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Tech-Konzern Zuckerberg verkündet starke Zahlen – und muss doch die US-Aufseher fürchten

Facebook liefert starke Umsatzzahlen. Doch die Anforderungen der Regulierer könnten künftig aufs Geschäft drücken. Die Handelsbehörde FTC untersucht nun mögliche Wettbewerbsverstöße.
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Facebook bleibt im Visier der Aufseher Quelle: Reuters
Facebook

Am Dienstag kündete das US-Justizministerium an, die Marktmacht großer Tech-Konzerne zu untersuchen.

(Foto: Reuters)

New York Facebook bleibt im Visier der US-Aufseher. Die Handelsbehörde FTC hat eine offizielle Untersuchung wegen möglicher Wettbewerbsverstöße eingeleitet, wie das Soziale Netzwerk am Mittwoch bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen mitteilte.

Dabei hatte der Konzern erst wenige Stunden zuvor eine Einigung mit der Behörde im Datenschutzskandal um Cambridge Analytica erzielt. Facebook zahlt eine Strafe von fünf Milliarden Dollar und ist zu einer Reihe von strukturellen Änderungen bereit, die auch CEO Mark Zuckerberg stärker in die Pflicht nehmen. Erst am Dienstag kündete das US-Justizministerium an, ebenfalls die Marktmacht großer Tech-Konzerne zu untersuchen.

Der Facebook-Chef hat einen umfassenden Umbau des Sozialen Netzwerks angekündet, zu dem auch die Töchter-Apps Messenger, Whatsapp und Instagram gehören. Schon im März signalisierte er einen neuen Fokus auf Privatsphäre und Verschlüsselung.

Das zu erreichen werde mehrere Jahre dauern und könnte sich negativ aufs Geschäft auswirken, warnte Zuckerberg am Mittwoch. Unter anderem investiere Facebook deutlich in Sicherheit und Privatsphäre und baue derzeit eine neue Architektur auf, die „die sicherste und verlässlichste werden wird“, und die, die am meisten verbreitet ist, so Zuckerberg. Auch die Messenger App werde dazu gerade komplett neu programmiert, um wie bei Whatsapp End-zu-End-Verschlüsselung zu gewährleisten.

Die Initiative, zu der sich Facebook nach diversen Skandalen um Datenschutz, gefährdende Inhalte und Wahlkampfbeeinflussung entschlossen hat, wird auch das Geschäftsmodell vor neue Herausforderungen stellen. Facebook finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Werbeeinnahmen und analysiert im Detail das Verhalten, um ihnen passgenaue Werbung zu zeigen. Die Europäische Datenschutzverordnung sowie die eigene Initiative zu mehr Privatsphäre werden künftig zielgenaue Werbung erschweren, warnte Finanzchef David Wehner.

Noch jedoch brummt das Geschäft. Die Werbeeinahmen legten im zweiten Quartal um 28 Prozent auf 16,9 Milliarden Dollar zu. Trotz der anhaltenden Kritik von Politikern und Aufsehern: Die Nutzer sind von den vielen Skandalen offenbar nicht abgeschreckt.

Im Juni waren jeden Tag 1,59 Milliarden Menschen auf Facebook. Ein Plus von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der monatlichen Nutzer stieg ebenfalls um acht Prozent auf 2,41 Milliarden.

Die Strafe der FTC hat der Konzern aus dem kalifornischen Menlo Park locker verdaut. Facebook machte immer noch einen Gewinn von rund 2,6 Milliarden Dollar – etwa halb so viel wie ein Jahr zuvor, jedoch deutlich mehr als Analysten erwartet hatten. Facebook hatte im abgelaufenen Quartal weitere zwei Milliarden Dollar als Belastung aus den Datenschutz-Ermittlungen der US-Behörde FTC verbucht. Die Aktie legte nachbörslich um über vier Prozent zu.

Vorstand für Privatsphäre für Facebook-Produkte

Zuckerberg kündete an, im Rahmen der Einigung mit der Handelsbehörde auch einen Vorstand für Privatsphäre für die Facebook-Produkte einzuführen. Zudem soll es einen separaten Ausschuss im Kontrollgremium geben, der sich um das Thema kümmert.

„Unsere Vorstände, mich eingeschlossen, werden künftig garantieren, dass unsere Arbeit mit unseren Privatsphäre-Verpflichtungen übereinstimmt“, erklärte Zuckerberg. Sollte das nicht zutreffen könnten sowohl zivilrechtliche als auch strafrechtliche Klagen drohen.

Facebook muss künftig auch den Datenschutz von Drittanbietern auf der Plattform stärker überwachen und bei Verstößen konsequenter gegen sie vorgehen. Dem Online-Netzwerk wurde darüber hinaus auch untersagt, die Telefonnummern der Nutzer zur Personalisierung von Werbung zu verwenden, die sie eigentlich nur zu Sicherheitszwecken eingegeben haben.

„Die Einigung verschafft uns Klarheit“, betonte Zuckerberg. Doch sie wird auch die Entwicklung neuer Produkte verlangsamen, räumte er ein. Das Soziale Netzwerk auch weiterhin die Mitarbeiterzahlen ausbauen um für die neuen Compliance-Vorschriften, aber auch etwa für die bevorstehende Präsidentschaftswahl in den USA im kommenden Jahr gerüstet zu sein. Facebook kann sich nicht noch einmal vorwerfen lassen, manipulierende Wahlkampfwerbung aus dem Ausland zuzulassen. Schon im zweiten Quartal stiegen die Mitarbeiterzahlen um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf knapp 40.000.

Der Konzern baut zudem gerade die neue Einheit Calibra auf, die die Aktivitäten rund um die von Facebook konzipierte Kryptowährung Libra bündeln wird. Calibra-Chef David Marcus sagte vergangene Woche vor dem Senat und dem Repräsentantenhaus aus, stieß dabei jedoch auf deutlichen Widerstand.

Politiker beider Parteien haben sich extrem skeptisch gegenüber dem ehrgeizigem Projekt geäußert, ebenso wie Notenbanker und Aufsichtsbehörden. Im Repräsentantenhaus gibt es gar einen Gesetzesentwurf, um großen Technologiekonzernen die Einführung von eigenen Kryptowährungen zu verbieten.

Facebook hatte ursprünglich damit geplant, die Währung noch im ersten Halbjahr 2020 einzuführen. Libra wird von einem Konsortium von überwiegend amerikanischen Unternehmen gesteuert, das in der Schweiz sitzt. Die digitale Währung ist an einen Korb aus anderen Währungen wie dem Euro, dem Dollar und dem Pfund sowie an sichere Staatsanleihen gekoppelt. Von einem genauen Start-Datum nahm Zuckerberg am Mittwoch jedoch Abstand. „Wir haben eine Phase eröffnet, die so lange dauert wie nötig, um die Bedenken der Aufseher zu adressieren.“

Mehr: Facebook hat die Geldbuße im Rahmen eines Vergleichs mit den Behörden akzeptiert. Mark Zuckerberg darf beim Datenschutz nicht mehr allein entscheiden.

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