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Tech-Metropole Warum Seattle das Zentrum der Coronakrise in den USA ist

Der Ausbruch der Corona-Epidemie trifft die Heimat von Amazon und Microsoft besonders hart. Die IT-Riesen setzen nun auf Prävention.
06.03.2020 - 09:44 Uhr Kommentieren
Die örtliche Highschool im Norden von Seattle ermahnt ihre Schüler, die Hände zu waschen. Quelle: AFP
Seattle in Corona-Angst

Die örtliche Highschool im Norden von Seattle ermahnt ihre Schüler, die Hände zu waschen.

(Foto: AFP)

San Francisco Noch kann man in der „Econo Lodge“ in Kent eine halbe Stunde südlich von Seattle Zimmer buchen. Doch das Budget-Motel wird wegen des Corona-Ausbruchs im Bundesstaat Washington bald keine Buchungen mehr annehmen. Der US-Bezirk King County, in dem auch die Großstadt Seattle liegt, hat es gekauft und will dort Corona-Infizierte einquartieren, die noch nicht so krank sind, dass sie in eines der Krankenhäuser in dem Landkreis müssen. Denn diese arbeiten bereits am Anschlag.

Washington State ist das Zentrum der Corona-Krise in den USA: In Snohomish County, dem südlichen Nachbarn von King County, wurde am 20. Januar der erste Corona-Fall der USA diagnostiziert – der 35-Jährige, der sich offenbar auf einer Reise ins chinesische Wuhan angesteckt hat, gilt inzwischen wieder als gesund. Zehn der 11 Todesopfer des Virus in den USA allerdings sind in Washington gestorben, davon acht in einem Pflegeheim in einem Vorort von Seattle. Mindestens 45 Infizierte zählt der Staat im Nordwesten der USA aktuell, alleine 31 in King County.

Der Landkreis ist auch Heimat einiger der größten Konzerne der Welt: Microsoft sitzt in Redmond, Amazon, das Reiseportal Expedia und die Cafe-Kette Starbucks in Seattle. Dazu haben andere Technologie-Konzerne wie Facebook und Google dort große Büros. So wirft die Corona-Krise auch die Arbeit in den Unternehmen mächtig durcheinander.

Amazon, Microsoft, Google und Facebook haben ihre Mitarbeiter in Seattle aufgefordert, soweit möglich, bis Ende März von zuhause zu arbeiten. Wenn Googles Mitarbeiter doch ins Büro kommen, sollen sie keine Gäste empfangen. Amazon bietet aktuell keine Touren in seinen Distributionszentren mehr an und führt mehr Vorstellungsgespräche per Videotelefonat statt persönlich durch.

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    Nicht notwendige Reisen werden abgesagt, was gerade die „South by Southwest“-Konferenz in Austin hart trifft – eine der wenigen Tech-Konferenzen in den USA, die, Stand Donnerstag, überhaupt noch stattfindet.

    Für mindestens fünf Mitarbeiter der Unternehmen kommen die Vorkehrungen bereits zu spät: Bei zwei Amazon-Mitarbeitern in Seattle wurde nach einer Reise nach Italien eine Infektion mit dem Coronavirus diagnostiziert. Auch ein Dienstleister im Facebook-Büro, der zuletzt am 21. Februar dort arbeitete, hat sich angesteckt – Facebook hat das Büro nun bis zum 9. März ganz geschlossen.

    Home Office wird zum Standard

    Am Donnerstagabend erklärte auch Microsoft, dass zwei Mitarbeiter sich angesteckt hätten. „Everyone in Seattle Tech is wfh“, schreibt ein Snapchat-Mitarbeiter im anonymen Szene-Forum Blind. „wfh“, die Abkürzung für „work from home“, ist die Vokabel der Stunde.

    Wie lange der Ausnahmezustand anhält, kann keiner abschätzen. Die Analyse eines Professors an der University of Washington lässt befürchten, dass sich das Virus in dem Staat noch stärker ausgebreitet hat als bisher angenommen. Trevor Bedford hat das Genom der Erreger von drei Patienten untersucht, die keinen Kontakt gehabt haben sollen und hat bei ihnen eine unwahrscheinlich hohe genetische Ähnlichkeit festgestellt.

    Das bedeutet: Die Ansteckung der drei Menschen hängt mutmaßlich miteinander zusammen, über eine Reihe weiterer Ansteckungen, die noch nicht öffentlich bekannt sind.

    Mike Famulare, Forscher am Institute for Disease Modeling in Bellevue nahe Seattle, schätzt die Zahl der Angesteckten dementsprechend auf 300 bis 500, die noch angesteckt oder schon wieder gesund sind. In seinem Extremszenario sind es sogar 1500 Menschen. Die Corona-Krise im Nordwesten könnte also noch lange anhalten und viele anstecken.

    Immerhin versuchen manche Angestellte der aktuellen Krise auch etwas Positives abzugewinnen. Wie Dan Barker, ein Produktmanager bei der SAP-Tochter Concur in Bellevue: „Von zuhause arbeiten senkt nicht nur das Corona-Risiko“, schreibt Baker auf Twitter. „Ich wette, es führt auch zu deutlich höherer Produktivität und Zufriedenheit. Lange Pendelzeiten sind auch schlecht für die Gesundheit.“

    Mehr: Die Angst vor dem Coronavirus steht in kaum einem Verhältnis zum wahren Risiko.

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