Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Telekom-Tochter Bedenken der Kartellwächter: T-Systems-Deal mit IBM gescheitert

Nach Einschätzung der Kartellhüter hat IBM im Bereich Hochleistungsrechner eine marktbeherrschende Stellung. Deshalb hat das Unternehmen seine Zukaufpläne nun gecancelt.
Kommentieren
Die Deutsche-Telekom-Tochter wollte ihren Großrechnerbetrieb an IBM verkaufen. Quelle: dpa
T-Systems-Zentrale in Frankfurt

Die Deutsche-Telekom-Tochter wollte ihren Großrechnerbetrieb an IBM verkaufen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Großkundentochter der Deutschen Telekom ist mit dem Versuch gescheitert, ihre Großrechnersparte an IBM zu verkaufen. Das Bundeskartellamt hatte bei IBM eine marktbeherrschende Stellung attestiert. Daraufhin hatte die Firma den Fusionsantrag zurückgezogen, wie das Kartellamt am Freitag mitteilte.

Kartellamtschef Andreas Mundt sagte: „IBM hat hier im Europäischen Wirtschaftsraum nach unserer vorläufigen Einschätzung eine marktbeherrschende Stellung inne, die durch die Übernahme von Personal und wesentlicher Infrastruktur des Wettbewerbers T-Systems weiter verstärkt worden wäre.“ Im Geschäft mit Großrechner seien nahezu alle Anbieter von IBM abhängig. Diese dominante Position wäre durch die Fusion weiter gefestigt worden, argumentierte das Kartellamt.

Rund 400 Mitarbeiter in sechs Ländern hatten nach dem Vorhaben von T-Systems zu IBM wechseln sollen. Das Geschäftsvolumen hätte nach Informationen des Handelsblatts bei mehr als 800 Millionen Euro über zehn Jahre gelegen. Der US-Konzern wollte T-Systems zudem die Großrechner abkaufen. Bestehende Kundenverträge sollten von T-Systems fortgeführt werden, der Umsatz aber zu großen Teilen an IBM weitergegeben werden.

Großrechner, im Fachjargon Mainframes, sind komplexe Systeme für die Verarbeitung umfangreicher Datenmengen. Sie gelten als besonders ausfallsicher und leistungsfähig, weshalb sie beispielsweise in der Finanzbranche und im Handel häufig zum Einsatz kommen, aber auch in der öffentlichen Verwaltung. Nach einer Studie der Beratung Forrester betreiben 46 Prozent der Firmen in Deutschland ihre kritischen Anwendungen auf einem Mainframe-System, mit steigender Tendenz.

Das ist durchaus bemerkenswert: Unternehmen setzen schon seit 40 bis 50 Jahren Großrechner ein, zwischenzeitlich galten die Systeme in der IT-Branche als Auslaufmodell, für den es mit dem Cloud Computing eine flexible und kostengünstige Alternative gibt. Die Nachfrage nimmt sogar zu, wie der Marktforscher Allied Market Research ermittelt hat: Der Umsatz wächst der Prognose zufolge bis 2025 und jährlich gut vier Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar. IBM gilt dabei als dominierender Anbieter.

Die Entscheidung ist ein Rückschlag für IBM, aber auch für den neuen T-Systems-Chef Adel Al-Saleh. Er war Anfang 2018 zur Telekom gewechselt, um die defizitäre Großkundentochter auf Profit zu trimmen. Der Verkauf der Großrechnersparte an IBM wäre der erste große Deal unter Al-Saleh geworden.

Al-Saleh bedauerte gegenüber dem Handelsblatt das Scheitern des Deals. „Wir haben uns entschlossen, Alternativen zu verfolgen, um unseren Kunden einen Mehrwert zu verschaffen“, teilte Al-Saleh mit. „Großrechner bleiben ein wichtiger Teil von unserem Portfolio“, sagte Al-Saleh. T-Systems untersuche andere Möglichkeiten, um führende Technologien und Lösungen für Kunden zur Verfügung zu stellen.

Der Manager hatte im Juni den Abbau von 10.000 der insgesamt rund 37.000 Stellen angekündigt – davon rund 6000 in Deutschland. Bis 2021 sollen 600 Millionen Euro eingespart und jeder dritte Arbeitsplatz in Deutschland gestrichen werden. Zudem will Al-Saleh die Zahl der Standorte in Deutschland auf 20 bis 25 verkleinern.

Für das erste Quartal 2019 gab das Unternehmen im Jahresvergleich einen Rückgang des Umsatzes um 2,1 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro bekannt. Der Rückgang im klassischen IT-Geschäft sei nicht mit neuen Bereichen, wie etwa Cloud-Dienstleistungen, komplett kompensiert worden, argumentierte das Unternehmen.

Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) stieg gegenüber dem Vorquartal um 35 Millionen Euro, blieb aber weiter mit drei Millionen Euro im negativen Bereich.  Die Telekom-Tochter konnte im ersten Quartal jedoch steigende Auftragseingänge verbuchen. Vor allem dank der Wachstumsbereiche SAP, Public Cloud und Gesundheitsmarkt gab es einen Anstieg um 6,8 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro.

IBM war am Freitagvormittag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Mit Material von Reuters.

Mehr: Nach der geplanten Fusion mit Sprint hätte die Telekom 127 Millionen Kunden in den USA. In Deutschland ist der Dax-Konzern dagegen frustriert.

Startseite

Mehr zu: Telekom-Tochter - Bedenken der Kartellwächter: T-Systems-Deal mit IBM gescheitert

0 Kommentare zu "Telekom-Tochter: Bedenken der Kartellwächter: T-Systems-Deal mit IBM gescheitert"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote