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Tech-Konzern Apple überrascht mit gutem Ausblick – und rüstet sich für den iPhone-Abschwung

Der Tech-Konzern steigert seinen Quartalsumsatz deutlich, doch der Anteil des iPhones rutscht unter 50 Prozent. Apple-Chef Tim Cook investiert viel, um das zu kompensieren.
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Noch für dieses Jahr ist der Start einer Kreditkarte, der Einstieg ins TV-Geschäft und ein Gaming-Dienst geplant. Quelle: AP
Apple-Filiale in Kalifornien

Noch für dieses Jahr ist der Start einer Kreditkarte, der Einstieg ins TV-Geschäft und ein Gaming-Dienst geplant.

(Foto: AP)

San Francisco Apple hat im vergangenen Quartal besser abgeschnitten als erwartet. Nach zuvor zwei Quartalen in Folge mit fallenden Umsätzen, konnte der iPhone-Hersteller nun seinen Gesamterlös im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent auf 53,81 Milliarden Dollar (48,2 Milliarden Euro) steigern.

Analysten hatten nur mit einem Quartalsumsatz von 53,4 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn schrumpfte allerdings von 11,5 Milliarden Dollar auf 10,04 – und sank damit zum dritten Mal in Folge.

Das hätte trotz der enormen Höhe des Nettogewinns ein Grund zur Besorgnis sein können, doch Apple gab im Analystengespräch einen positiven Ausblick auf das laufende Quartal. „Wir sind froh, eine Trendwende zu neuem Wachstum melden zu können“, sagte Vorstandschef Tim Cook am Mittwoch. Die Aktionäre sahen das genauso: Nachbörslich stieg die Apple-Aktie um fast fünf Prozent.

Für das laufende Quartal setzt Cook den Zielkorridor beim Umsatz bei 61 bis 64 Milliarden Dollar an, wobei ein „Gegenwind durch Wechselkursverluste“ in Höhe von einer Milliarde Dollar schon berücksichtigt sei. Diese Prognose, so Wedbush-Analyst Ban Ives, sei das Highlight der Quartalsbilanz.

Wall-Street-Analysten rechnen hingegen für das laufende Quartal nur mit einem Umsatz von 60,9 Milliarden Dollar. Im Jahr zuvor konnte Apple 62,9 Milliarden Dollar im vierten Quartal erwirtschaften.

iPhone macht wieder weniger als 50 Prozent des Umsatzes aus

Vor Apple hatten bereits die anderen großen US-Tech-Konzerne ihre Quartalsergebnisse präsentiert. Während Microsoft die Erwartungen in allen Sparten übertraf, Google fast eine Verdreifachung des Nettoergebnisses bekanntgab und sowohl Amazon als auch Facebook zweistellige Umsatzsteigerungen meldeten, zeigen die Ergebnisse von Apple, dass sich das Unternehmen in einem tiefgreifenden Wandel befindet.

So machte das iPhone mit einem Umsatz von 25,99 Milliarden Dollar erstmals seit 2012 wieder weniger als 50 Prozent des Konzernumsatzes aus. Mit Preissenkungen kurbelte Apple das Geschäft im zweitgrößten Markt China an und verhinderte damit einen noch deutlicheren Rückgang. Außerdem habe es Eintauschangebote gegeben, sagte Cook. Der fast 13-prozentige Umsatzverlust in der iPhone-Sparte – die Zahl der verkauften Geräte weist Apple nicht mehr aus – wurde jedoch durch Zuwächse in allen anderen Bereichen aufgefangen.

Vom iPhone bis zur Käsereibe – wie Chefdesigner Jony Ive Apple geprägt hat
Prägende Figur
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Jony Ive mit dem wohl wichtigsten Produkt, das er je gestaltet hat: Der Brite kam 1992 zu Apple, zunächst als externer Berater. Konzerngründer Steve Jobs machte ihn später zum Chefdesigner, der auch zum iPhone entscheidend beitrug.

(Foto: Bloomberg)
Der iMac
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Bunt und kugelig: Mit diesem Design hob sich der iMac von den vielen grauen PCs ab. Die ersten Generation kam 1998 auf den Markt, sie half Apple, die gefährliche wirtschaftliche Krise zu überwinden. Hier ist Jony Ive (links) zu sehen mit Jon Rubinstein, der später mit dem Palm Pre ein weiteres ikonisches, allerdings kommerziell wenig erfolgreiches Produkt entwickelte.

(Foto: AP)
Steve Jobs zeigt den iPod
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MP3-Player gab es zuhauf, doch mit dem iPod setzte Apple 2001 neue Maßstäbe – hier zeigt Steve Jobs eine überarbeitete Version. Die Bedienung mit dem Rädchen, mit der Nutzer durch ihre Musiksammlung blättern konnten, war revolutionär einfach. Und in Verbindung mit iTunes sorgte der iPod dafür, dass Nutzer für Musik wieder zahlten. Keine Selbstverständlichkeit in Zeiten von Napster und Gnutella.

(Foto: AP)
Das erste iPhone
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Entscheidenden Einfluss hatte Ive auch bei der Entwicklung des iPhone – hier die erste Generation, die Steve Jobs 2007 vorstellte. Das Gerät liege wunderbar in der Hand, schwärmte der charismatische Unternehmenschef damals und brachte damit wohl die Maxime seines obersten Ästheten auf den Punkt.

(Foto: AFP)
iPhone XR
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Das iPhone hat Apple zum wertvollsten börsennotierten Konzern der Welt gemacht. Daher verwundert es nicht, dass das Unternehmen das Produkt stetig weiterentwickelt. Das iPhone XR, über das Ive und Cook hier sprechen, hat einen randlosen Bildschirm.

(Foto: imago images / VCG)
iPhones mit iOS 7
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Auch die Software gestaltete Chefdesigner Ive mit. So spielte er bei der Neugestaltung des Betriebssystem iOS 2013 eine wichtige Rolle: Anstelle Materialien von physikalischen Produkten nachzuahmen – der Kalender sah etwa aus wie ein in Leder gefasstes Ringbuch –, führte Apple durchgehend ein modernes, abstraktes Design ein.

(Foto: AFP)
Apple Watch
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Die Bühne überlässt Jony Ive lieber anderen, hier stellt Tim Cook die neue Generation der Apple Watch vor. Gerade die Uhr war dem Briten aber ein Herzensanliegen. Mit dem Gerät, das über wechselbare Armbänder verfügte und auf Modenschauen zu sehen war, positionierte sich Apple mehr denn je als eine Designfirma.

(Foto: Reuters)

Vor allem die Servicesparte, Apples zweitgrößter Geschäftsbereich, legte mit 11,46 Milliarden Dollar und einem Plus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr kräftig zu. Sie deckt damit gut 20 Prozent des Konzernumsatzes ab. In dem Bereich sind unter anderem Abo-Dienste wie Apple Music und iCloud gebündelt, ebenso wie Dienstleistungen wie iTunes, Apple Pay, Apple Care oder App-Store-Gebühren.

Die Sparte ist ein erklärtes Wachstumssegment von Cook. Apple ist laut dem CEO auf einem guten Weg, das selbstgesteckte Ziel einer Verdoppelung der Umsatzzahlen der Servicesparte bis 2020, gemessen an den Zahlen aus dem Jahr 2016, zu erreichen. Im Schlussquartal 2016 betrugen die Service-Umsätze 7,17 Milliarden Dollar. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2020 werden demnach rund 14,34 Milliarden Dollar anvisiert. Mit dem Wachstum in der Sparte will Apple für eine weitere Abschwächung des Smartphone-Marktes gerüstet sein.

Apple-Kreditkarte soll noch 2019 auf den Markt kommen

Cook investiert viel, um sein Ziel zu erreichen. Noch für dieses Jahr ist der Start einer Kreditkarte, der Einstieg ins TV-Geschäft und ein Gaming-Dienst als Konkurrenz zu Google und Microsoft geplant. Apple warnt aber, zu früh mit signifikanten Umsatzbeiträgen der neuen Dienste zu rechnen. Denn branchenüblich seien immer mehrere kostenlose Testmonate, bevor sich die Kunden entscheiden müssten, tatsächlich ein Abo abzuschließen.

Aktuell meldet Apple 420 Millionen zahlende Kunden für seine Dienstleistungen. Apple-Finanzchef Luca Maestri glaubt jedoch, dass die neuen Dienste diese Basis deutlich verbreitern werden.

Dies ist auch gleichzeitig die größte Veränderung, die Tim Cook einleiten will: Den Wandel vom Hardwareverkäufer mit einem einmaligen Umsatz pro Gerät, hin zu einem Service-Anbieter mit angeschlossenem Hardwareverkauf, der mit jedem abgesetzten Gerät über Jahre kontinuierlich weitere Umsätze erzielt. Diese Taktik ist jedoch nicht ohne Risiken.

So bereitet die EU derzeit eine tiefgreifende Untersuchung über mögliche Wettbewerbsverstöße gegen Apples Praktiken im Servicebereich vor. Die Ermittlungen gehen auf eine Beschwerde des Musikdienstes Spotify zurück. Der Streaming-Dienst fühlt sich benachteiligt, weil er im ersten Jahr für Abo-Abschlüsse innerhalb der iPhone-App 30 Prozent der Erlöse an Apple abgeben muss, im zweiten Jahr werden dann 15 Prozent verlangt.

Das behindert laut Spotify Innovationen und den Wettbewerb. Apples Vorgehen zwinge Drittanbieter wie Spotify somit dazu, ihre eigenen Produkte so lange künstlich zu verteuern, bis sie teurer als die von Apple selbst angebotene Alternative Apple Music seien.

Die konkreten Auswirkungen der EU-Untersuchungen sind allerdings noch viele Monate oder Jahre entfernt. Trotzdem wird das Umfeld für Anbieter wie Apple, Google oder Amazon immer rauer. Denn auch das US-Justizministerium will die Praktiken genau unter die Lupe nehmen, mit denen sich die Unternehmen der sogenannten „Plattform-Economy“ ihre teils enorme Marktmacht erarbeitet haben. Dies könnte zur Folge haben, dass Anbieter wie Apple oder Google keine eigenen Produkte in ihren Stores mehr anbieten dürfen, was das Aus für Apple Music oder Apple-TV bedeuten könnte.

Doch auch für eventuelle Rückschläge ist Cook gewappnet. Im abgelaufenen Quartal hat Apple nach eigenen Angaben rund 21 Milliarden Dollar an die Aktionäre zurückgezahlt. Allerdings waren nur 3,6 Milliarden Dollar davon echte Dividenden. 17 Milliarden Dollar wurden aufgewendet, um 88 Millionen Apple-Aktien aus dem Markt zurückzukaufen. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, dass sich die Apple-Aktie in jüngster Zeit vollkommen entgegengesetzt zum Trend des S&P-500-Aktienindexes entwickelt hat, in dem sie gelistet ist.

Mehr: Mit dem Intel-Geschäft mit Smartphone-Modems bekommt Apple mehr als 17.000 Mobilfunk-Patente und übernimmt zudem rund 2000 Mitarbeiter.

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