Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Technologie Trump gegen China: Der Kampf um die Chipindustrie

Im Streit zwischen den USA und der Volksrepublik spielt die Halbleiterindustrie eine zentrale Rolle. Denn China tut sich mit einer eigenen Fertigung schwer.
08.06.2020 - 11:42 Uhr Kommentieren
Die Volksrepublik muss die Bauteile im großen Stil importieren, um den Bedarf zu decken. Quelle: AP
Halbleiterproduktion in Peking

Die Volksrepublik muss die Bauteile im großen Stil importieren, um den Bedarf zu decken.

(Foto: AP)

Peking, München Halbleiter sind das neue Öl. Zumindest glaubt das Donald Trump. Der US-Präsident setzt die starke Position seines Landes in der Chiptechnologie gezielt ein, um China die Grenzen aufzuzeigen. Der Politiker weiß genau, dass die Volksrepublik auf diesem strategisch wichtigen Feld auf Amerika angewiesen ist.

Ohne die winzigen Bauelemente geht nichts in der modernen Welt. Sie stecken in Smartphones, Computern und 5G-Masten, in Autos, Flugzeugen und sogar in Waschmaschinen. Ohne Chips könnte es deshalb bald vorbei sein mit dem chinesischen Exportwunder. Daher stehen sie im Mittelpunkt einer Auseinandersetzung zwischen den USA und China, die in den vergangenen Wochen eskalierte.

Trump versucht mit aller Macht, chinesische Unternehmen vom Zugang zu den modernsten Chips abzuschneiden. Sein jüngster Schritt: Er verbot, den chinesischen Vorzeige-Konzern Huawei mit Halbleitern zu beliefern, bei deren Produktion amerikanische Technologie eingesetzt wird.

Das sei ein Sicherheitsrisiko für die USA, argumentiert Trump. Der Bann trifft praktisch alle Chipanbieter, denn kaum einer kommt ohne US-Maschinen aus. Die chinesische Regierung vermutet allerdings, dass Trump mit dieser Entscheidung die Tech-Firmen ihres Landes schlichtweg ausbremsen will.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Trump trifft tatsächlich einen wunden Punkt der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. China ist zwar der größte Markt für Halbleiter. Die Chipbranche erzielte zuletzt in dem Land dem deutschen Branchenverband ZVEI zufolge gut ein Drittel ihres Umsatzes, Tendenz steigend.

    Die Halbleiterwerke in China stehen aber für weniger als ein Fünftel der globalen Industrieerlöse. Das heißt: Die Volksrepublik muss die Bauteile im großen Stil importieren, um den Bedarf zu decken. Bekommen die Fabriken keine ausländischen Chips, stehen die Bänder in China still.

    Marktanteil der Chinesen ist gering

    Damit nicht genug: Die Chips, die innerhalb der chinesischen Grenzen entstehen, stammen zum größten Teil aus Fabriken, die Ausländer betreiben. Chinesische Chipfirmen stehen nur für vier Prozent aller weltweiten Erlöse der Branche. Zum Vergleich: Konzerne aus dem wesentlich kleineren Taiwan kommen auf fünf Prozent, die südkoreanischen Anbieter sogar auf knapp ein Viertel. US-Hersteller beherrschen etwa die Hälfte des Weltmarkts.

    Beim Chipdesign hat China zwar aufgeholt. So zählt etwa HiSilicon, eine Tochterfirma von Huawei, zu den besten zehn Unternehmen auf diesem Gebiet. Doch bei der Produktion können es chinesische Unternehmen nicht mit der ausländischen Konkurrenz aufnehmen.

    Grafik

    Schon seit Jahren versucht die chinesische Regierung, das zu ändern. In der „Made in China 2025“-Strategie hat Peking im Jahr 2015 das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2025 bei „Schlüsselmaterialien“ autark zu sein. Von 2014 bis Juni 2020 kassierte die Industrie in China mindestens 50 Milliarden Euro an staatlichen Mitteln, sowohl auf nationaler als auch regionaler Ebene. Doch trotz der vielen Summen sind die Erfolge bescheiden.

    Die meisten Experten glauben nicht, dass China in nächster Zeit in der Chipindustrie aufholen wird. Die Ausgangsbasis sei „extrem klein und unentwickelt“, urteilen die Experten von IC Insights in einer aktuellen Analyse. Zudem werde es durch den Bann von Trump zunehmend schwieriger, fortschrittliche Fertigungsanlagen zu erwerben. Mit Firmen wie Applied Materials sitzen einige der wichtigsten Maschinenhersteller in den USA. Andere stammen aus den Niederlanden, aus Japan und Deutschland, etwa ASML, Nokia oder Carl Zeiss; es sind Länder, die auf gute Beziehungen zu Amerika Wert legen. Deshalb sei es für China kaum möglich, innerhalb der nächsten fünf Jahre und wahrscheinlich nicht einmal innerhalb der nächsten zehn Jahre bedeutende Fortschritte bei der Selbstversorgung zu machen.

    Im Zentrum des Streits steht Huawei

    Es gibt noch einen Grund, dass China sich so schwertut, die Branche aufzubauen: Die Chipherstellung ist extrem komplex und die Hersteller hüten ihr Wissen. Beispiel Infineon: Deutschlands größter Halbleiterproduzent erzielt zwar ein Viertel vom Umsatz in China. Damit ist es der wichtigste Markt für die Münchener. Dennoch betreibt der Dax-Konzern in dem Land ausschließlich Werke für die Weiterverarbeitung. Die Fabriken mit der höchsten Wertschöpfung sind alle außerhalb Chinas angesiedelt, in Deutschland, Österreich und Malaysia. Die neueste Fabrik entsteht gerade im vergleichsweise teuren Villach. Doch dort, so glauben die Bayern, ist ihr Know-how gut geschützt – im Gegensatz zu China. Zudem sind die vielen Fertigungsprozesse in der Industrie mit Patenten belegt, für China ist das eine hohe Hürde.

    Dennoch warnen Experten, dass die USA ihre eigene, dominante Position gefährden, indem sie chinesische Firmen davon abhalten, bei amerikanischen Unternehmen Chips zu kaufen. Die Führungsrolle der USA beruhe auf einem Innovationszyklus, der sich auf den Zugang zu den globalen Märkten stütze, heißt es in einer Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting Group. Nur dadurch werde eine Größenordnung erreicht, mit der sich die gewaltigen Ausgaben für Forschung und Entwicklung lohnen. Profitieren könnte in den nächsten Jahren die Konkurrenz aus Südkorea und langfristig dann China, schlussfolgern die Berater. In Südkorea sitzen mit Samsung und HK Hynix bereits heute zwei der größten Halbleiterhersteller der Welt.

    Eine Firma steht im Mittelpunkt des transpazifischen Chip-Disputs: Huawei, der weltweit zweitgrößte Smartphonehersteller und der global führende Netzwerkausrüster. Er ist das Kronjuwel der chinesischen Tech-Industrie. Bereits im vergangenen Jahr hat die US-Regierung das Unternehmen auf eine Art ‚Schwarze Liste‘ gesetzt. Der Verkauf oder Transfer von amerikanischer Technologie an ein Unternehmen oder eine Person auf der Liste erfordert die Genehmigung durch eine amerikanische Behörde.

    20 Jahre Aufholjagd

    Doch Huawei kam immer noch an die Chips, sehr zum Ärger der US-Regierung. Mitte Mai verschärften die USA daher die Restriktionen. „Wir müssen unsere Regeln ändern, die von Huawei und HiSilicon ausgenutzt werden, und verhindern, dass US-Technologien bösartige Aktivitäten ermöglichen, die den Interessen der nationalen Sicherheit und der Außenpolitik der USA zuwiderlaufen“, sagte Handelsminister Wilbur Ross – und untersagte Chipherstellern, die amerikanische Geräte verwenden, Huawei ohne Erlaubnis der US-Regierung zu beliefern.

    Derzeit arbeiten die Justiziare bei Huawei fieberhaft daran, eine Lösung zu finden. Denn das Unternehmen ist auf ausländische Chipproduzenten angewiesen, und die nutzen amerikanisches Equipment, um ihre Chips herzustellen. Bevorzugter Lieferant für Huawei war bislang der taiwanesische Auftragsfertiger TSMC.

    Der beste und bekannteste chinesische Produzent ist SMIC. Allerdings sind sich Branchenexperten einig, dass dessen Fähigkeiten noch lange nicht an die von TSMC heranreichen wird, auch wenn sich das Schanghaier Unternehmen in den vergangenen Monaten mit frischem Kapital versorgt hat. Immerhin versucht SMIC schon seit 20 Jahren in die Weltspitze vorzudringen. Bislang vergebens.

    Huawei hatte zwar mit neuen US-Sanktionen gerechnet. Der Konzern soll sich deshalb einen Vorrat an Chips angelegt haben, die bis Ende des Jahres ausreichen sollen. Ob und wie sehr die verschärften Regeln dem Unternehmen aber schaden werden, ist derzeit schwer absehbar. „Wir werden erst in einigen Monaten wissen, welche Auswirkungen die neuen Beschränkungen wirklich auf Huawei haben werden“, sagt Dan Wang, Technologieexperte beim Pekinger Analyseunternehmen Gavekal Dragonomics.

    Huawei sucht nach Alternativen

    Bei Huawei herrscht dem Vernehmen nach Kampfstimmung. Und auch Wang hält es nicht für ausgeschlossen, dass das Unternehmen einen Ausweg findet. „Viele Leute dachten, dass die Aufnahme von Huawei in die ‚Entity List‘ das Ende für das Unternehmen bedeuten würde“, so Wang. „Aber sie fanden eine substanzielle Lösung.“

    In Gesprächen mit Justiziaren sind Wang zwei rechtliche Interpretationen begegnet, die Huawei retten könnten. Erstens: Es könnte sein, dass die neuen Beschränkungen rein rechtlich nicht für Chips, die für Huawei hergestellt werden, gelten, da sie sich nur auf „direkte“ Produkte bestimmter US-Firmen beziehen. Ein Chip durchläuft jedoch viele verschiedene Firmen, bevor er zum Chip wird, sodass man argumentieren könnte, dass es sich rechtlich gesehen nicht um ein „direktes Produkt“ einer US-Firma handelt.

    Zweitens: „Huawei könnte seine Abläufe so ändern, dass die Firma mit dem Chip selbst nichts mehr zu tun hat“ so Wang. „Zum Beispiel: TSMC stellt den Chip in Taiwan her, und dann werden die Mobiltelefone von einem anderen Händler verkauft.“ Auch so könnte das Unternehmen den Restriktionen entgehen.

    Das Problem ist nur: Sobald die US-Regierung mitbekommt, wie Huawei die Restriktionen umschifft, wird sie auch diese Lücke schließen.

    Unter dem Streit leidet unterdessen die gesamte Chipindustrie – und damit leiden auch die US-Konzerne. Denn Huawei ist der drittgrößte Käufer von Halbleitern weltweit. Rund fünf Prozent vom gesamten Umsatz erzielt die Branche mit den Chinesen. Vergangenes Jahr gab der Konzern knapp 21 Milliarden Dollar für die Bauteile aus, so die Marktforscher von Gartner. Nur Apple und Samsung sind für die Chipproduzenten als Kunden noch wichtiger.

    Mehr: Die Chipindustrie trotzt der Krise – und investiert Milliarden.

    Startseite
    Mehr zu: Technologie - Trump gegen China: Der Kampf um die Chipindustrie
    0 Kommentare zu "Technologie: Trump gegen China: Der Kampf um die Chipindustrie"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%