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Telekommunikation Der vierte Spieler: So will United Internet die Telekom, Vodafone und Telefónica herausfordern

United Internet konkretisiert seine Pläne, zum vierten Netzbetreiber aufzusteigen. Die Strategie ist auf Jahre angelegt – und wird Milliarden verschlingen.
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United Internet fordert Telekom, Vodafone und Telefónica heraus Quelle: E+/Getty Images
United Internet

Als vierter Netzbetreiber steht das Unternehmen vor völlig neuen Herausforderungen.

(Foto: E+/Getty Images)

Düsseldorf Ralph Dommermuth will durchstarten. Der Gründer und Chef des Technologieunternehmens United Internet möchte zum vierten Netzbetreiber in Deutschland aufsteigen. Dem Echtzeitmobilfunk 5G will er damit zum Durchbruch verhelfen und die etablierten Anbieter Telekom, Vodafone und Telefónica herausfordern.

Doch der Weg dahin ist lang – und voller Herausforderungen. Am Donnerstag legte der Konzern erstmals Quartalszahlen vor, seit die Firma am 12. Juni die notwendigen Frequenzen für den Netzaufbau für insgesamt rund eine Milliarde Euro bei der Bundesnetzagentur erworben hatte. Am 12. September wird die erste Zahlung an die Behörde fällig, und United Internet muss 735 Millionen Euro überweisen.

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Während sich Dommermuth zuversichtlich gab, wurde er von seinen Anlegern gebremst. Der Kurs von United Internet gab zwischenzeitig um 8,8 Prozent nach und sank auf den tiefsten Stand seit Mitte 2013. Die Papiere der Tochtergesellschaft 1&1 Drillisch, die mit dem Netzausbau betraut ist, sackte zwischenzeitig um 11,5 Prozent ab und notierte so tief wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr.

Dafür waren nicht nur Unsicherheiten um den Netzausbau ausschlaggebend, sondern auch eine für beide Firmen leicht gesenkte Umsatz- und Gewinnprognose. Darauf seien die Anleger nicht vorbereitet gewesen, urteilte Commerzbank-Analystin Heike Pauls. Das Analysehaus Jefferies sah hingegen eine Überreaktion des Marktes.

Die Zahlen spiegeln nur einen Zwischenstand wider. Im Kern steht die Frage, wie United Internet der Aufstieg zum Netzbetreiber gelingen wird. Über zwei Jahrzehnte hat der Konzern ein lukratives Geschäftsmodell aufgebaut, bei dem er Leistungen bei den Betreibern anmietet. Die Firma fungiert als Zwischenhändler. Der Aufbau und der Betrieb eines eigenen Netzes sind eine völlig andere Herausforderung.

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Dommermuth führte am Donnerstag aus, wie ihm dieser grundsätzliche Umbau des Unternehmens gelingen soll. „Im Jahr 2021 soll unser Netz starten“, sagte er. Derzeit verhandelt er mit Netzausrüstern darüber, wer ihm die nötige Technologie liefern kann und wo und wie er geeignete Standorte findet.

Dommermuth kann dabei auf die Infrastruktur der Tochtergesellschaft Versatel zurückgreifen, die mit ihrem knapp 50.000 Kilometer langen Glasfasernetz rund 250 deutsche Städte erreicht, darunter 19 der 25 größten Metropolen.

In der engeren Auswahl für die technische Ausrüstung sind laut Handelsblatt-Informationen der finnische Anbieter Nokia sowie der chinesische Staatskonzern ZTE. United Internet diskutiert mit den Firmen, ob ein Modell möglich ist, bei dem der Mobilfunkkonzern gar nicht selbst das Netz errichtet, sondern die Infrastruktur bauen lässt und später über Leasingverträge anmietet.

Allerdings wird ein solches Vorgehen in Berlin kritisch gesehen, sollte der chinesische Staatskonzern ZTE mit dem Vorhaben betraut werden, wie das Handelsblatt erfuhr. Die Bundesregierung hatte über Monate Spionagevorwürfe der US-Regierung gegen den chinesischen Konzern Huawei geprüft. Vor dem Hintergrund sei es unwahrscheinlich, dass es möglich sei, dass ein chinesischer Netzausrüster ein Mobilfunknetz in Deutschland errichten dürfe, hieß es aus Regierungskreisen.

Partner für Roamingvereinbarung gesucht

Die Frage nach dem richtigen Technologiepartner ist für United Internet aber nur ein Schritt. Die Firma will zudem eine Roamingvereinbarung mit mindestens einem der etablierten Netzbetreiber schließen. Denn als Neueinsteiger wird es Jahre dauern, bis United Internet über das ganze Land verteilt Mobilfunkmasten haben wird.

Deshalb braucht die Firma zumindest für die Übergangszeit eine Zwischenlösung. Eine Auflage aus der Fusion von Telefónica mit E-Plus sieht zumindest vor, dass 1&1 Drillisch noch bis zum Jahr 2030 rund ein Drittel der Netzkapazität anmieten darf. Danach ist alles offen. Zudem läuft schon jetzt ein Rechtsstreit zwischen Telefónica und 1&1 Drillisch darüber, wie hoch die Mietzahlungen sein dürfen. Eine Entscheidung in dem Streit erwarte er für Oktober, sagte Dommermuth.

Selbst wenn diese Hürde genommen ist, steht United Internet vor weiteren Herausforderungen. Bei der Frequenzauktion in diesem Jahr hat der Konzern zwar ein wichtiges Spektrum erworben, das die Firma für den Netzausbau einsetzen kann. Doch das Paket an Frequenzen wird langfristig nicht ausreichen.

Bislang hat United Internet sogenannte Kapazitätsfrequenzen, die zwar hohe Geschwindigkeiten erreichen und eine geringe Verzögerung bei der Übertragung haben. Doch sie haben nur eine kurze Reichweite und sind kaum dafür geeignet, das ganze Land mit Mobilfunk zu versorgen.

Versteigerungen wichtiger Frequenzen erfolgen 2024

Dafür sind sogenannte Flächenfrequenzen nötig. Vermutlich wird die Bundesnetzagentur das nächste Mal im Jahr 2024 Flächenfrequenzen versteigern. United Internet hat in den Plänen bereits in Aussicht gestellt, dass sich die Firma dann an der Auktion beteiligen wird.

Das bedeutet jedoch auch, dass es noch viele Jahre dauern wird, bis der Konzern einen abschließenden Plan vorlegen kann, wie der Netzausbau langfristig funktioniert. Schließlich kann niemand sagen, ob United Internet 2024 Frequenzen ersteigern wird und wie viele.

Über allem steht jedoch die Frage, ob und wie United Internet langfristig Geld mit seinem Netz verdienen will. Der Research-Anbieter Redburn hatte in einer Studie mögliche Geschäftsmodelle durchgespielt. Am Ende kamen die Analysten jedoch zum Schluss, dass es kaum möglich ist, für einen vierten Anbieter auf einem Mobilfunkmarkt ein langfristig lukratives Geschäftsmodell zu etablieren. Schließlich hatte 2014 Telefónica den Anbieter E-Plus in Deutschland gekauft, um die Zahl der Anbieter von vier auf drei zu reduzieren.

Dommermuth muss also noch Überzeugungsarbeit leisten, wenn er Analysten und Aktionäre von seinem Kurs überzeugen will.

Mehr: Ralph Dommermuth spricht im Interview über seine Pläne für den 5G-Ausbau, sein langfristiges Geschäftsmodell und fallende Kurse an der Börse.

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