Telekommunikation: Streit um Handynetz von 1&1 – Kartellamt leitet Verfahren gegen Vodafone ein
1&1 wirft dem Konzern und seiner Tochter Vantage Towers vor, den Ausbau des Konkurrenten bewusst zu bremsen.
Foto: ReutersDüsseldorf. Warum kommt der Ausbau des Mobilfunknetzes von 1&1 nur so langsam voran? Der Telekommunikationsanbieter sieht den Konkurrenten Vodafone mit seiner Funkturmtochter Vantage Towers mit in der Verantwortung – und hat deswegen Beschwerde beim Bundeskartellamt eingeleitet.
Die Behörde wird den Fall nun genauer untersuchen: Sie hat am Freitag eine Prüfung angekündigt, ob Vodafone und Vantage Towers 1&1 „bei der Mitnutzungsmöglichkeit von Funkturmmasten behindert und damit eventuell gegen deutsche und europäische Kartellrechtsvorschriften verstoßen haben“, wie die Behörde mitteilte.
Man werde sich genau ansehen, „ob es gute Gründe für eine Verzögerung bei der Bereitstellung von Antennenstandorten für 1&1 gibt“, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Marktmächtige und marktbeherrschende Unternehmen dürften Konkurrenten „nicht unbillig behindern“.
1&1-Chef Dommermuth hatte Vorwürfe gegen Vodafone erhoben
Für Ralph Dommermuth, Chef des United-Internet-Konzerns samt 1&1, dürfte das Verfahren des Kartellamts eine Bestätigung sein. Der Unternehmer hatte Mitte Mai im Handelsblatt-Interview den Verdacht geäußert, dass Vodafone mit der Tochterfirma den Ausbau bewusst bremse.
Vantage Towers habe Vodafone bis Ende letzten Jahres mehr als 1600 Standorte für 5G-Antennen in Deutschland zur Verfügung gestellt – „da ist es schon auffällig, wenn für uns kaum ein Standort abfällt“, sagte Dommermuth. „Aber das muss das Kartellamt jetzt in Ruhe prüfen.“ Der britische Mobilfunkkonzern brachte die Infrastrukturgesellschaft im Frühjahr 2021 an die Börse, hält aber zusammen mit Finanzinvestoren knapp 90 Prozent der Aktien.
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Vodafone und Vantage Towers wiesen den Vorwurf einer Behinderung zurück und sagten die Zusammenarbeit mit den Behörden zu. „Wir werden auch die Gründe für etwaige Verzögerungen ausführlich darlegen“, erklärte die Infrastrukturgesellschaft zudem. „Als neutraler und unabhängiger Host bieten wir allen unseren Kunden einen offenen Zugang zu unserer passiven Infrastruktur.“
1&1 erklärte am Freitag: „Die Untersuchung durch die Behörde wird nun Klarheit und Transparenz schaffen.“
Das Unternehmen bietet seit Jahren Mobilfunktarife an, muss dafür aber die Infrastruktur der Konkurrenten mieten. Um diese Abhängigkeit zumindest langfristig zu beenden, will das Management um Dommermuth ein Netz der fünften Generation aufbauen und so zum vierten Netzbetreiber neben Telekom, Vodafone und Telefónica werden.
Netzausbau soll Fahrt aufnehmen
Der Aufbau einer komplett neuen Mobilfunkinfrastruktur ist jedoch komplex. 2022 gingen statt wie geplant 1000 lediglich fünf Antennenstandorte in Betrieb. Die Bundesnetzagentur hat wegen der Verletzung der Ausbauauflagen im April ein Bußgeldverfahren gegen 1&1 eingeleitet.
Der Netzausbau nehme aber an Fahrt auf, versicherte Dommermuth kürzlich dem Handelsblatt. Bis Ende Juni sollen 160 Standorte am Netz sein, bis Ende des Jahres sogar 1200. „Wir haben mit unseren Partnern neue Ausbaupläne vereinbart, deren zuverlässige Erfüllung uns alle Seiten klar zugesichert haben.“
Die Ziele bleiben anspruchsvoll: Bis 2025 muss 1&1 mindestens 25 Prozent der deutschen Haushalte mit seinem Mobilfunknetz erreichen, 2030 sollen es gar 50 Prozent sein.