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TechnologiekonzernUS-Sanktionen bescheren Huawei Umsatzeinbruch – und einen Rekordgewinn

Huawei ist von den Sanktionen stark getroffen, verdiente 2021 aber Milliarden mit dem Verkauf der Smartphone-Tochter Honor. Der chinesische Konzern will massiv in Forschung und Entwicklung investieren.Sabine Gusbeth 28.03.2022 - 14:07 Uhr Artikel anhören

Rechnet man den Verkaufserlös der Smartphone-Sparte heraus, brach der Gewinn von Huawei um 20 Prozent ein.

Foto: dpa

Peking. Der Umsatz des umstrittenen chinesischen IT-Ausrüsters Huawei ist 2021 infolge der US-Sanktionen eingebrochen. Der chinesische Konzern setzte umgerechnet 99,9 Milliarden Dollar um, 28,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Es war der erste Umsatzrückgang in der Unternehmensgeschichte. 

Zeitgleich vermeldete der Konzern allerdings ein Gewinnplus von 76 Prozent. Der Gewinn enthält Einmal-Erlöse aus dem Verkauf der von den Sanktionen besonders betroffenen Smartphone-Tochter Honor, die laut Reuters einen Wert von mehr als zehn Milliarden Dollar haben könnte. Das Unternehmen kommentierte diese Zahl nicht.

Trifft die Größenordnung jedoch zu, hätte Huawei abzüglich des Verkaufserlöses einen Gewinneinbruch von mehr als 20 Prozent erlitten. Als nicht börsennotiertes Unternehmen veröffentlicht Huawei lediglich einen abgespeckten Jahresabschluss. 

Entsprechend drastisch fallen die Wortmeldungen aus der Huawei-Führung aus. „Wir haben es geschafft, 2021 zu überleben“, sagte der amtierende Chairman Guo Ping. Doch „unser Kampf ums Überleben ist noch nicht vorbei“. Der einzige Weg nach vorne führe über anhaltend hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung. 

Mehr als 22 Prozent des Umsatzes, umgerechnet 22,4 Milliarden Dollar, gab der Konzern in diesem Bereich aus. Damit summieren sich die F&E-Ausgaben des Unternehmens in den vergangenen zehn Jahren nach eigenen Angaben auf 132,4 Milliarden US-Dollar. Der Fokus liegt dabei auf Bereichen, in denen das Unternehmen nicht von internationalen Halbleiterlieferketten abhängig sei, wie dem Cloud-Geschäft und Künstlicher Intelligenz.

Sanktionen verstärken Chinas Streben nach technologischer Unabhängigkeit

Die chinesische Staatsführung hat infolge des Embargos gegen Huawei eine größere Unabhängigkeit der eigenen Industrie von Technologien aus dem Ausland zu einem wichtigen Ziel ihrer Wirtschaftspolitik erhoben. Die aktuellen Sanktionen gegen Russland dürften die Bestrebungen nach mehr technologischer Unabhängigkeit weiter forcieren. 

Im Mai 2019 hatte der damalige US-Präsident Donald Trump Sanktionen gegen Huawei verhängt. Seitdem ist das Unternehmen von der Versorgung mit Hightech-Halbleitern, die US-Technologie enthalten, weitgehend abgeschnitten. Zudem darf das Unternehmen das Google-Betriebssystem Android nicht mehr nutzen.

Huawei hatte daraufhin im November 2020 seine Billig-Smartphone-Tochter Honor verkauft. Im März 2021 waren Huawei dann erste Gelder aus der Honor-Transaktion zugeflossen. Durch den Verkauf hat sich der Umsatz der vormals größten Consumer-Sparte nahezu halbiert. Im Smartphone-Geschäft stehe der Konzern nach wie vor vor „großen Herausforderungen“, sagte Guo

Experten gehen davon aus, dass sich die Aussichten für Huawei weiter verschlechtern dürften, wenn das Unternehmen seinen Vorrat an hochmodernen Halbleitern aufgebraucht hat. Diese konnte es sich sichern, bevor es auf die US-Sanktionsliste gesetzt worden war. 

Im August vergangenen Jahres hatte der Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzende Ren Zhengfei angekündigt, den Fokus auf Softwareentwicklung zu legen, einschließlich der Stärkung des schnell wachsenden Cloud-Computing-Geschäfts. In Bereichen, in denen sich Software und Hardware überschneiden, sollte das Unternehmen sich darauf konzentrieren, die Software zu optimieren, um die Hardware zu ergänzen, erklärte Ren damals.

Huawei hofft auf die Autoindustrie

Große Hoffnungen setzt Huawei auch auf die Automobilindustrie. Eigenen Angaben zufolge investierte Huawei eine Milliarde Dollar in Software-Plattformen für Elektroautos. Im Juli 2021 hatte sich Huawei einen Patentdeal mit einem Volkswagen-Zulieferer gesichert und verdient künftig an der Vernetzung von Volkswagen-Fahrzeugen mithilfe von Mobilfunktechnik mit. Auch bei intelligenten Energielösungen sieht das Unternehmen Geschäftspotenzial.

Doch diese Geschäftsfelder dürften auf absehbare Zeit nicht ausreichen, um die Umsatzeinbrüche infolge der US-Sanktionen auszugleichen. Unabhängig von den Verboten der US-Regierung verzichten viele Länder darauf, Huawei-Technologie beim Ausbau kritischer Telekommunikationsinfrastruktur wie etwa der 5G-Mobilfunknetze zu verwenden.

Die USA und andere westliche Staaten werfen dem Unternehmen vor, Hintertüren und Abschalteinrichtungen in die sensible Technologie einzubauen. Huawei hat dies stets dementiert.

Dem Unternehmen wird eine Nähe zur herrschenden Kommunistischen Partei nachgesagt. Gründer Ren Zhengfei war Bauingenieur bei der chinesischen Volksbefreiungsarmee, bevor er Huawei gründete.

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Nach Berechnungen des „Wall Street Journals“ hat der Konzern in der Vergangenheit mehr als 75 Milliarden US-Dollar Subventionen erhalten. Der Konzern dementiert diese Zahl. Die erhaltenen Förderungen seien vergleichbar mit denen konkurrierender IT-Ausrüster aus anderen Ländern.

Die Pressekonferenz, auf der der Konzern die Jahresergebnisse vorstellte, wurde von Finanzchefin Meng Wanzhou geleitet, die sich zum ersten Mal seit ihrer Entlassung aus dem dreijährigen Hausarrest in Kanada im September den Medien stellte. Die älteste Tochter von Firmengründer Ren war auf Betreiben der USA verhaftet worden. Ihr wurden Betrug und der Bruch von Sanktionen gegen den Iran vorgeworfen. Sie bestritt dies stets.  

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