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Telekom-Tochter Klage gefährdet Sprint-Übernahme durch T-Mobile US

Eine Gruppe von Bundesstaatsanwälten hat juristische Schritte gegen die Übernahme von Sprint durch T-Mobile US eingereicht. Das wichtigste Projekt der Telekom gerät in Gefahr.
Update: 12.06.2019 - 04:15 Uhr Kommentieren
Der Deal der beiden Unternehmen ist in Gefahr. Quelle: dpa
T-Mobile und Sprint

Der Deal der beiden Unternehmen ist in Gefahr.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, New YorkEs sah so gut für die Deutsche Telekom aus: Für die geplante Übernahme des Rivalen Sprint durch die US-Tochter T-Mobile US hatte der Konzern zahlreiche Hürden genommen. Zuletzt sprach sich sogar der Chef der Telekommunikationsaufsicht FCC entschieden für den Zusammenschluss aus.

Doch jetzt gerät der 26 Milliarden Dollar schwere Deal in Gefahr. Zehn Generalstaatsanwälte haben eine Klage gegen die geplante Fusion eingereicht. Das gab am Dienstagabend die Generalstaatsanwältin des Bundesstaates New York, Letita James, auf einer Pressekonferenz bekannt. Das Handelsblatt hatte zuvor darüber berichtet.

„Wenn es um die Macht der Unternehmen geht, ist größer nicht immer unbedingt besser“, sagte James. „Dies ist eine jener verbraucherschädigenden, jobkillenden Megafusionen, die unsere Anti-Trust-Gesetze verhindern sollen“, sagte die New Yorker Generalstaatsanwältin über den geplanten Zusammenschluss.

Die Kosten für Mobilfunk seien dank der starken Konkurrenz in den vergangenen zehn Jahren um 28 Prozent gesunken, betonte James. „Eine Fusion würde dieser starken Konkurrenz ein Ende setzen, die soviel Gutes gebracht hat“, sagte sie.

„Auch wenn T-Mobile und Sprint schnelleren, besseren und billigeren Service versprechen mögen, so wiegen die Beweise gegen sie“, erklärte der Generalstaatsanwalt aus Kalifornien Xavier Becerra. Die Bundesstaatsanwälte fürchten, dass eine geringere Anzahl von Anbietern zu höheren Preisen führt. Ihrer Ansicht nach träfe das vor allem die wirtschaftlich und sozial Schwachen.

Die Klage der zehn US-amerikanischen Staatsanwälte kommt zu einem Zeitpunkt, in dem in den USA die Stimmung gegenüber großen Konzernen, vor allem gegenüber Tech-Konzernen, umschlägt. Sowohl Republikaner als auch Demokraten fürchten die Übermacht von Google, Apple und Facebook.

Vor allem die Demokraten machen damit auch Wahlkampf. Auch das Justizministerium will sich wohl die Wettbewerbssituation bei den Größen aus dem Silicon Valley genauer anschauen und könnte sogar eine Aufspaltung erwägen. „Zu lange sind Übernahmen zu leicht durchgesegelt“, stellte James klar. „Ich habe meine Behörde angewiesen, die Anwendung unserer Kartellrechte genau zu überprüfen“, sagte sie.

In Konzernkreisen der Deutschen Telekom wird befürchtet, dass der geplante Zusammenschluss durch eine Rivalität zwischen den politischen Lagern in den USA scheitern könnte. Die Generalstaatsanwälte stammen aus demokratisch regierten Bundesstaaten. Hingegen sprach sich die von Republikanern dominierte Telekommunikationsaufsicht FCC für den Deal aus. Im November 2020 stehen die nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA an, und Demokraten wie Republikaner beginnen bereits damit, um Stimmen zu werben.

Durch die Klage der Generalstaatsanwälte drohen die Fusionspläne zu scheitern, oder sie stehen zumindest noch bis zur heißen Phase des Wahlkampfs auf der Kippe.

Der Zusammenschluss hat oberste Priorität für die Deutsche Telekom. Das Geschäft in den USA macht mehr als die Hälfte des Umsatzes des Dax-Konzerns aus. Mit der Fusion will die Telekom ihren Fokus auf dem Wachstumsmarkt ausbauen. Während das Geschäft in manchen europäischen Landesgesellschaften schwächelt, kann T-Mobile US Monat für Monat mehr als eine Million Neukunden vermelden.

Der Chef von T-Mobile US, John Legere, wirbt seit Monaten für den Zusammenschluss. Bereits zweimal scheiterte die Fusion der beiden Unternehmen. Jetzt verspricht Legere einen schnellen Ausbau des nächsten Mobilfunkstandards 5G, sollte der Deal genehmigt werden. „Wir machen die USA zu einem Leitmarkt für 5G“, kündigte Legere bei einer Anhörung im US-Kongress an.

Auch für den japanischen Sprint-Eigner Softbank wäre ein Scheitern der Fusion ein Rückschlag. Die Aktie gab nach der Nachricht aus den USA am Mittwoch im japanischen Vormittagshandel umgehend um zwei Prozent nach. Denn Softbank-Gründer Masayoshi Son will sich von der vollen Kontrolle über das amerikanische Mobilnetz trennen, da er die Softbank-Gruppe immer stärker in einen Investmentfonds verwandelt.

Verbraucherschützer befürchten bei einer Fusion steigende Preise. Die Branchengewerkschaft CWA warnt vor dem Verlust von 30.000 Arbeitsplätzen.

T-Mobile und Sprint hatten ihre Pläne zur Fusion vor mehr als einem Jahr bekanntgegeben. Seitdem kämpfen sie um die Zustimmung der Behörden.

Das Urteil des Justizministeriums zum geplanten Zusammenschluss steht noch aus. Dort könnte man besorgt sein, dass drei Anbieter für das ganze Land nicht genug Wettbewerb garantieren können. Deshalb wird bereits diskutiert, ob sich T-Mobile und Sprint im Zuge der Fusion von Frequenzen trennen, um so einen neuen, vierten Anbieter entstehen zu lassen. Zuvor hatte sich T-Mobile bereits bereit erklärt, eine seiner Prepaid-Marken abzugeben.

Ein Kartellrechtler, der beide Unternehmen kennt, gibt zu bedenken, dass die Klage der Staatsanwälte auch ein Versuch sein könnte, das Beste für die beteiligten Staaten in Form von Jobs und Investitionen herauszuholen. Auf die Frage, ob und unter welchen Umständen die Generalstaatsanwältin James einer Fusion zustimmen könnte, sagte sie lediglich: „Ich verhandle nicht in der Öffentlichkeit“.

T-Mobile ist derzeit die Nummer drei auf dem US-Markt und wächst rasant. Der Mitbewerber Sprint dagegen ist die Nummer vier, hat aber klar zu verstehen gegeben, dass er ohne einen Zusammenschluss nicht auf dem Markt bestehen kann. Mit der Fusion wollen sie die großen Konkurrenten AT&T und Verizon angreifen.

Mehr: US-Chef John Legere ist der Starmanager der Deutschen Telekom. Die Fusion mit Sprint wäre sein Meisterstück – und wohl das Ende seiner Mission.

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