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Tech-Gigant Tencent will in Europa zehn Milliarden Dollar investieren – Fokus auf deutsche Hightech

Nach Alibaba nimmt der chinesische Digitalkonzern die Bundesrepublik in den Fokus. Die Firma will Milliarden investieren und deutsche Kunden für Cloudlösungen gewinnen.
23.12.2019 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Tencent: chinesischer Digitalkonzern will in Deutschland investieren Quelle: Reuters
Tencent

Das Unternehmen will seine Rolle als Investor ausbauen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Li Shiwei fühlt sich sichtlich wohl in seiner Rolle. Auf der Bühne in einem Frankfurter Hotel hat er Beispiele für Lösungen seines Unternehmens Tencent präsentiert. Künstliche Intelligenz, Cloudangebote und passgenaue Analyse von Kundenwünschen: Das Repertoire des chinesischen Technologiekonzerns reicht weit. Doch noch ist Tencent, das zu den größten Unternehmen der Welt zählt, in Deutschland wenig bekannt.

Bislang hat sich der chinesische Digitalkonzern weitgehend auf sein Geschäft in der Volksrepublik konzentriert. Die Aufgabe von Li Shiwei ist es, das als Europa-Präsident der Cloudsparte des Konzerns zu ändern. „2020 werden wir mehr als zehn Milliarden Dollar in Europa investieren, rund ein Drittel davon in Deutschland“, sagt Li im Interview mit dem Handelsblatt. Die vielen deutschen Manager, die unbedingt Visitenkarten mit ihm tauschen wollen, sind ein erster Beleg, dass der Ansatz zu funktionieren scheint.

In China hat Tencent bereits den deutschen Autobauer BMW als Partner gewonnen. In der Volksrepublik errichten beide Konzerne ein Datenzentrum für autonome Fahrzeuge. Tencent liefert das Fachwissen als Digitalkonzern. BMW steuert die Kompetenz aus der Automobilindustrie bei.

„Die Zusammenarbeit zwischen der BMW Group und Tencent wird für die branchenübergreifende Zusammenarbeit neue Maßstäbe setzen“, versprach BMW-Chinachef Jochen Goller zum Start der Partnerschaft. Geht es nach Tencent, soll das Modell Schule machen.

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Standort erkennen

    Das Ziel von Li besteht darin, deutsche Firmen als Kunden für die eigenen Dienste zu gewinnen. Gleichzeitig ist er die Vorhut der Europa-Expansion des Konzerns. Derzeit beschäftigt Tencent zwanzig Mitarbeiter in seiner Europa-Zentrale in Frankfurt, doch die Zahl soll in den nächsten Jahren deutlich steigen. „Deutschland ist der wichtigste Markt außerhalb Chinas“, sagte Li.

    Deutsche Spitzentechnik ist beliebt in Fernost. 2019 ist zu einem Wendejahr in den Beziehungen beider Länder geworden. Im Januar überrascht der Tencent-Rivale Alibaba mit einem besonderen Deal. Erstmals schnappte sich der chinesische Onlinehändler ein deutsches Start-up. Das auf Datenanalyse spezialisierte Unternehmen Data Artisans aus Berlin, das sich mittlerweile in Ververica umbenannt hat, wurde chinesisch. Alibaba kaufte sich gezielt deutsches Fachwissen ein. Nun könnte Tencent nachziehen – mit Übernahmen, Beteiligungen und einem eigenen Fokus auf Investitionen.

    Hinter dem Fokus steckt das Interesse an deutschen Technologien. Es könnte allerdings auch das Produkt von Geopolitik sein. Der Handelskonflikt zwischen Peking und Washington mache das Geschäft für chinesische Cloudanbieter in den USA schwieriger, sagte Branchenexpertin Rachel Liu von der Analysefirma IDC. Daher fokussierten sich chinesische Cloudanbieter deutlich stärker auf Märkte in Europa.

    Für Tencent dürfte noch ein weiterer Grund wichtig sein. Das Unternehmen steht nicht nur hinter dem Messangerdienst WeChat mit mehr als einer Milliarde Kunden, sondern ist auch das weltgrößte Unternehmen für Onlinespiele. Der Aufbau von Clouddiensten in Europa könnte Tencent helfen, mehr europäische Spieleanbieter in sein Ökosystem aufzunehmen und gleichzeitig die eigenen Spiele stärker an Kunden in Europa heranzutragen, vermutete Kevin Ji vom Beratungshauses Gartner.

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    Das Interesse chinesischer Technologiefirmen dürfte nicht auf Cloudangebote begrenzt bleiben. Europäisches Fachwissen ist für chinesische Firmen grundsätzlich interessant, hob der Schanghaier Technologieberater Georg Stieler hervor. „Deutsche Autohersteller und -zulieferer besitzen immer noch etwa 50 Prozent aller Patente zum autonomen Fahren“, sagte Stieler. Und amerikanische und chinesische Hersteller von automatischen Lagerhausfahrzeugen setzen auf Kamera- und Lasersysteme aus Deutschland.

    Gleichzeitig schlägt chinesischen Firmen deutlich mehr Misstrauen entgegen. Die Bundesregierung erwägt aus Angst vor chinesischer Cyberspionage einen Ausschluss des chinesischen Netzausrüsters Huawei vom deutschen Mobilfunk. Das Timing für Tencent ist ungünstig.

    Selbst der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) schlägt deutlich kritischere Töne zu China an. Anfang des Jahres bezeichnete der BDI China in einem Grundsatzpapier als „systemischen Wettbewerber“. Zudem hat die Bundesregierung die Außenwirtschaftsverordnung verschärft und kann jetzt leichter Übernahmen und Beteiligungen untersagen. Die Regeln könnten Tencent unmittelbar betreffen. Denn Cloudcomputing-Dienste zählt die Bundesregierung zur besonders sensiblen Infrastruktur.

    Chinesische Investoren als Bedrohung wahrgenommen

    Waren Investoren aus China einst gern gesehene Geldgeber, werden sie zunehmend als Bedrohung wahrgenommen. Das Verhältnis zwischen Europa und China verhärtet sich. Dazu trägt auch das Auftreten chinesischer Unternehmen bei. Zu den global erfolgreichsten chinesischen Technologieunternehmen gehört die Medienfirma Bytedance.

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    Mit der Kurzvideo-Plattform Tiktok erreicht sie im deutschsprachigen Raum nach eigenen Angaben mehr als vier Millionen Nutzer. Doch das deutsche Portal Netzpolitik.org berichtete über strenge Moderationsrichtlinien des Konzerns, die vorschreiben, bestimmte Inhalte zu zensieren, zu kontrollieren und zu unterdrücken. Zudem seien Videos von Menschen mit Behinderung gezielt versteckt worden. Bytedance argumentierte hingegen, das Vorgehen habe dazu gedient, Cyberbullying gegen die Menschen zu verhindern.

    Die Stimmung droht zu kippen. Das Vorgehen chinesischer Digitalkonzerne in Europa wird zunehmend mit der Strategie der chinesischen Führung in Verbindung gebracht. Der Geschäftsführer der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, warnte: „Chinas Streben nach weltweiter medialer Dominanz ist eine konkrete Gefahr für demokratische Länder.“ Dabei sprach er vom Vorgehen chinesischer Staatsmedien, er kritisierte aber auch die Strategie chinesischer Digitalplattformen wie Tiktok.

    Lesen Sie hier das ganze Interview mit dem Tencent-Europachef:

    Li Shiwei kündigt eine digitale Offensive in Deutschland an und sieht Tencent als perfekten Partner für die Digitalisierung.

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    1 Kommentar zu "Tech-Gigant: Tencent will in Europa zehn Milliarden Dollar investieren – Fokus auf deutsche Hightech"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Leider macht es auch kaum einen Unterschied, wer die Medien hier besitzt und uns belügt. Man sollte eben für Falschdarstellungen sowohl die Reporter als auch die Besitzer in zur Verantwortung ziehen und für eine plurale Medienlandschaft sorgen.

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