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Technologieriese „Das Ende von IBM wie wir es kennen“ – IT-Konzern baut drastisch um

Mit einem groß angelegten Umbau macht sich IBM fit für das Cloud-Zeitalter. Doch die Auftrennung in zwei Unternehmen ist erst der Anfang, sagen Analysten.
08.10.2020 - 23:18 Uhr Kommentieren
Der Konzern will sich noch mehr auf das boomende Cloud-Geschäft mit IT-Diensten im Internet fokussieren. Quelle: dpa
IBM

Der Konzern will sich noch mehr auf das boomende Cloud-Geschäft mit IT-Diensten im Internet fokussieren.

(Foto: dpa)

San Francisco Der 109 Jahre alte Technologieriese IBM erfindet sich wieder einmal neu. In einem radikalen Schritt trennt der neue CEO Arvind Krishna das Unternehmen in zwei Einheiten. Zum einen das „neue“ IBM, das mit rund 260.000 Mitarbeitern seine Umsätze aus Produkten und Software vornehmlich in der Cloud erwirtschaften wird. Die Cloudfirma Red Hat – für 34 Milliarden Dollar erworben – wird dabei eine zentrale Rolle spielen.

Davon getrennt ist eine neue, börsennotiere Firma, die noch keinen Namen hat und vorerst „Newco“ heißt. Hier wird das bisherige Wartungsgeschäft für IT-Infrastruktur wie Netzwerke, Großrechner, Datenspeicher, PCs oder Rechenzentren für rund 4.600 Kunden in über 100 Ländern untergebracht – ein Geschäft mit gut 19 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Gut 90.000 Mitarbeiter sollen im neuen Unternehmen angesiedelt werden.

Die Abtrennung soll für IBM-Aktionäre, die Anteile bekommen, steuerfrei erfolgen. Krishna nennt die Zäsur einen „Meilenstein“ in der Geschichte von Big Blue. Die gesamte Aktion wird bis Ende 2021, wenn sie abgeschlossen sein soll, laut IBM geschätzt fünf Milliarden Dollar kosten. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung von bis zu zehn Prozent.

Das Unternehmen, das später einmal IBM werden sollte und ehrfürchtig „Big Blue“ genannt wird, hat eine wechselvolle Geschichte. Als erste Produkte kamen Wanduhren, Waagen und Fleischwölfe für Metzgereien auf den Markt, später um 1915 elektromechanische Tabulatoren mit Lochkarten und Schreibmaschinen.  

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    Nach einem kometenhaften Aufstieg zum integrierten IT-Giganten und Erfinder des PC wurde in den 1990er Jahren zunächst das Netzwerkgeschäft abgestoßen, in den 2000ern die PC-Fertigung an den chinesischen Lenovo-Konzern abgegeben und jüngst nun auch die Chipproduktion aufgegeben. Jetzt ist offenbar wieder Zeit zur Verjüngung und die IT-Servicesparte muss gehen.

    „IBM stößt im Prinzip eine margenschwache, schrumpfende Sparte ab, die durch die Cloud kannibalisiert wird und das stärkere Wachstum anderer Unternehmensteile überdeckt“, so Analyst Moshe Katri von Wedbush Securities. Diese Teile sind zum Beispiel das Management von Hybrid-Clouds (Cloud plus eigenem Rechenzentrum vor Ort) oder Multi-Clouds (Clouds verschiedener Anbieter wie Amazon, Microsoft oder IBM zusammen verwaltet und betrieben), laut IBM ein „eine Billion-Dollar-Markt.“

    IBM-Aufspaltung ist erst der Anfang einer Zerschlagung

    Für Holger Müller, Principal Analyst bei Constellation Research im Silicon Valley, ist diese gerade verkündete Aufspaltung von IBM sogar erst der Anfang einer Zerschlagung des letzten verbliebenen Techgiganten aus der alten Zeit, als Unternehmen noch alles aus einer Hand kaufen konnten, von IBM eben: „Das ist das Ende von IBM wie wir es kennen“, so Müller. Und es sei erst das „erste Kapitel des Umbaus“.

    Das derzeitige IBM bezieht die Hälfte seines Umsatzes aus Dienstleistungen und wird nach der Abspaltung laut IBM „über 50 Prozent aus wiederkehrenden Umsätzen“ generieren, sprich langfristigen Verträgen etwa aus Cloud-Verträgen wie bei Amazons AWS oder Microsoft Azure.

    Was da schwer hineinpasst ist die Sparte „Global Business Services“, im Grunde die Beratungseinheit bei IBM. Sie kümmert sich nicht um Cloud-Produkt- oder Serviceentwicklung bei IBM, sondern liefert Consulting, strategische Beratung oder Systemintegration, für externe Kunden. „Wir haben erst das erste Kapitel gesehen“, so Müller gegenüber dem Handelsblatt. „Business Services muss als nächstes ausgegliedert werden, die Frage ist noch wie und wann.“ Denn IT-Beratungsverträge, die ohnehin während der Corona-Zeit weniger geworden sind, passen nicht mehr ins Bild. „Erst dann steht der Produktgigant IBM-Red Hat-Quanten-Computing.“

    2016 zog bereits ein anderer IT-Gigant die Notbremse im IT-Consulting. HP Enterprise verkaufte seine Consultingsparte an CSC, nachdem man eine Abschreibung von 8,5 Milliarden Dollar, fast 50 Prozent des Kaufpreises in 2012, vorgenommen hatte.

    Im Grunde, so Müller, könnte IBM am Ende zu seinen Ursprüngen als IT-Konzern zurückkehren. Quanten-Computer werden die erste Großrechnergeneration sein, die vollständig in der Cloud laufen wird und sie könnten die neuen Mainframe-Computer sein, mit denen IBM in den 60er Jahren groß geworden ist.

    Wedbush Securities hält derweil nach der Ankündigung der Aufspaltung an seiner „Neutral“-Bewertung und einem Kursziel von 140 Dollar für die IBM-Aktie fest. Das Investmenthaus spricht in einer Researchnote von „aggressiven Wachstumszielen“ für die verbleibenden Geschäftsbereiche, sieht aber auch, dass die Verabschiedung von dem „schrumpfenden und margenschwachen Geschäftsteil“ dem Management die Möglichkeit gebe, sich voll auf die Wachstumsbereiche Hybridcloud und Künstliche Intelligenz zu fokussieren.

    IBM nannte am Donnerstag vorläufige Zahlen für das 3. Quartal 2020 mit einem Umsatz von 17,6 Milliarden Dollar und einem bereinigten Gewinn von 2,58 Dollar pro Aktie.

    Mehr: Dieser Mann richtet IBM neu aus

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