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Telekommunikation Ende der 5G-Auktion: Angreifer Dommermuth setzt sich durch

United-Internet-Chef Ralph Dommermuth ist der große Gewinner der 5G-Auktion. Er konnte sich gegen die etablierten Betreiber durchsetzen – und könnte sein eigenes Netz bauen.
Update: 12.06.2019 - 21:28 Uhr Kommentieren
Der Chef von United Internet hat auf die Zukunft gewettet – und gewinnt damit. Quelle: Thies Rätzke für Handesblatt
Ralph Dommermuth

Der Chef von United Internet hat auf die Zukunft gewettet – und gewinnt damit.

(Foto: Thies Rätzke für Handesblatt)

DüsseldorfIn einem schmucklosen Bau an der Canisiusstraße 21 in Mainz ist die Entscheidung über die Zukunft des Mobilfunks in Deutschland gefallen. In der Niederlassung der Bundesnetzagentur lieferten sich die Bieter ein Rennen bei der Versteigerung der Frequenzen für den Echtzeitmobilfunkstandard 5G – und das zwölf Wochen lang. Jetzt steht das Ergebnis fest: Auf 6,5 Milliarden Euro beläuft sich die Summe der Höchstgebote, wie die Bundesnetzagentur am Mittwochabend mitteilte. Damit steht Deutschland vor einem Umbruch im Mobilfunk.

Denn in der Auktion konnten sich nicht nur die etablierten Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Frequenzen sichern. Auch der Angreifer United Internet geht mit einem Paket mit wertvollem Spektrum aus der Auktion. Noch vor wenigen Wochen hatten die etablierten Netzbetreiber ihn nicht wirklich ernst genommen.

Damals hatte United-Internet-Gründer Ralph Dommermuth angekündigt, er werde mitbieten. „Natürlich werden wir nicht mit einem Messer zu einer Schießerei gehen“, hatte Dommermuth im Interview mit dem Handelsblatt gesagt. Und er hat Wort gehalten. Anleger der United-Internet-Tocher 1&1 Drillisch feierten das Ende der 5G-Auktion. Papiere des Unternehmens legen nachbörslich um mehr als zehn Prozent zu.

Jetzt kann Dommermuth über Frequenzen verfügen, um sein eigenes Netz zu errichten. Das dürfte eine große Herausforderung werden. Dommermuth hatte stets darauf gepocht, zumindest für eine Übergangszeit einen garantierten Zugang zu den Netzen der anderen Betreiber bekommen zu können. „Ohne National Roaming ist ein Marktzutritt nicht möglich, da sind sich alle Experten einig“, hatte Dommermuth gesagt.

Doch eine Pflicht zum Roaming ist nicht Teil der Vergabebedingungen. In Berlin wird zwar über eine solche Pflicht zum Teilen von Infrastruktur in Funklöchern, dem lokalen Roaming, debattiert. Eine entsprechende Regelung der Europäischen Union will die Politik mit einer Änderung des Telekommunikationsgesetzes umsetzen. Nationales Roaming ist derzeit nicht vorgesehen.

Telekom ist gegen das National Roaming

Die etablierten Netzbetreiber warnen, eine Pflicht zum flächendeckenden Teilen ihrer Infrastruktur würde die Ausgaben in ihre Netze entwerten. „Das führt zu einem asymmetrischen Wettbewerb. Einer hat die Fixkosten, die anderen zahlen nur variabel“, hatte Telekom-Chef Timotheus Höttges jüngst bei der Hauptversammlung der Telekom gesagt. „Wenn der Gesetzgeber National Roaming einführt, prognostiziere ich Ihnen ein Ende des Ausbaus im ländlichen Raum“, hatte Höttges gesagt.

Durch die Pflicht zum Teilen von Infrastruktur würde sich für die Netzbetreiber der teure Ausbau außerhalb der Ballungszentren nicht rechnen. Allerdings bot Höttges an, Standorte von Mobilfunkantennen gegen frei ausgehandelte Preise zu teilen.

Das Bieterverfahren in Mainz war nur der erste Schritt für die Netzbetreiber. Nachdem die Unternehmen die Frequenzen ersteigert haben, müssen sie ihre Netze für die neue Technik aufrüsten. Um 5G in voller Leistung verfügbar zu machen, müssen die Netzbetreiber deutlich mehr Masten aufstellen.

Mit der Auktion hat die Bundesnetzagentur den Firmen Vorgaben für den Ausbau gemacht. Die Behörde hat vorgeschrieben, bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland, alle Bundesautobahnen und darüber hinaus die wichtigsten Bundesstraßen sowie Schienenwege mit schnellen Datenverbindungen zu versorgen. Bis Ende 2024 steigen die Anforderungen noch weiter.

Die Telekom hatte bereits angekündigt, bis zum Jahr 2025 insgesamt 99,3 Prozent der Bevölkerung Deutschlands und 90 Prozent der Fläche der Bundesrepublik mit 5G zu versorgen. Vergleichbare Ankündigungen gibt es bislang von den Netzbetreibern Vodafone oder Telefónica nicht.

Um ihre Ziele zu erreichen, will der Dax-Konzern aus Bonn bis 2021 jedes Jahr mehr als 2000 neue Masten aufzustellen. Eine Mobilfunkantenne kostet im Schnitt mehr als 200.000 Euro. Dazu zählen nicht nur die Kosten für die Technik, sondern auch die für den Standort und für die Erschließung des Standorts. Um Antennen auf 5G aufzurüsten, müssen sie mit Glasfaser versorgt sein. Die Telekom hat bereits mehr als 80 Prozent ihrer Antennen dahingehend ausgerüstet. Bei den Rivalen Vodafone und Telefónica ist der Anteil deutlich geringer.

Viel Widerstand gegen neue Antennenstandorte

Die Netzbetreiber haben jedoch ein großes Problem: Es gibt viel Widerstand gegen neue Antennenstandorte in Deutschland. „Jeder will Mobilfunk, aber keiner will einen Mast in der Nähe“, klagte Höttges. „So funktioniert Zukunft nicht.“

Die Herausforderung dürfte für United Internet als Neueinsteiger besonders groß sein. Zwar gelten für Newcomer deutlich geringere Ausbauverpflichtungen der Bundesnetzagentur als für die etablierten Konzerne. Doch United Internet braucht ein gutes Netz, um seinen Kunden auf absehbare Zeit lukrative Angebote machen zu können.

Berlin dürfte erfreut nach Mainz schauen. Das Bundesfinanzministerium hatte Auktionserlöse von bis zu fünf Milliarden Euro erwartet. Die Zahl schien mit Blick auf die vergangenen Bieterverfahren nicht unrealistisch. Im Jahr 2015 hatten die Unternehmen in 181 Runden insgesamt fünf Milliarden Euro bezahlt.

2010 waren es 4,4 Milliarden Euro in 224 Runden. Nun konnte der Staat sogar noch mehr Geld einnehmen. Die mit Abstand teuerste Auktion war die Versteigerung der UMTS-Frequenzen im Jahr 2000. Damals bezahlten die Firmen in einem drei Wochen dauernden Bieterverfahren am Ende 50,8 Milliarden Euro.

Die Milliarden aus der Frequenzauktion heute will die Bundesregierung in einen Fonds einfließen lassen, mit dem der Breitbandausbau in Deutschland gefördert werden soll.

Mehr: Die Auktion der 5G-Frequenzen ist vorbei. Das sind die Details und erste Reaktionen.

5G-Frequenzauktion beschert Bund mehr als 6,5 Milliarden Euro

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