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Tech-Branche „Herr Scholz, geben Sie die Milliarden frei“– Start-ups kämpfen um Rettungsschirm

Finanzminister Olaf Scholz hatte jungen Tech-Unternehmen zwei Milliarden Euro versprochen. Der Branchenverband will nun medial den Druck erhöhen.
24.04.2020 - 18:16 Uhr Kommentieren
Noch warten die Start-ups auf den vom Finanzminister versprochenen Schutzschirm. Quelle: dpa
Olaf Scholz

Noch warten die Start-ups auf den vom Finanzminister versprochenen Schutzschirm.

(Foto: dpa)

Hamburg, Berlin Die Ankündigung ausgerechnet am 1. April löste bei Berliner Start-up-Lobbyisten Euphorie aus: Einen Zwei-Milliarden-Euro-Schutzschirm speziell für aufstrebende Tech-Unternehmen kündigte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) damals an. Die Überzeugungsarbeit des vor wenigen Monaten neu formierten Bundesverbands Deutsche Startups hatte offenbar Früchte getragen.

Doch inzwischen sorgen sich die Gründer-Lobbyisten um die Umsetzung. Der Verband will nun erneut auch medial Druck machen.

„Wir haben eben erneut die Bestätigung erhalten, dass die zwei Milliarden Euro im Finanzministerium nicht freigegeben werden. Wir haben uns daher dazu entschieden, heute bereits zu eskalieren, einen Brief an Scholz zu schicken und gleichzeitig eine kleine Medienkampagne zu starten, um den Druck zu erhöhen“, heißt es in einer verbandsinternen WhatsApp-Nachricht, mit der die Lobbyisten am Donnerstag Unterschriften zusammenbekommen wollten. Die Nachricht liegt dem Handelsblatt vor.

Seit Beginn der Coronakrise hat der Start-up-Verband um seinen Chef Christian Miele vom Risikokapitalgeber Eventures wiederholt öffentlich für vielfältige Hilfen für die Branche geworben – unter anderem in einer Online-Pressekonferenz zusammen mit dem Digitalbeauftragten der Bundesregierung, Thomas Jarzombek (CDU). Jetzt soll der offene Brief den Druck verstärken.

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    In dem Schreiben an Scholz will der Verband demnach zum einen den Finanzminister dafür loben, „dass Sie die spezifischen Bedürfnisse von Start-ups erkannt haben“. Jetzt sei der schnelle Einsatz der „versprochenen maßgeschneiderten Instrumente erforderlich“.

    Der Brief endet in dem Appell: „Halten Sie Wort, Herr Minister Scholz! Geben Sie die zwei Milliarden Euro frei!“ Der Verband bestätigte auf Anfrage die Existenz des Briefs, der inzwischen 500 Unterzeichner habe und wohl am Wochenende veröffentlicht werden soll.

    „Während die übrigen Hilfsinstrumente bereits scharf gestellt worden sind, fehlt für die Start-up-Maßnahmen noch immer überhaupt ein Zeitplan“, sagte Christoph Stresing, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutsche Startups (BVDS). „Schnelligkeit ist nun das Gebot der Stunde.“

    Branche soll auch ins Risiko gehen

    Dabei gibt es für die zögerliche Umsetzung offenbar gute Gründe. Die Bundesregierung sucht einen Weg, mit der speziellen Lage der Branche umzugehen. Schließlich kalkulieren die gerade in der deutschen Szene starken Frühphasen-Investoren selbst in normalen Zeiten mit Ausfallraten von rund 80 Prozent bei ihren Investments. Deshalb will das Bundesfinanzministerium verhindern, solche Gründer zu unterstützen, deren Geschäftsidee ohnehin nicht überlebensfähig ist.

    „Das Thema ist komplex, denn wir reden bei der Unterstützung für Start-ups über eine Beteiligungsfinanzierung, bei der die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls höher ist als bei einer normalen Kreditfinanzierung“, teilte Staatssekretär Jörg Kukies am Freitag mit.

    Die Branche bevorzugt bislang ein sogenanntes Matching. Dabei soll der Staat Finanzierungsrunden von Wagniskapitalgebern aufstocken. So soll die Branche mit ins Risiko gehen.

    „Wir wollen die Start-ups schützen, nicht die Risikokapitalgeber. Daher ist eine Fördermaßnahme sinnvoll, bei der die Risikokapitalgeber eigenes Geld nachschießen, das dann vom Staat aufgestockt wird“, sagte etwa der Gründer des Risikokapitalgebers Lakestar, Klaus Hommels, dem Handelsblatt in dieser Woche.

    Kritiker zweifeln jedoch an den selbstlosen Absichten der Risikokapitalgeber. „Warum sollten die Risikokapitalgeber die Gatekeeper für Staatshilfe sein?“, fragt etwa Sven Schmidt, Mitgründer des Hamburger Investors ICS und Kritiker der Branche. Start-ups, die ohne Risikokapital finanziert seien, drohten so ausgeschlossen zu werden. Zudem hätten gerade die großen Risikokapitalgeber in den vergangenen Boom-Jahren sehr gut verdient und sollten nun nicht gleich um Staatshilfe bitten, kritisiert Schmidt.

    Die Bundesregierung rechnet allerdings mit einem baldigen Start des Milliarden-Schirms. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die Hilfen zügig auf den Weg bringen können. Wir stehen in engem und konstruktivem Austausch mit den Vertretern der Branche um ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten“, teilte Staatssekretär Kukies mit.

    Mehr: Start-up-Investor Klaus Hommels kritisiert Staatshilfe für Tui und Adidas

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