dem Umfeld des Gesundheitsministeriums heißt es: „Wir hören seit Jahren die Schwüre von T-Systems, verlassen werden wir uns da lieber nicht drauf.” Offiziell sieht das Ministerium den TI-Zeitplan nicht gefährdet.

Telekom hat sich verkalkuliert

Die Gründe für den Rückzug von T-Systems hängen wohl mit einer Fehleinschätzung des Marktpotenzials zusammen. Weil es um sensible Gesundheitsdaten geht, sind die Anforderungen an die Datensicherheit bei den Konnektoren hoch. Gleichzeitig ist der Markt beschränkt, Konnektoren sind eine rein deutsche Lösung. Das war auch der Grund dafür, dass sich gerade einmal vier Unternehmen in den Markt trauten.

Manche halten es für problematisch, dass man den wichtigsten Baustein des Projekts TI einem weitestgehend freien Markt überlassen habe. „Im Ergebnis hängt das Projekt an ökonomischen Entscheidungen der Hersteller. Das gesamte Projekt ist auf die freien Marktteilnehmer angewiesen, die aber nicht auf das Projekt“, sagt Butz von der Bundesärztekammer. Der Telekom selbst geben einige aber auch eine Mitschuld: Im Gesundheitsmarkt habe sie kaum Expertise und bei den Konnektoren viele falsche Entscheidungen getroffen.

Die Telekom will sich vom Projekt TI trotzdem nicht gänzlich verabschieden. Unter anderem als Reaktion auf die Recherchen des Handelsblatts informierte die Gematik am Mittwochabend ihre Gesellschafter. Dazu gehören der GKV-Spitzenverband sowie Ärztevertreter und der Bund als Mehrheitsgesellschafter. Die Gematik ist verantwortlich für den Aufbau der TI.

In dem Schreiben an die Gesellschafter, das dem Handelsblatt vorliegt, heißt es, T-Systems begründe sein Vorgehen mit einem Strategiewechsel. Der Konzern bestätigte das: Man wolle in der Zukunft das jetzige System, bei dem sich Ärzte wie auch Versicherte für den Zugang zur TI mit Chipkarten identifizieren, durch Softwarelösungen ersetzen, was den Hardware-Konnektor überflüssig mache: „Das dafür nötige Know-how ist die DNA der Telekom.“

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