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Telekom-Chef im Interview Tim Höttges: „Die Telekom ist so etwas wie der Ackergaul, der den Pflug durchs Feld zieht“

Der Dax-Vorstand spricht im Interview über die Stabilität des Netzes, eine mögliche Corona-App – und die großen Herausforderungen der Pandemie.
02.04.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Für den CEO sind funktionierende Netze aktuell die Hauptaufgabe der Telekom. Quelle: AFP
Timotheus Höttges

Für den CEO sind funktionierende Netze aktuell die Hauptaufgabe der Telekom.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Der CEO der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, unterstützt Pläne, die Ausbreitung des Coronavirus mit Hilfe einer Smartphone-App einzudämmen. „Ich selbst wäre bereit, meine persönlichen Daten mit einer App zu teilen, um meinen Beitrag zu leisten, Leben zu retten“, sagte er dem Handelsblatt. „Aber solch eine App wird nur auf freiwilliger Basis funktionieren.“ Am Mittwoch hatten Entwickler und Forscher aus mehreren europäischen Ländern eine Plattform für entsprechende Smartphone-Apps präsentiert.

Bei der Deutschen Telekom arbeiteten seit Ausbruch der Corona-Pandemie Zehntausende Mitarbeiter aus dem Homeoffice, auch viele andere Firmen stellten ihre Arbeit um. „Ich bin mir sicher, dass wir auch nach Ende der Pandemie einen Digitalisierungsschub sehen werden“, zeigte sich Höttges überzeugt.

Als Konzernchef habe er sich zu Änderungen in seinem Verhalten entschlossen. „Ich werde meine Reisetätigkeit nach der Krise deutlich verringern. Ich bin viel produktiver, als wenn ich die ganze Zeit unterwegs bin“, kündigte Höttges an.

Lesen Sie hier das komplette Interview:

Herr Höttges, die Corona-Pandemie trifft die Firmen weltweit. Wie läuft es bei der Telekom?
Die Telekom ist sehr gefragt. In unserer Industrie sind wir sind so etwas wie der Ackergaul, der den Pflug durch das Feld zieht. Wir haben sehr früh ausreichend Schutzausrüstung für unsere Mitarbeiter geordert.

Hält das Netz der Dauerbelastung in Zeiten von Corona stand?
Die Infrastruktur der Telekom meistert die Last. Alleine am Montag haben wir 50 Prozent mehr Anrufe im Festnetz abgewickelt als im Vormonat. Unser Netz läuft komplett problemlos ohne einen einzigen großen Ausfall. Ich bin mächtig stolz auf meine Truppe.

Noch nie war die Wirtschaft in Deutschland so angewiesen wie heute auf die digitalen Netze. Merken Sie das auch in der Nachfrage nach bestimmten Produkten?
Unsere erste Aufgabe sind funktionierende Netze. Wir wollen aber auch für unsere Kunden da sein. Unsere kostenlosen Angebote, um diese schwierige Phase besser zu bewältigen, kommen gut an: Innerhalb von zwei Tagen hatten wir 250.000 Bestellungen für den Videodienst Disney+, den es für unsere Kunden für sechs Monate kostenlos gibt. Wir haben zudem 30.000 kostenlose Lizenzen für Videoübertragung an Schulen ausgegeben. Im Mobilfunk haben sofort eine Million Kunden das Angebot von zusätzlichen 10 Gigabyte Datenvolumen im Monat in Anspruch genommen.

Wie können Sie sicherstellen, dass die Netze auch weiter funktionieren, falls sich mehr Mitarbeiter bei Ihnen anstecken oder vorsorglich in Quarantäne müssen?
Wir haben in den vergangenen Jahren so viel wie nie zuvor in den Ausbau unserer Netze investiert. Das zahlt sich heute aus. Wir sind bei keinem unserer Dienste an der Kapazitätsgrenze. An einigen Stellen mussten wir kurzfristig aufrüsten. Das Festnetztelefon feiert gerade eine Renaissance. Wir haben eine Verdoppelung des Datenverkehrs. Im Mobilfunk ist die Datennutzung etwas zurückgegangen, weil viele Kunden zu Hause sind und das WLAN nutzen. Wir haben aktuell alle Netzparameter auf grün.

„Unsere Infrastruktur läuft stabil“

Zwischenzeitig gab es Schwierigkeiten mit Videodiensten. Woran liegt das?
Jedenfalls nicht an den Netzen. Unsere Infrastruktur läuft stabil. Es gibt einige Dienste, wie etwa Videokonferenz-Anbieter, die mit ihren Kapazitäten an Grenzen stoßen. Manchmal sind es die Kapazitäten von Firmennetzen. Aber es liegt nicht an den Telekommunikationsnetzen – die laufen. Toi, toi, toi.

Müssen Sie denn jetzt den Netzausbau pausieren – etwa was die Einführung des 5G-Mobilfunks angeht?
Wir tun, was wir unter diesen erschwerten Bedingungen tun können. Ich habe mit einer Reihe von Kollegen ausländischer Netzbetreiber telefoniert. Dort gibt es teilweise Probleme und Ausfälle. Da melden sich zum Beispiel Mitarbeiter krank, weil sie Angst vor Infektionen haben. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir haben aktuell genug Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel. Bei uns können unsere Servicetechniker auch weiter in die Wohnung von Kunden, um bei technischen Problemen zu helfen. Wir können ihnen dabei den aktuell höchsten Schutz bieten.

Aber reicht das für eine außergewöhnliche Situation wie die Corona-Pandemie?
Die Telekom ist erfahren im Managen von Krisen wie das Oder-Hochwasser oder Sturmschäden. Wir haben kontinuierliche Routinen, für den Ernstfall zu üben. Ich habe noch nie so viele positive Rückmeldungen wie heute von Kunden bekommen, die sich bedanken, dass wir derzeit schnell helfen können, wenn es irgendwo Probleme gibt. Alle Call-Center-Mitarbeiter arbeiten von zuhause und das funktioniert problemlos.

In mehreren Ländern, auch in Deutschland, ist auch eine Corona-App in Vorbereitung, die individuelle Bewegungen verfolgen würde. Würden Sie sich eine solche App installieren?
Meine persönliche Meinung ist, dass es hier nicht darum geht, unnötig Daten zu sammeln. Hier geht es wirklich darum, Menschenleben zu schützen. Ich selbst wäre bereit, meine persönlichen Daten mit einer App zu teilen, um meinen Beitrag zu leisten, Leben zu retten. Aber solch eine App wird nur auf freiwilliger Basis funktionieren.

Es gab noch nie einen so großen Digitalisierungsschub wie jetzt in Corona-Zeiten. Was wird davon auch nach der Pandemie in Deutschland bleiben?
Wir erleben gerade digitale Nähe bei physischer Distanz. Ich bin mir sicher, dass wir auch nach Ende der Pandemie einen Digitalisierungsschub sehen werden. Sehr viele Menschen erleben gerade ganz neue, sehr positive Effekte der Digitalisierung. Auch ich selbst: Ich werde meine Reisetätigkeit nach der Krise deutlich verringern. Ich bin viel produktiver, als wenn ich die ganze Zeit unterwegs bin.

Herr Höttges, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Telekom stellt Firma ein, die Handydaten ans RKI übermittelte.

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