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Tech-Messe in Portugal Snowden warnt vor Datenklau, der Huawei-Chef freut sich auf 5G

Zur Eröffnung der Mega-Konferenz Web Summit treten ausgerechnet die momentan ärgsten Feindfiguren der US-Netzpolitik auf. Einig sind sie sich nicht.
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Web Summit - Snowden warnt, der Huawei-Chef jubelt Quelle: AFP
Edward Snowdens virtuelle Ansprache in Lissabon

Der Whistleblower war per Videoschalte beim Web Summit dabei.

(Foto: AFP)

Lissabon Es war eine seltsame Paarung, die am Montagabend in Lissabon die größte europäische Internet-Konferenz eröffnete: Erst sprach Whistleblower Edward Snowden per Livestream zu den 70.000 Besuchern, kurz danach Huawei-Präsident Guo Ping. Beide Redner einte, dass sie von den USA zu den größten Gefährdern der Internetsicherheit gezählt werden. Doch sonst waren beide wie Feuer und Wasser.

Internetkonferenzen schmücken sich gern mit einem virtuellen Snowden-Auftritt – zumindest in Europa. Vor sechs Jahren hatte Snowden die umstrittenen Späh-Methoden des US-Geheimdienstes NSA aufgedeckt. Seitdem ist er ein Held der Internetszene – auch wenn seine Thesen auf den kommerziellen Web-Konferenzen zwar Applaus, aber wenig Gehör finden. Denn an den Geschäftsmodellen von Big Data hat sich trotz seiner wiederholten Warnungen wenig geändert.

Huawei dagegen gilt den USA als Sicherheitsrisiko beim Aufbau von 5G-Funknetzen. Als Gegenmaßnahme will der chinesische Konzern europäische Entwickler und Unternehmen gewinnen, um eine Alternative zu den US-Services, vor allem zu Google, aufzubauen.

Erst also der Auftritt von Snowden: Web-Riesen wie Google und Facebook arbeiten in trauter Eintracht mit den Regierungen, warnte er. Die EU-Datenschutz-Grundverordnung sei zwar ein netter Ansatz. „Aber das Problem ist nicht der Schutz von Daten, sondern dass sie überhaupt gesammelt werden“, sagte Snowden. Daher sei die Richtlinie ein „Papiertiger“, der falsche Sicherheit vermittle.

Schließlich forderte Snowden erneut ein völlig neues Internet. „Egal ob Huawei oder Nokia – wir können niemandem trauen, weil jede Organisation ihr Eigeninteresse verfolgt“, warnte er. Gründer sollten nicht an ihre Nutzer appellieren, den Start-ups zu vertrauen. „Sie müssen Geschäftsmodelle anbieten, bei denen Ihnen niemand vertrauen muss“, sagte er.

Huawei wirbt für 5G und ignoriert die US-Sanktionen

Völlig anders kurz darauf Huawei-Chef Guo. Der Chinese warb für die Möglichkeiten der Funktechnik 5G – also für mehr Datenkonsum. Der chinesische Telekomriese nutzt den Web Summit, um europäische Entwickler zu umgarnen. Gleich zwei gigantische Förderprogramme stellte Guo vor: Über fünf Jahre will Huawei Entwickler, Universitäten und Start-ups mit 1,5 Milliarden Dollar unterstützen. Eine weitere Milliarde Dollar soll an Entwickler gehen, die explizit für Huaweis Smartphone-Ökosystem entwickeln.

Denn Huawei hat ein Riesenproblem: Mitte November läuft die Gnadenfrist aus, die die US-Regierung dem Konzern noch zugesteht. Danach dürfen bisherige Partner wie Google nicht mehr an Huawei liefern. Bei den neuesten Smartphones des Konzerns laufen dann wichtige Android-Anwendungen wie Googles Play-Store, Google Maps und Update-Funktionen nicht mehr.

Guo sprach die US-Sanktionen mit keinem Wort an – obwohl das Thema die Szene stark beschäftigt. Er ließ es damit im Unklaren, wie genau Huawei Google und Hardwarezulieferer ersetzen will – und wie der Konzern die US-Verdächtigungen kontern will. Für die Entwickler ist damit fraglich, ob sie noch auf Huawei als stabilen Partner setzen können. Mit einem ähnlichen Schweigen hatte Huawei zuletzt auch bei anderen Präsentationen verwirrt.

Unbeirrt pries Guo auch in Lissabon die Pläne von Huawei, mit immer mehr Netzbetreibern beim Aufbau von 5G-Netzten zusammenzuarbeiten. Der Ausbau gehe schneller voran als erhofft, behauptete er. Zugleich üben die USA starken Druck auf Regierungen aus, Huawei vom Netzausbau auszuschließen – offiziell aus Furcht, Huawei könne eine Hintertür ins 5G-Netz einbauen.

Das allerdings ist eine Furcht, die wohl auch Snowden teilt. „Jeder ist verletzlich, solange wir die Technologie des Internets nicht völlig ändern“, warnte er – und plädierte für sichere Verschlüsselung. Davon war in Guos Keynote allerdings nichts zu hören.

Das Web Summit in Portugal läuft noch bis zum Donnerstag. Schon am Dienstag will Huawei Entwickler über Details seiner neuen Förderprogramme informieren. Der für die Smartphone-Cloud zuständige Spartenmanager Alex Zhang, der dazu sprechen sollte, hat seinen Auftritt allerdings kurzfristig abgesagt – wie es hieß aus „Termingründen“.

Mehr: Portugal startet die digitale Aufholjagd. Das Land mausert sich zum Start-up-Standort und lockt auch mithilfe der Tech-Messe „Web Summit“ internationale Gründer und Investoren an.

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