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Weltgrößter Internetknoten in Frankfurt

Im Rechenzentrum der DE-CIX, German Commercial Internet Exchange, in Frankfurt am Main ist ein Weltrekord im Datenvolumen gemessen worden.

(Foto: Daniel Roland)

Telekommunikation Coronavirus ist ein Stresstest für die Datennetze

In Spanien steigt das Datenvolumen. Das Netz zeigt erste Anzeichen der Überlastung. In Deutschland geben die Betreiber hingegen Entwarnung.
16.03.2020 Update: 16.03.2020 - 17:21 Uhr Kommentieren

Düsseldorf, Madrid Die Aufrufe der vergangenen Tage, wegen des starken Anstiegs der Corona-Infizierten möglichst zu Hause zu bleiben, hat in Spanien den Datenverkehr im Internet in die Höhe getrieben. Am vergangenen Sonntag haben die fünf spanischen Netzbetreiber die Bevölkerung aufgerufen, datenintensive Streamingdienste für Filme oder Spiele nicht in der regulären Arbeitszeit zu nutzen, um einen Kollaps der Netze zu vermeiden.

In den vergangenen Tagen war das Datenvolumen in den Telekom-Netzen um 40 Prozent gestiegen, Handy-Telefonate schnellten um 50 Prozent in die Höhe, die mobile Datennutzung um ein Viertel. Nachrichten über Whatsapp haben sich verfünffacht.

In Deutschland ist die Situation dagegen entspannt. Auf eine Handelsblatt-Umfrage gaben alle deutschen Netzbetreiber Entwarnung. Bislang habe es keinen sprunghaften Anstieg der Datennutzung gegeben, sagten Vertreter von Deutscher Telekom, Vodafone und Telefónica auf Anfrage.

Ein Sprecher der Deutschen Telekom sagte: „Wir haben unsere Notfall- und Pandemiepläne schon im Januar aktiviert und sind bestmöglich vorbereitet.“ Oberstes Ziel sei es, den Betrieb der Infrastruktur sicherzustellen. Eine besondere Belastung im Netz gebe es bislang nicht.

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    „Aktuell verzeichnen wir keinen nennenswerten Anstieg des Datenverkehrs“, sagte der Telekom-Sprecher. Auch die Netzbetreiber Vodafone und Telefónica registrieren am Montag zunächst keinen starken Anstieg der Datennutzung in Deutschland.

    Auch der Präsident des IT-Verbands Bitkom, Achim Berg, sieht die Breitband-Internet-Netze in Deutschland für einen erhöhten Datenverkehr gewappnet. Durch die Verlagerung vieler Aktivitäten in Beruf und Freizeit in das eigene Zuhause infolge der Coronakrise komme es zu „wachsenden Anforderungen an die Netze“, sagte Berg dem Handelsblatt. „Das führt zwar zu größeren Datenmengen in den Netzen, aber nicht zwangsläufig zu neuen Lastspitzen, die sich üblicherweise abends nach Ende der üblichen Arbeitszeiten zeigen.“ Bislang seien dadurch in Deutschland „keine gravierenden Beeinträchtigungen bekannt und sie sind auch nicht zu erwarten“. Es gelte aber, die weitere Entwicklung aufmerksam zu verfolgen.

    Riesige Datenmengen - jeden Tag

    In Frankfurt sitzt der größte Internetknotenpunkt der Welt. Der Deutsche Commercial Internet Exchange, abgekürzt DE-CIX, wickelt einen wichtigen Teil der europäischen Datenverbindungen ab. Dort wurde vor wenigen Tagen ein Weltrekord registriert. Erstmals wurde in Frankfurt ein Datendurchsatz von mehr als 9 Terabit pro Sekunde abgewickelt.

    Der Ausbruch des Coronavirus und steigende Zugriffe auf Nachrichtenagebote seien jedoch nur eine Erklärung dafür, sagte ein DE-CIX-Sprecher. Zudem hätten der Start von neuen Online-Spielen sowie Updates für das Apple-Betriebssystem iOS das Datenvolumen angetrieben. Engpässe seien nicht zu erwarten.

    „Selbst wenn alle Firmen Europas ausschließlich Homeoffice betreiben würden und nebenher noch die Fußball-EM übertragen wird, kann der DE-CIX die notwendigen Bandbreiten für reibungslose Interconnection bereitstellen“, sagte der Sprecher.

    Der eco-Verband der deutschen Internetwirtschaft beobachtet derzeit einen Anstieg des Datentraffics. Dieser betrage aktuell tagsüber etwa 50 Prozent der üblichen Peakzeit am Abend zwischen 20 und 22 Uhr, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbands, Klaus Landefeld, dem Handelsblatt. Das sei zwar mehr als sonst, normal wären etwa 25 bis 30 Prozent der Abendverkehre. „Dies bringt das Netz aber nicht an seine Belastungsgrenze, da es über den ganzen Tag verteilt geschieht und eben überwiegend die sonst niedrigeren Traffic-Zeiten am Tag betrifft.“

    Die „ruckelnden“ Verbindungen, die Arbeitgeber nun möglicherweise im Homeoffice verstärkt wahrnehmen, rührten zudem nicht daher, dass das Netz überlastet sei, so Landefeld. „Vielmehr liegt das Problem hier eher in den zu schwach dimensionierten Anschlüssen der Arbeitgeber, also der Unternehmen, die es einfach versäumt haben, ihre Infrastruktur so aufzubauen, dass sie im Notfall eben skalierbar ist.“ Hier räche sich, das Unternehmen eben häufig noch zu wenig in ihre Dateninfrastruktur investieren, obwohl leistungsfähigere Bandbreiten und Anschlüsse durchaus verfügbar wären. „Unternehmen, die bereits ihren Datenverkehr in die Cloud verlegt haben, haben hier jetzt einen Vorteil.“

    Laut dem Bitkom-Präsidenten Berg entfällt der größte Anteil der Spitzenbelastungen in den Netzen auf Video-Streaming. „Die Lastspitzen lassen sich darauf zurückführen, dass die Nutzer am Abend etwa ihre Lieblingsserie streamen“, sagte der Bitkom-Präsident. „Dafür sind die Netze ausgelegt und sie verkraften das.“ Video-Streaming macht demnach etwa 60 Prozent des gesamten Datenverkehrs aus. Die Anforderungen von Homeoffice und E-Learning seien vergleichsweise gering, so Berg. „E-Mails und Kollaborations-Tools erfordern nur sehr kleine Bandbreiten.“ Selbst Videokonferenzen seien mit vergleichsweise geringen Geschwindigkeiten zwischen 2 und 8 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) „problemlos möglich“.

    Volle Netze in Spanien

    Eine besondere Situation ist die Schließung der Schulen und vieler Kitas. Etliche Mitarbeiter müssen seit Montag die Betreuung ihrer Kinder neu organisieren – das trifft auch die Betreiber der Telekommunikationsnetze.

    „Angesichts der aktuellen Entwicklungen bezüglich der Schul- und Kita-Schließungen haben wir allen Kolleginnen und Kollegen - insbesondere solchen mit Kindern im Kita- bzw. Schulalter - empfohlen, vorerst soweit wie für die Weiterführung des operativen Geschäfts möglich, im Homeoffice zu arbeiten“, sagte ein Telefónica-Sprecher.

    In Spanien hat die Regierung hingegen weiterreichende Maßnahmen beschlossen. Seit Sonntag gilt eine Ausgangssperre, die Menschen dürfen ihre Wohnungen nur noch verlassen, um Lebensmittel einzukaufen oder zur Arbeit zu gehen. Der heutige Montag ist der erste Arbeitstag der Sperre, an dem viele Ladenbesitzer zu Hause bleiben müssen und an dem landesweit alle Schulen und Universitäten geschlossen bleiben.

    Es ist der definitive Stresstest für die spanischen Netze. Der Branchenprimus Telefónica will am Abend Bilanz ziehen. Bislang scheint es keine größeren Störungen im Netz zu geben.

    Die Netzbetreiber haben ihre Kunden aber vorsorglich unter anderem aufgefordert, für Telefonate das Festnetz zu benutzen; keine großen Dateien, sondern lieber Links zu verschicken; und auf Massenmails zu verzichten.

    Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

    Spanien hat eines der besten Breitbandnetze Europas. Dort gibt es mehr schnelle Glasfaserleitungen als in Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien zusammen. Der Aufruf der Netzbetreiber zur Vorsicht deutet darauf hin, dass es dennoch Engpässe geben könnte.

    Für Deutschland befürchtet das der Eco-Verbandsvize Landefeld nicht. „Sollte der allgemeine Datentraffic, beispielsweise aufgrund einer Ausgangssperre, wie sie derzeit in Italien und Spanien praktiziert wird, auch in Deutschland noch zunehmen, würden Belastungsgrenzen, die sich in erster Linie aus erhöhtem Videostreaming ergeben, vermutlich durch eine Anpassung der Streaming-Qualitäten durch die Anbieter abgefedert“, sagte er. So werde es auch heute schon beispielsweise bei Peaks während der Fußball-WM gehandhabt.

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