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Technologiekonzern SAP erhält Anschubhilfe von Microsoft

Der Softwarehersteller will im Zuge einer Partnerschaft die Einführung seines Hauptprodukts S/4 Hana erleichtern. Das sorgt für einiges Neugeschäft.
Update: 21.10.2019 - 17:38 Uhr Kommentieren
Die neuen Chefs Christian Klein und Jennifer Morgan setzten einige Tage nach ihrer Amtsübernahme keine anderen inhaltlichen Akzente als ihr Vorgänger Bill McDermott. Quelle: dpa
(von links) Christian Klein, Bill McDermott, Jennifer Morgan

Die neuen Chefs Christian Klein und Jennifer Morgan setzten einige Tage nach ihrer Amtsübernahme keine anderen inhaltlichen Akzente als ihr Vorgänger Bill McDermott.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Das SAP-Management betont stets die Bedeutung des Cloud-Computings – immer mehr Kunden greifen übers Netzwerk auf Software und Dienstleistungen zu. Doch fürs wichtigste Produkt des deutschen Softwareherstellers gilt das nur bedingt. Von den 12.000 Kunden, die einen Vertrag für das Programmpaket S/4 Hana unterschrieben haben, wollen bislang nur 2000 die Cloud-Version nutzen.

Das soll eine Kooperation ändern: SAP will mit Microsoft bei der Markteinführung zusammenarbeiten, wie der Dax-Konzern am Montag bei der Veröffentlichung der Zahlen fürs dritte Quartal bekannt gab. „Bei dieser Partnerschaft geht es darum, die Komplexität zu reduzieren und die Kosten für die Kunden zu minimieren, wenn sie S/4 Hana in der Cloud einführen“, sagte die neue Co-Chefin Jennifer Morgan, die mit Christian Klein kürzlich die Aufgaben von Bill McDermott übernommen hatte.

Wenn Kunden die SAP-Software S/4 Hana auf der Microsoft-Plattform Azure laufen lassen wollen, sollen „ganzheitliche Pakete“ die Einführung erleichtern, zum Beispiel mit Referenzmodellen für den technischen Aufbau, genauen Zeitplänen und beispielhaften Kundenfällen. Microsoft wird zudem über den eigenen Vertrieb die Software von SAP weiterverkaufen. Das Kalkül: Der eine erleichtert den Kunden die Einrichtung der eigenen Software, der andere steigert die Auslastung der Plattform.

Die Partnerschaft verschafft SAP zusätzliches Neugeschäft. Microsoft zahlt ab dem vierten Quartal 74 Millionen Euro für die Nutzung der SAP-Cloud-Plattform, die beispielsweise genutzt wird, um S/4 Hana zu erweitern oder mit anderen Programmen zu integrieren. Diese Summe wird über eine Laufzeit von drei Jahren realisiert.

S/4 Hana ist für SAP ein zentrales Produkt: Das Programmpaket zur Steuerung von betriebswirtschaftlichen Prozessen verhilft dem Softwarehersteller zu einem langfristig stabilen Geschäft und bietet zahlreiche zusätzliche Verkaufsmöglichkeiten – ist es einmal installiert, können die Vertriebler oft Folgeaufträge für andere Produkte abschließen.

Die Cloud-Version habe eine strategische Bedeutung, betonte Maximilian Hille, Analyst beim deutschen Beratungsunternehmen Crisp Research, im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Die Zukunft der IT liegt langfristig in der Cloud.“

Experten beobachten, dass die Nutzung von Software, Speicher und Prozessorleistung aus den Rechenzentren von verschiedenen Dienstleistern zum Standard wird. Um eine reibungslose Integration zu ermöglichen, müsse möglichst auch die SAP-Software in der Cloud laufen.

Die Partnerschaft könne helfen, Probleme bei der Umstellung zu überwinden, sagte der IT-Spezialist – die Einführung von S/4 Hana auf der Plattform eines anderen Unternehmens sei komplex. „Das Wissen der Anwender ist beschränkt, daher braucht es sehr viel Begleitung durch Dienstleister wie auch die Cloud-Anbieter.“ Ob die Kooperation zwischen SAP und Microsoft das erfüllen könne, müsse sich aber noch beweisen.

Um möglichst viele Kunden zu bedienen, seien allerdings ähnliche Integrationen mit den anderen Plattformen wie Amazon Web Services (AWS) und Google Cloud Platform notwendig, sagte Analyst Hille. SAP-Managerin Morgan erklärte, dass derartige Partnerschaften in Zukunft möglich seien, wollte aber keine Details nennen. In einem Projekt namens „Embrace“ arbeitet SAP indes schon mit den drei großen Plattformen sowie einigen IT-Dienstleistern zusammen, um die Einführung des Programmpakets zu erleichtern.

Starkes Quartal

Auch unabhängig von diesem Deal lief das Geschäft bei SAP im dritten Quartal sehr gut. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 6,79 Milliarden Euro. „SAP ist in einer Position der Stärke“, sagte Finanzchef Luka Mucic. Das Unternehmen sei auf Kurs, die Ziele für 2019 und darüber hinaus zu erreichen.

Dazu trug das Geschäft mit dem Cloud-Computing entscheidend bei: Es wuchs von Anfang Juli bis Ende September um 37 Prozent von 1,3 auf 1,79 Milliarden Euro, wobei 103 Millionen Euro aus dem Zukauf des Marktforschungsspezialisten Qualtrics resultierten. Allerdings hätten alle Segmente positive Resultate geliefert, betonte Mucic.

Ebenso wichtig wie das Wachstum ist die Profitabilität – das Management verspricht, die operative Marge in den nächsten fünf Jahren um fünf Prozentpunkte zu verbessern. Das dritte Quartal war ein Schritt in die richtige Richtung: Die operative Marge stieg um 4,2 Prozent, bereinigt und ohne Währungseffekte immerhin um 1,5 Prozent.

Das lässt sich am Betriebsergebnis ablesen: Nach einem Plus von 36 Prozent stehen unter dem Strich 1,68 Milliarden Euro. Selbst wenn man Sondereffekte herausrechnet, sind es noch 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Das im Frühjahr angekündigte Effizienzprogramm zeige Wirkung, betonte Finanzchef Mucic. Viele Zahlen waren bereits bekannt, trotzdem reagierten die Aktionäre positiv, der Kurs der SAP-Aktie lag am Montag um bis zu drei Prozent im Plus. Mit einem Kurs von 118,50 Euro ist das Allzeithoch nicht weit entfernt. Die Mehrzahl der Analysten empfiehlt die Aktie trotzdem zu Kauf.

Mehr: Die Nachfolger von Bill McDermott haben viel zu tun. Dass die beiden das schaffen können, bezweifelt kaum jemand – obwohl sie sehr verschieden sind.

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