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Technologie Chipkrise: Autobauer kaufen direkt bei den Produzenten ein und umgehen ihre Zulieferer

Um Lieferengpässe zu vermeiden, suchen Automarken den Schulterschluss mit Chipfirmen. Ihre üblichen Lieferanten bleiben außen vor.
05.07.2021 - 13:03 Uhr Kommentieren
Der französische Autohersteller bezieht Halbleiter künftig direkt von ST Microelectronics, einem der größten Chipproduzenten Europas. Quelle: Reuters
Elektroauto von Renault

Der französische Autohersteller bezieht Halbleiter künftig direkt von ST Microelectronics, einem der größten Chipproduzenten Europas.

(Foto: Reuters)

München Es ist ein bemerkenswerter Deal: Renault wird seine Leistungshalbleiter künftig direkt vom Chiphersteller ST Microelectronics beziehen. Der Autobauer umgeht damit seine Zulieferer. „Diese Partnerschaft sichert uns die künftige Versorgung mit wichtigen Bauteilen“, sagte Renault-Chef Luca de Meo Ende Juni bei der Verkündung des Deals.

Mehr noch: ST Microelectronics wird für den französischen Autobauer maßgeschneiderte Lösungen entwickeln. Es gehe um Chips für Elektro- und Hybridfahrzeuge, teilten die Konzerne mit. Die Bauelemente sollen für niedrigere Batteriekosten, mehr Kilometer pro Ladung, kürzere Ladezeiten und insgesamt geringere Kosten für die Konsumenten sorgen.

So wie Renault werden künftig immer mehr Autohersteller unmittelbar mit den Chipherstellern zusammenarbeiten – oder sogar gleich selbst die Bauteile entwickeln, meint Gartner-Analyst Pedro Pacheco: „Die Autofirmen müssen mehr Kontrolle über die Hardware bekommen.“

Einerseits, um in Zukunft Lieferengpässe zu vermeiden, wie sie seit Monaten Fahrzeugwerke weltweit immer wieder lahmlegen. Andererseits aber können sie die Chips so optimal auf die Software in den Autos anpassen. Und Software sei es, die künftig eine von der anderen Marke unterscheide.

Bislang kaufen Autohersteller ihre Chips in größeren Systemen über Zulieferer wie Bosch, Continental oder ZF. Die wiederum bestellen bei Halbleiterkonzernen wie Infineon, NXP oder ST Microelectronics. Als einziger Autozulieferer unterhält Bosch eine eigene Chipfertigung.

Das System stößt aber an Grenzen. Die Beratungsgesellschaft Alix Partners rechnet damit, dass die Autoindustrie dieses Jahr bis zu vier Millionen Fahrzeuge weniger ausliefert als geplant, weil Chips fehlen. Das entspricht knapp fünf Prozent der Produktion. Im Juni hätten die Chipfirmen die Halbleiter geliefert, die Ende 2020 bestellt worden seien. Die Lage werde sich erst kommendes Jahr entspannen, warnt Alix.

Tesla besorgt sich die Chips schon selbst

Elektroautopionier Tesla bezieht Leistungshalbleiter für die Stromversorgung bereits seit Längerem direkt von ST. Außerdem haben die Amerikaner eigene Chips designt, die auf die Software abgestimmt sind.

„Die Autobauer werden engere Bande mit den Chipherstellern knüpfen“, ist Analyst Pacheco überzeugt. Das hat auch für die Halbleiterproduzenten Vorteile, wie der Deal von ST mit Renault zeigt. ST werde „von den erheblichen jährlichen Stückzahlen profitieren, die für die Leistungsmodule und Transistoren von 2026 bis 2030 garantiert werden“, so das französisch-italienische Unternehmen.

Wenn Autohersteller ihre eigenen Halbleiter entwickeln, können sie direkt bei dem US-Konzern einkaufen.. Quelle: dpa
Chips von Globalfoundries

Wenn Autohersteller ihre eigenen Halbleiter entwickeln, können sie direkt bei dem US-Konzern einkaufen..

(Foto: dpa)

Die Partner setzen dabei auf moderne Werkstoffe wie Siliziumkarbid und Galliumnitrid anstelle des bei Chips üblichen Siliziums. Durch große Mengen werden diese innovativen, aber teuren Materialien günstiger, was ST auch bei anderen Kunden hilft.

Womöglich werden selbst die Chiphersteller bald umgangen von den Autofirmen. Wenn die Automarken eigene Halbleiter entwickeln, können sie diese direkt bei Auftragsfertigern wie TSMC oder Globalfoundries produzieren lassen. „Allerdings wird nicht jeder Autobauer sich diese Fähigkeiten aufbauen können“, so Pacheco.

Mehr: Der weltweite Subventionswettlauf um die Chips: Industrie fordert von Europa Hilfen ein

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