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Telekom-Konkurrent Vodafone kappt die Dividende – und erhält Zuspruch von Analysten

Die Versteigerung der 5G-Lizenzen und die Übernahme von Unitymedia belasten Vodafone. Der Telekom-Konkurrent reagiert – und kürzt die Dividende.
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Nach Milliardeninvestitionen bekommen Aktionäre weniger Geld ausgeschüttet. Quelle: AFP
Vodafone unter Druck

Nach Milliardeninvestitionen bekommen Aktionäre weniger Geld ausgeschüttet.

(Foto: AFP)

London, BonnZum ersten Mal seit Jahrzehnten hat der britische Telekomkonzern Vodafone seine Dividende gekappt – und zwar deutlich: Die Aktionäre sollen für das im März abgelaufene Geschäftsjahr 2018/19 neun Euro-Cent je Aktie erhalten nach 15,07 Cent ein Jahr zuvor.

„Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Firmenchef Nick Read am Dienstagmittag in London, aber der finanzielle Spielraum von Vodafone sei „komprimiert“ worden von „einer Kombination aus etwas geringeren Einnahmen als erwartet und den Kosten für die Ersteigerung von Frequenzen“.

Der von Vodafone als „Rekalibrierung“ bezeichnete Dividendenschnitt ist eine mutige Entscheidung des Konzernchefs, der erst vergangenen Oktober vom Finanzchef zum Firmenchef aufgestiegen war, schließlich sehen Investoren es meist gar nicht gern, wenn ihre Gewinnbeteiligung gekürzt wird. Doch der Schritt kommt nicht unerwartet.

Der weltweit zweitgrößte Telekommunikationskonzern sitzt auf 27 Milliarden Euro Schulden und wurde von der Ratingagentur Moody´s kürzlich heruntergestuft. Und es ist auch kein Geheimnis, dass Vodafone – wie auch andere Unternehmen der Branche – für die kommenden Monate hohe Kosten einkalkulieren muss, gerade in seinem wichtigsten Markt Deutschland.

Seit Ende März findet in Deutschland die Auktion der 5G-Lizenzen statt. Mehr als 5,8 Milliarden Euro haben die Firmen schon geboten, aber ein Ende des Verfahrens ist nicht absehbar. Erst wenn keine Firma mehr bietet, endet die Auktion, aber keines der Unternehmen will zu früh den Kampf um die begehrten Frequenzen aufgeben. In Italien hatte die Versteigerung der 5G-Funklizenzen 6,6 Milliarden Euro eingebracht, Vodafone muss davon rund 2,4 Milliarden Euro zahlen.

Dazu steht für Vodafone in Deutschland ein großer Umbruch an: Vodafone will für 18,4 Milliarden Euro den Kabelnetzbetreiber Unitymedia übernehmen. Es wäre für Vodafone der zweitgrößte Deal seit der Übernahme von Mannesmann vor fast 20 Jahren. Derzeit prüft die EU-Kommission den geplanten Zusammenschluss. Die Wettbewerbshüter hatten bereits Sorgen geäußert, die Fusion könne zu einer zu starken Stellung von Vodafone in Deutschland führen. „Es besteht die Gefahr, dass aus die Fusion zu einem Duopol von Telekom und Vodafone auf dem deutschen Markt führt“, warnte Bernd Sörries vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK).

Um eventuellen Monopolbedenken zu entgegenzutreten, kündigte Vodafone an, im Falle einer Genehmigung für die Übernahme dem Rivalen Telefónica Zugang zu seinem Kabelnetz zu geben. Allerdings nicht mit der vollen Leistung von bis zu einem Gigabit pro Sekunde, sondern mit einer reduzierten Geschwindigkeit von 300 Megabit pro Sekunde.

Druck auf die Telekom

Mit dem Vorstoß dürften Vodafone und Telefónica vor allem den Branchenprimus Deutsche Telekom unter Druck setzen. Telekom-Chef Timotheus Höttges kritisierte vergangene Woche: „Das ist der Versuch, eine Fusion noch zu retten, die auf großen Widerstand gestoßen ist.“ Der Pakt von Vodafone und Telefónica schade jedoch dem Netzausbau in Deutschland. Die Investitionen in die langfristig wichtige Glasfaserinfrastruktur würden dadurch gehemmt.

Dass Vodafone angesichts dieser massiven Investitionen auf das Geld achten muss, ist auch den Investoren klar: „Auch wenn es nie schön für Investoren ist, wenn die Dividende gekürzt wird“, kommentiert Marktanalyst George Salmon von Hargreaves Lansdown die aktuellen Nachrichten von Vodafone, „aber die Anpassung der Dividende ist vernünftig“. Sein Kollege Neil Wilson von Markets.com stimmt ihm zu: „Das sind keine tollen Nachrichten, aber es zeigt zumindest, dass der neue Vorstandschef versucht, langfristig zu denken und die Schulden in den Griff zu kriegen“.

Es ist nicht die einzige Maßnahme von Firmenchef Read, um die Schulden in den Griff zu bekommen: Zum einen hat er Sparmaßnahmen eingeleitet, zum anderen wird der Verkauf von Sparten geprüft. Vodafone will sich auf das Europa-Geschäft fokussieren. Am Montagabend verkündete Read bereits den Verkauf des Neuseeland-Geschäfts für knapp zwei Milliarden Euro.

Aber Firmenchef Read muss in den kommenden Monaten noch beweisen, dass Vodafone auf dem richtigen Weg ist, die Investoren zeigten sich am Dienstag unschlüssig, was sie von den aktuellen Nachrichten halten sollen: Nach einem schwachen Start legte die Aktie zwischenzeitlich zu und rutschte dann wieder in die Verlustzone. In den vergangenen zwölf Monaten hat das Papier mehr als ein Drittel an Wert verloren.

Im neuen Geschäftsjahr soll das organische Ergebnis - berechnet nach den neuen Rechnungslegungsvorschriften - bei 13,8 bis 14,2 Milliarden Euro liegen und damit im „niedrigen einstelligen Prozentbereich“ steigen. Im vergangenen Geschäftsjahr war der Umsatz der Briten um 6,2 Prozent auf 43,7 Milliarden Euro zurück gegangen, unter dem Strich stand ein Verlust von 7,6 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 2,8 Milliarden Euro. Grund dafür waren laut Vodafone vor allem Verluste beim Verkauf einer Sparte in Indien, aber auch die Töchter in Italien und Spanien leiden nach wie vor unter einem harten Konkurrenzkampf in diesen Märkten. 

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