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Tech-Konzern Warum Huawei sich nur schwer von Google emanzipieren kann

US-Partner wie Google und Chiphersteller wenden sich vom chinesischen Tech-Konzern ab. Huawei kündigt ein eigenes Betriebssystem an. Doch die Erfolgsaussichten sind gering.
4 Kommentare
In London hat die Huawei-Tochter ihr neues Smartphone präsentiert. Quelle: AP
Honor 20

In London hat die Huawei-Tochter ihr neues Smartphone präsentiert.

(Foto: AP)

DüsseldorfDie Bühne in London zeigt lachende Frauen, die Fotos mit ihren Smartphones machen. Dann tritt der Präsident der Huawei-Marke Honor auf die Bühne. „Unsere Produkte verbinden Millionen von Menschen auf der Welt“, schwärmt er. Die Marke des chinesischen Technologie-Konzerns sei gerade einmal fünfeinhalb Jahre alt. Und trotzdem habe sie sich global bei jungen Menschen etabliert.

Zhao versucht, positive Stimmung zu verbreiten. Sein Unternehmen hat nach London geladen, um die neue Produktreihe Honor 20 vorzustellen. Das Geschäft muss weitergehen.

Vor einigen Tagen hat die Regierung von US-Präsident Donald Trump die Muttergesellschaft Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt, seitdem wollen Google und mehrere Chiphersteller den chinesischen Elektronikkonzern nicht mehr beliefern.

Honor-Präsident George Zhao redet auf der Bühne lange über die Kamera, den Sound und die Farboptionen, die seine Firma bei den neuen Modellen anbietet. Zum Betriebssystem sagt er aber kein Wort.

Auch auf mehrmalige Nachfrage lehnt die Pressestelle des Unternehmens eine Stellungnahme dazu ab. Auf den Smartphones für den europäischen Markt installiert die Firma normalerweise Android, also die Software von Google. Aber was ist derzeit normal?

Die Präsentation zeigt, in welcher schwierigen Lage Huawei derzeit ist. Der Hersteller will die Nummer eins im Smartphone-Markt werden, in den vergangenen Jahren ist er stark gewachsen – auch weil er in Europa und Asien beliebt ist.

Dabei ist er allerdings auf Partner wie Google angewiesen. Außerhalb von China geht es nicht ohne die Apps und Dienste, die der Internetkonzern zur Verfügung stellt.

Huawei könne sich jedoch unabhängig machen und noch in diesem Jahr in China und im kommenden Jahr international ein eigenes Betriebssystem starten, kündigte Richard Yu an, der bei Huawei die Konsumgütersparte verantwortet. „Heute stehen wir noch zu Windows von Microsoft und Android von Google. Aber wenn uns deren Nutzung untersagt wird, wird Huawei einen Alternativplan verfolgen und ein eigenes Betriebssystem nutzen“, sagte Yu dem US-Fernsehsender CNBC am Donnerstag.

Die US-Regierung hatte Huawei Ende vergangener Woche auf eine „Entity List“, eine Art schwarze Liste gesetzt. US-Firmen ist es dadurch untersagt, ohne ausdrückliche Genehmigung der Behörden Geschäfte mit Huawei zu machen.

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Als eine der ersten Firmen kündigte Google an, seine Beziehungen zu Huawei zumindest teilweise auszusetzen. Nach einer 90-tägigen Übergangsphase kann der Hardwarehersteller damit nicht mehr die Dienste des Internetkonzerns anbieten, also weder den Play Store, über den Nutzer Apps herunterladen, noch den Kartendienst Maps und das E-Mail-Postfach Gmail, um nur einige Beispiele zu nennen.

Chiphersteller wenden sich von Huawei ab. Laut einem Bericht der britischen BBC will auch Chipschmiede ARM die Zusammenarbeit mit Huawei beenden. Das würde das chinesische Unternehmen besonders schwer treffen. Denn die ARM-Technik wird für nahezu sämtliche Mobilprozesse in Smartphones eingesetzt. Zudem kündigten die britischen Mobilfunkmarken Vodafone und EE an, Huawei-Smartphones aus ihrem künftigen 5G-Angebot zu nehmen.

2018 hatte das US-Handelsministerium Unternehmen bereits verboten, Bauteile und Technologie an den chinesischen Smartphone-Hersteller ZTE zu verkaufen. Vordergründig ging es um den Verstoß gegen Handelssanktionen, hintergründig aber auch um den Konflikt zwischen den USA und China. In diesen wird mit Huawei nun der wohl angesehenste Hardwarehersteller der Volksrepublik hineingezogen.

Firmen benötigen Genehmigung für Lieferung an Huawei

Alle US-Firmen müssen nun eine Genehmigung einholen, bevor sie Produkte, Software oder Technologien an den chinesischen Konzern liefern. Das gilt für Facebook mit den Tochterfirmen Whatsapp und Instagram und die Onlinehändler Amazon und Ebay genauso wie für den Spieleanbieter Electronic Arts. Auch ausländische Unternehmen sind betroffen, wenn 25 Prozent der Software „Made in USA“ ist.

Diese Genehmigungspflicht sei eine massive Beschwernis, betont Julia Pfeil, Rechtsanwältin bei der Wirtschaftskanzlei Dentons. „Die Maßnahme kommt weitgehend einem Verbot gleich“, sagt die Spezialistin für Außenwirtschaftsrecht dem Handelsblatt. Die Ablehnung sei der Normalfall – ein Anbieter müsse begründen, warum er ausnahmsweise ein Produkt liefern dürfe. „Viele Unternehmen machen das erst gar nicht.“

Das Betriebssystem Android kann Huawei weiter nutzen – der Kern ist mit einer Open-Source-Lizenz verfügbar, jeder kann also den Quellcode nutzen und für eigene Zwecke anpassen. Das tut der Elektronikhersteller bereits jetzt: In China verkauft er Geräte mit einem angepassten Android-Betriebssystem.

„Es gibt vermutlich kaum eine Smartphone-Marke, die so wenig auf Android angewiesen ist wie Huawei“, sagt der Technologieexperte Marton Barcza, der mehrere Jahre für den chinesischen Smartphone-Hersteller Oppo gearbeitet hat und den Youtube-Kanal TechAltar betreibt. Huawei passe Android für seine Zwecke an. Gleichzeitig arbeite das Unternehmen an einem komplett eigenen Betriebssystem.

Müssen Huawei-Nutzer jetzt auf Android verzichten?

Doch neben der Software sind die Anwendungen wichtig – nicht umsonst ist der Werbeslogan „Es gibt eine App dafür“ zum geflügelten Wort geworden. International hat Google die wichtigste Plattform aufgebaut, sieht man von Apple ab, dessen App Store aber nur auf iPhones und iPads zur Verfügung steht.

So dürfte das Huawei-Konzept außerhalb Chinas schnell an Grenzen stoßen, warnt Barcza. Zwar könne Huawei sein eigenes System auch im Rest der Welt ausrollen, doch beim Einsatz von Applikationen gebe es große Beschränkungen, weil viele Nutzer daran gewöhnt seien, Google-Apps zu nutzen.

Doch nicht nur Endverbraucher setzen auf Google, auch die Hersteller von Apps nutzen Dienste des US-Konzerns. „Die Herausforderung ist immens, weil die meisten Android-Applikationen außerhalb Chinas unter der Voraussetzung geschrieben werden, dass Zugang zu Google-Diensten besteht“, sagt Barcza.

So könnten viele Apps nicht mehr eingesetzt werden, die auch im Hintergrund auf Services des US-Konzerns zurückgreifen. Huawei müsse zunächst Entwickler davon überzeugen, dass es sich lohnt, ihre Produkte aufwendig an die Google-freie Plattform des chinesischen Herstellers anzupassen.

Huawei entwickelt Konkurrenzmodell zu Googles Play Store

Huawei versucht, eine eigene Produktwelt aufzubauen. Mit der „App Gallery“ entwickelt der chinesische Anbieter ein Konkurrenzmodell zum Play Store von Google. Diese Plattform gibt es seit einigen Jahren in China, seit Anfang 2018 steht sie auch in anderen Ländern zur Verfügung. Nutzer können darüber Anwendungen herunterladen – wie viele es sind, teilt Huawei nicht mit, lediglich, dass in Europa monatlich zwölf Millionen Menschen die Plattform nutzen.

In einer Stellungnahme von Huawei heißt es: „Huawei wird weiterhin Sicherheitsupdates und After-Sales-Services für alle bestehenden Huawei und Honor Smartphone- und Tablet-Produkte anbieten.“ Das betreffe sowohl Geräte, die schon verkauft wurden, als auch jene, die weltweit noch auf Lager seien.

Das Statement hat jedoch bei vielen Kunden und Unternehmen für Verwirrung gesorgt. Huawei habe zwar Sicherheitsupdates angekündigt, doch Funktionsupdates wurden nicht erwähnt. Damit könnten die Geräte von der Fortentwicklung des Android-Systems abgekoppelt sein. „Wir bekommen jeden Tag sehr viele Anfragen von unseren Kunden. Aber wir können ihnen auch nicht viel sagen“, sagt der Mitarbeiter eines großen Mobilfunkunternehmens in Deutschland.

In Deutschland vertreiben Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Mobilfunkverträge zusammen mit Endgeräten – darunter auch Huawei. Doch bei mehreren Konzernen laufen Erwägungen, Huawei möglicherweise übergangsweise aus dem Sortiment zu nehmen. „Wir haben Sorge, dass wir unseren Kunden Produkte verkaufen, die nach kurzer Zeit nicht mehr in vollem Umfang funktionieren“, sagt der Mitarbeiter des Mobilfunkunternehmens.

Der Elektronikhersteller investiert offenbar, um das Angebot auszubauen. So werbe er um Softwareentwickler und Mobilfunkanbieter, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf interne Dokumente und Insider. Firmen, die Apps entwickeln, biete Huawei beispielsweise Unterstützung beim Marketing an – auch in China.

Zudem habe der Konzern mit mehreren Netzbetreibern darüber gesprochen, die App Gallery auf Geräten vorzuinstallieren, zusätzlich zum Play Store von Google. Dabei sei eine lukrative Umsatzbeteiligung in Aussicht gestellt worden, erklärte ein Insider gegenüber Bloomberg.

Auf Nachfrage will sich das Unternehmen jedoch nicht äußern, wie viele Apps derzeit in der App Gallery geführt werden. Noch will es informieren, wie groß der Anteil von Entwicklern aus den USA ist. In Europa gebe es aktuell zwölf Millionen monatlich aktive Nutzer sowie 100 Millionen Downloads im Monat, sagte eine Huawei-Sprecherin.

Große Konzerne mit Android- und iOS-Alternativen gescheitert

Ein eigenes Betriebssystem aufzubauen dürfte für Huawei schwierig werden. Schon internationale Konzerne wie Microsoft und Nokia sind allerdings damit gescheitert, eine Alternative zu Android und iOS aufzubauen – trotz massiver Investitionen. Und Samsung, Marktführer bei Smartphones, verbreitet über den Galaxy Store eigene Apps sowie Sticker und Bildschirmhintergründe, bietet aber keinen Ersatz für die Dienste von Google.

„Ich bezweifle, dass Huawei außerhalb von China eine dritte große Plattform aufbauen kann“, sagt Carolina Milanesi, Analystin der Firma Creative Strategies. Der Aufwand sei groß, von der Entwicklung des Betriebssystems über die Bereitstellung von Schnittstellen bis zur Unterstützung der Entwicklung. Große Fortschritte habe sie beim chinesischen Konzern noch nicht beobachtet.

Nun muss Huawei bis auf Weiteres ohne Google, Facebook, Twitter und die vielen anderen US-Apps auskommen. „Wenn die Verbraucher keinen Zugang zu den Diensten von Google haben, werden sie die Geräte nicht in Betracht ziehen – so einfach ist es“, sagt Milanesi.

Auch wenn sich Huawei mit der US-Regierung einigt und wieder mit den amerikanischen Zulieferern zusammenarbeiten kann: Der aktuelle Fall dürfte in der chinesischen IT-Industrie für Diskussionen sorgen.

Der Handelskonflikt biete den Unternehmen einen starken Anreiz, ein eigenes Betriebssystem für vernetzte Geräte zu entwickeln, erklärt Ben Wood von der Firma CCS Insight – trotz aller Hürden. „Angesichts der Nachrichten wird das immer wahrscheinlicher.“ Eine Situation wie jüngst in London will das Management um jeden Preis verhindern.

Mehr: Mehrere US-Konzerne folgen dem Bann von US-Präsident Trump und beenden die Zusammenarbeit mit Huawei. Die Folgen könnten immens sein: Die Smartphones des chinesischen Herstellers drohen vom Überflieger zum Ladenhüter zu werden.

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4 Kommentare zu "Tech-Konzern: Warum Huawei sich nur schwer von Google emanzipieren kann"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warum sollte Huawei nicht ein eigenes Betriebssystem auf die Reihe bringen? Dies kann Huawei mit anderen asiatischen und auch europäischen Unternehmen als Alternative zu Googles Android herausbringen. Bei gemeinschaftlichen Entwicklungen muss man auch nicht von Spionage Software ausgehen. Insofern gehe ich von guten Erfolgsaussichten aus.

  • Ich sehe die Chancen für Huawei keineswegs schlecht, sich in wenigen Jahren neben den Google-Applikationen auch im Westen als zumindest ebenbürtige Plattform zu etablieren. Das Betriebssystem selbst kann es als Open Source weiter nutzen, und auf der Anwendungsebene geschieht gerade ein Paradigmenwechsel, durchaus vergleichbar mit dem vor 50 Jahren , als sich das winzige Start-Up SAP von ihm mit einer neuen Software-Architektur an die Spitze der Informatik-Unternehmen tragen ließ.

    Dagegen ist Huawei schon jetzt keineswegs mehr winzig, ganz im Gegenteil. Und, wie Sie schreiben, gestaltet es diesen Paradigmenwechsel aktiv mit, durch Eigenentwicklungen, Zukäufe, Beteiligungen. Schon bei dem Wissenschaftstheoretiker Thomas Kuhn läßt sich nachlesen, warum Vertreter eines alten Paradigmas in einem neuen in aller Regel untergehen - denken Sie nur an die IBM. Für diese prophezeiten damals, vor 50 Jahren, alle, daß es in wenigen Jahrzehnten die einzige Computer- und DV-Firma überhaupt sein werde.

    Das neue Paradigma ist die Digitalisierte Linguistische KI. Sie macht fast alles anders als die traditionelle Informatik, genauso wie Microsoft und SAP und Oracle damals. Die ersten Hochschulinstitute für sie werden bereits etabliert und die ersten Applikationsprodukte auch bei großen Anwendern installiert.

    Ich würde mich nicht wundern, wenn Huawei Google bereits als Vergangenheit betrachtet, und damit als eher lästig, wie für den Einzelhandel nach der Währungsreform die Lebensmittelkarten. Ich freue mich schon auf diese Entwicklung, aus eigenem Erleben ebenso wie auf ihre kluge Dokumentation im Handelsblatt.

  • Ich sehe die Chancen für Huawei keineswegs schlecht, sich in wenigen Jahren neben den Google-Applikationen auch im Westen als zumindest ebenbürtige Plattform zu etablieren. Das Betriebssystem selbst kann es als Open Source weiter nutzen, und auf der Anwendungsebene geschieht gerade ein Paradigmenwechsel, durchaus vergleichbar mit dem vor 50 Jahren , als sich das winzige Start-Up SAP von ihm mit einer neuen Software-Architektur an die Spitze der Informatik-Unternehmen tragen ließ.

    Dagegen ist Huawei schon jetzt keineswegs mehr winzig, ganz im Gegenteil. Und, wie Sie schreiben, gestaltet es diesen Paradigmenwechsel aktiv mit, durch Eigenentwicklungen, Zukäufe, Beteiligungen. Schon bei dem Wissenschaftstheoretiker Thomas Kuhn läßt sich nachlesen, warum Vertreter eines alten Paradigmas in einem neuen in aller Regel untergehen - denken Sie nur an die IBM. Für diese prophezeiten damals, vor 50 Jahren, alle, daß es in wenigen Jahrzehnten die einzige Computer- und DV-Firma überhaupt sein werde.

    Das neue Paradigma ist die Digitalisierte Linguistische KI. Sie macht fast alles anders als die traditionelle Informatik, genauso wie Microsoft und SAP und Oracle damals. Die ersten Hochschulinstitute für sie werden bereits etabliert und die ersten Applikationsprodukte auch bei großen Anwendern installiert.

    Ich würde mich nicht wundern, wenn Huawei Google bereits als Vergangenheit betrachtet, und damit als eher lästig, wie für den Einzelhandel nach der Währungsreform die Lebensmittelkarten. Ich freue mich schon auf diese Entwicklung, aus eigenem Erleben ebenso wie auf ihre kluge Dokumentation im Handelsblatt.

  • Was sollte man den von der HP Presse auch für einen anderen Kommnetar zu dem Zhema erwarten.

    Am Ende werden alle überrascht sein.

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